Review

Zunächst zu meinen Pottermania-Vorraussetzungen: Ich hab keines der Bücher gelesen, bin den Kinderschuhen zumindest in Sachen Filmgeschmack entwachsen und kenne bis dato auch nur den ersten (sehenswerten) Film. Ergo nicht angesteckt vom grassierenden Potterfieber kann ich nach nausufernden 150 Filmminuten der "Kammer des Schreckens" nur konstatieren: Eine Enttäuschung - aus dem Sichtwinkel eines neutralen Beobachters freilich. Des Pudels Kern ist recht schnell gefunden. Regisseur Chris Columbus, der bereits den ersten Film in Szene setzte, schafft es schlicht nicht, die Handlung für Nicht-Buchkundige mitreißend und abwechslungsreich genug zu gestalten! Mir offenbahrte sich der grobe Story-Ablauf als ein Quasi-Abklatsch des ersten Films: Potters übertrieben nervige Familie, die Arena-Wettkämpfe, der Zauberunterricht, die Akademie-Räumlichkeiten - All das kenn ich schon aus dem ersten Film und vermag beim besten Willen nichts fesselndes mehr daran finden, zumal die Geschichte als solche abseits von Magie und Eyecandy auch äußerst dünn ausfällt. Alibimäßig trifft man zwar auf einige neue Geheimräume, andere Neben-Sets und Randcharaktere, aber im Groben und Ganzen ist alles bis hin zum finalen Duell mit dem Bösewicht wie gehabt bunt, kindisch, flach, langatmig, konstruiert und ohne größere Überraschungen präsentiert!

Gut, das war Teil 1 im Grunde auch, dort jedoch gab es noch die "Faszination des Neuen"; man lernte die Figuren kennen und mit ihnen die phantasievollen Hauptschauplätze sowie diverse Aktivitäten rund um die malerisch gelegene Zauberakademie. Dieses "Entdecken" einer neuen Welt ist bei einem zweiten Teil logischerweise nicht mehr gegeben und genau das macht "Die Kammer des Schreckens" für nicht vom Potterboom hypnotisierte Zuseher in Ermanglung echter Innovationen doch ziemlich uninteressant. Nun mag man freilich anmerken, daß man Gleiches auch über den "Herrn der Ringe" sagen könnte. Dem kann ich nur entgegensetzen, daß dort zum Ende eines jeden Teils wenigstens echte Erwartungshaltung auf den weiteren Fortgang der epischen Handlung geweckt wird und darüberhinaus auch tatsächlich mit immer spektakuläreren Effekten und gigantischen Sets Wort gehalten wird. Beim zweiten "Harry Potter" ist dies aufgrund der Ähnlichkeit zum Erstling defintiv leider nicht der Fall!

Auch das Identifizieren mit den Schauspielern wollte mir nicht so recht gelingen. Während Daniel "Potter" Radcliffe noch am besten spielt, störte mich Rupert Grint als "Ron" mit seinen dämlichen Grimassen doch erneut erheblich. Böse Zungen könnten auch sagen: Amateurhaft und unglaubwürdig gespielt. Bei Emma Watson lässt sich ähnliches feststellen, wenn auch in weniger gewichtigem Maße. Überhaupt stiess mir sauer auf, daß hier scheinbar jeder hin und wieder zum Overacting neigt, was zumindest in meinen Augen keinem der ohnehin flachen Charakteren in irgendeiner Weise zu gute kommt. Im Gegenteil: Die Schwächen der dünnen, sehr konstruierten Handlung werden umso offensichtlicher!
Gut, daß da noch die vielen sehenswerten Computer-Effekte und die insgesamt ansehliche technische Umsetzung einigermaßen darüber hinwegtäuschen. Der mit ohnehin nicht sympathsiche Leichtkost-Filmer Chris Columbus macht seinem Namen alle Ehre...

Fazit aus Sicht eines Nicht-Potterinfizierten: "Die Kammer des Schreckens" konnte mich nicht gefangennehmen. Technisch zwar wieder nett gemacht aber der berühmte Funke wollte nie wirklich überspringen. Regisseur Columbus ist mit seinem Hang zum kindisch-Banalen daran nicht unschuldig...

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