Review

Müsste ich Dark Castles drittes Projekt mit einem Wort umschreiben, dann fiele mir nur eines ein:

Horror-Placebo.

Ja, "Ghost Ship" verfolgt leider den dunklen Pfad weiter, den die 13 Geister eingeschlagen hatten. Sieht aus wie Hühnchen, schmeckt wie Hühnchen, wird sogar unter dem Namen "Hühnchen" verkauft... aber es hat den gottverdammten Nachgeschmack von Tofu, und tief im Inneren ist es das auch nur: ein trauriger Fleischersatz.

Zu verdanken haben wir das dem grandiosen Steve Beck, der schon den Vorgänger verzapft hatte, und dem es schon damals nicht gelang, trotz ausreichender monetarischer Mittel und ausgefallener Sets Atmosphäre aufkommen zu lassen.
Aber so etwas Seltsames wie bei "Ghost Ship" habe ich bisher noch nie erlebt.

Man kennt ja die Werbe-Making Ofs, in denen alles und jeder über den Klee gelobt wird. Als die Schauspieler und sonstigen Beteiligten sich dann euphorisch über die Sets ausließen, wollte man ihnen beinahe glauben, denn ohne Zweifel wurde beim Ort des Geschehens, dem verschollenen (und verrotteten) italienischen Luxusdampfer ganze Arbeit geleistet. Alles ist fies verfault und brüchig, überall hängt der Rost, man bricht durch die madige Holzdiele, die großen Hallen erinnern weniger an Festsäle als vielmehr an Leichenhallen, kurzum: alles ist perfekt und bereit für den Film.

Umso kläglicher ist die Arbeit des Regisseurs. Der gute Steve vermag es einfach nicht, das Publikum gruseln zu lassen. Irgendwie versaut er jedesmal den Schockeffekt durch Kamerawinkel, die vorweg schon alles verraten, oder durch den fehlgeschlagenen dramaturgischen Aufbau. Vielmehr erinnert das Gezeigte an eine sachlich-fachliche Dokumentation über ein gesunkenes Schiff. Vielleicht hätte Beck besser eine Runde "Silent Hill" gespielt, anstatt sich vor Drehbeginn bei James Cameron auf dem Set seiner Doku "Ghosts of the Abyss" Tipps zu holen.

Wer trotz bester Ausgangslage handwerklich so sehr versagt, der kann immer noch auf seine Schauspieler hoffen. Der Cast ist typisch für die Art von Film: eine Horde von Nobodies - darunter eine als Newcomerin angekündigte Heldin in bester Ripley-Tradition - unterstützt von einem Promi (Gabriel Byrne), der die Zuschauer an Land ziehen soll. Erinnert mich stark an die Konstruktion aus "Deep Blue Sea", das alles.
Jedenfalls bleibt Byrne leichenblass (Geoffrey Rush aus "House on Haunted Hill" bleibt der King!), und auch sonst hat die Filmwelt in diesem Grusler keinen zweiten McClane / keine zweite Ripley gefunden. Schon eine blöde Sache, wenn man sich nicht mal auf das Acting vom Geisterfutter verlassen kann.

Aber wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, denn zwei Strohhalme lugen noch aus dem Horrorcocktail hervor. Zum einen die Special Effects und damit verbunden zum anderen die Goreszenen, von denen ja schon der Erstling ein paar ordentliche zu bieten hatte (ordentlich nicht nur für ein Mainstream-Movie, der Glastür-Halbierer war schlichtweg klasse!). Beck klotzt von Beginn an ordentlich und beschert uns gleich zu Anfang einen Massenkill, der sich gewaschen hat. Wie schon in "Haunted Hill" ist dieser Prolog ein Flashback auf die unheilvollen Geschehnisse, die erst der Auslöser waren für das derzeitige Problem. Die Kostüme in dieser Szene wirken nicht unbedingt gut recherchiert und muten etwas pseudo-historisch an, irgendwie will das History-feeling nicht aufkommen. Mit der besagten Goreszene sind allerdings diese Kritikpunkte ganz schnell beseitigt, da achtet keiner mehr drauf, was die Typen anhaben.

Obwohl noch einige weitere blutige Szenen vorkommen sollten, war das schon der Höhepunkt. Im weiteren Verlauf dominieren eher die Special Effects. Als sich etwa der riesige Tanzsaal sozusagen selbst reinigt und von seiner verrotteten in die galante Ursprungsform zurückverwandelt, bietet sich dem Auge des Betrachters ein schön anzusehender Effekt. Aber auch diese Effekte wirken sich leider negativ auf den besagten Spannungsaufbau aus (der aber ja von vorneherein schon für die Katz war). In einem Horrorfilm soll man eben nicht über Effekte staunen, sondern sich ins Geschehen hineinversetzt fühlen und Angst kriegen.

Als wäre das noch nicht genug, schlägt auch die Story keinen einzigen Haken. Die Leute sterben in der Reihenfolge, wie man es ahnt, das dämliche Geistermädchen ist doof und langweilig, und überhaupt scheint das Negerlein-Prinzip zum Selbstzweck zu verkommen.
Gegen Ende versucht Beck es dann mit einer Shyamalanschen Auflösung, die aber bei weitem nicht den Aha-Effekt des Meisters imitieren kann. Auch visuell ist die Szene zwar irgendwie interessant, aber viel zu stylish und aufpoliert extra für das Massenpublikum, darunter auch etliche Kinder, die ihren ersten fiesen Horrorfilm gucken. Auch der zugehörige Metal-Soundtrack, u.a. mit Mudvayne, will nicht immer passen (Resident Evil hat da schon besser gezeigt, wie man mit hämmerndem Soundtrack inhaltliche Schwächen kaschieren kann).

Was bleibt, ist ein Produkt von der Stange, dem man zwar den hohen Aufwand sofort ansieht, das aber außer heißer Luft nicht sehr viel bietet. Die Schwächen werden eindeutig durch das fehlende Regietalent von Steve Beck hervorgerufen (er möge mich mit einem dritten Film des Besseren belehren), da die Voraussetzungen für einen atmosphärischen Grusler gegeben waren. Aber so bekommt der gebeutelte Patient mit Horrorambitionen vom Doktor Beck nur ein leckeres, aber wirkungsloses Horror-Placebo serviert.
4/10

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