Review

Zweite Runde für den Zauberlehrling! Die Hysterie im Vorfeld war ähnlich groß wie bei allen "Potter"-Verfilmungen, in diesem Fall standen die Vorzeichen besonders günstig: Chris Columbus, der schon die höllisch schwere Aufgabe, den ersten Band zu visualisieren, meisterte, nahm erneut auf dem Regiestuhl Platz. Zudem hatte der zweite Band deutlich mehr (düsteres) Potential als Teil eins und führte den ein oder anderen interessanten neuen Charakter ein (allen voran den eitlen Gilderoy Lockhart). Und nicht zuletzt war die komplette Hauptbesetzung aus Teil eins wieder am Start, da kann doch eigentlich nichts schiefgehen...

...und doch machte Columbus aus dieser Fortsetzung nicht das, was daraus hätte werden können. Soll heißen: Ein überdurchschnittlicher Fantasyfilm kam dabei heraus, aber auch einer, der viel Möglichkeiten verschenkt. Das fängt bei der zähen Hinführung auf die Geschichte der "Kammer des Schreckens" an: Eigentlich sind doch die Figuren längst etabliert, da hätte es mehr als gereicht, die wichtigsten vorzustellen: Gilderoy Lockhart, Lucius Malfoy und Tom Riddle. Lediglich erster bekommt genügend Aufmerksamkeit spendiert, Jason Isaacs spielt Lucius zwar herrlich diabolisch, aber Tiefe kann er seiner Figur nicht verleihen, dazu erfährt man zu wenig Hintergründe. Tom Riddle hat seinen großen Auftritt erst im Showdown, nachdem er innerhalb einer atmosphärisch starken Rückblende eingeführt wurde. Das Drehbuch legt seine Schwerpunkte mehrmals falsch, sodass Buchunkundige sich deutlich schwerer tun als noch im ersten Teil. Da wurde die wunderbare Welt von Hogwarts Stück für Stück vorgestellt, erwachten fantastische Schauplätze wie der große Speisesaal zum Leben. Die gibt es natürlich in der Fortsetzung ebenfalls zu sehen, aber der springende Punkt ist der, dass das in diesem Fall nicht mehr neu, geschweige denn sonderlich aufregend ist.

Bis der Film in Fahrt kommt, vergeht dementsprechend viel Zeit. Ab dem Auffinden von Tom Riddles Tagebuch geht es dann aber Schlag auf Schlag und Columbus präsentiert uns den Potter, den wir sehen wollen: Zunehmend düsterer wird es gegen Ende, schön getrickst sind die kompletten Sequenzen um den Spinnenangriff im Wald, sowie das komplette Finale. Das fällt länger aus als im Vorgänger, ist aber im Vergleich zum dritten Teil noch etwas zu konstruiert und um Spannung bemüht. Erfreulich trotzdem, dass (zumindest in der ungekürzten Fassung) der harsche Ton der Vorlage eingehalten wurde. Der Zauberlehrlring macht da schon Nägel mit Köpfen, wenn er den Basilisken mit einem Schwert durchbohrt oder Tom Riddle in die ewigen Jagdgründe zurückschickt.

Eine Enttäuschung ist dagegen Hauself Dobby, der erstens nervt und zweitens schlecht getrickst ist. Wer im gleichen Jahr den zweiten "Herr der Ringe" gesehen hat und den dortigen Gollum mit Dobby vergleicht, wird genau wissen, was gemeint ist. Natürlich kommt Gollum in der Tolkien-Story eine deutlich wichtigere Rolle zu, aber von einer Produktion wie "Harry Potter" könnte man da schon mehr technische Raffinesse erwarten. Die restlichen Figuren aber sind wieder herrlich getroffen, der neu hinzugestoßene und etablierte britische Schauspieler Kenneth Branagh ist als selbstverliebter Gilderoy Lockhart wohl die Idealbesetzung. Demgegenüber fallen Rupert Grint (als weinerlicher Ron zumindest für mich sehr unsympathisch) und Draco Malfoy (sehr stereotyper Gegenspieler Potters) leicht ab, während Daniel Radcliffe eine grundsolide Leistung bringt. Und Emma Watson ist als Hermine erneut eine so herzerfrischende Mischung aus etwas vorlauter Göre und liebenswerter Freundin Harrys und Rons, dass man sich automatisch auf die nächsten Teile freut.

Alles in allem ergibt das ein gelunges Fantasyabenteuer für (ältere) Kinder und alle Erwachsene, welche die Bücher Joanne K. Rowlings in ihr Herz geschlossen haben. In meinem Fall liegt die Lektüre des zweiten Teils gute fünf Jahre zurück und es gab doch einige Schwierigkeiten, aus dieser Verflimung Wichtiges und Unwichtiges herauszufiltern. Wer das Buch ein paar Wochen vorher gelesen hat, dem werden die paar falsch gesetzten Schwerpunkte vielleicht gar nicht auffallen, aber mit den Hintergründen der "Kammer des Schreckens" können sich schon einige Verständnisprobleme ergeben. Fairerweise muss man sagen, dass Columbus hier eine noch schwierigere Aufgabe als beim ersten Teil hatte, ganz einfach weil der Roman gegenüber dem Vorgänger deutlich erwachsener und komplexer geworden ist. Wie man das adäquat umsetzt, sollte Alfonso Cuarón zwei Jahre später zeigen...

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