Review

Ein Jahr ist schnell vorüber und schon präsentiert man uns die zweite Potter-Verfilmung und die weiß genauso zu gefallen wie die erste. Allgemein ist das Echo sogar besser

Der Film hält was Regisseur Chris Columbus schon im Vorfeld versprochen hatte: Er ist spannender, actionreicher und gruseliger als Teil 1. Die visuellen Effekte wurden ebenfalls perfektioniert und überzeugen (fast) ausnahmslos.

Wie schon beim Vorgänger ging man auch hier kein Risiko ein und hielt sich inhaltlich recht genau an Joanne K. Rowlings Romanvorlage. Doch leidet der Film ähnlich seinem Vorgänger an der Straffung der Handlung. So ist vom Schulleben der Potter-Kids wieder nur wenig übriggeblieben. Man hat auch fast das Gefühl die Handlung erstreckt sich nur über einen Monat und nicht über ein ganzes Schuljahr. Dies ist das einzige Manko des Films.

Ansonsten können wir über 2 1/2 Stunden lang in die magische Zauberwelt des Harry Potter eintauchen. Die Phantasien von J. K. Rowling wurden abermals perfekt umgesetzt. Der Fuchsbau sowie Flourisch & Blotts wurden liebevoll gestaltet und dürften den Vorstellungen der Leser weitestgehend entsprechen.
Der Hauself Dobby, gut animiert, alles andere als schön (aber das sollte er auch nie sein), wird von einigen gehasst und gar mit Jar Jar Binks verglichen (kann ich nicht nachvollziehen) aber offenbar kann ihn die Mehrzahl der weiblichen Potter-Fans gut leiden.
Das Quidditsch-Match ist geradezu genial. Tricktechnisch diesmal perfekt gestaltet ist es mit dem verzauberten Klatscher der unablässig Harry verfolgt und dabei einiges zertrümmert (Stützbalken und auch Knochen) ähnlich packend wie die Weltraumschlachten bei "Star Wars".
Ebenfalls brilliant ist die Duellier-Szene. Anfangs humorvoll, dann wunderbar stimmig.
Selbiges gilt natürlich auch für die Szenen im verbotenem Wald. Diese sind dank des beachtlichen Spinnen-Aufgebots ("Arachnophobia" ist dagegen gar nichts) noch cooler als die Waldszenen im ersten Harry Potter
Als letztes sei noch das Finale erwähnt, welches das im ersten teil auch übertrifft, da es zusammenhängender, spektakulärer und spannender ausfällt. Der Kampf mit dem Basilisken wirkt wunderbar altmodisch an David & Goliath angelehnt.

Auch auf der Darsteller-Seite wurde zugelegt. Daniel Radcliffe musste sich diesmal von keiner Seite Kritik anhören, spielt er doch deutlich selbstbewusster und vor allem seine Gestik (seine Mimik war schon im ersten teil ganz gut) hat sich verbessert. Rupert Grint ist so witzig und liebenswert wie eh und je, von Emma Watson (die schon mit 12 ungemein bezaubernd ist) ganz zu schweigen.
Vom Erwachsenen-Ensemble ist diesmal Alan Rickman noch etwas besser weggekommen und wir dürfen uns auf Teil 3 freuen wo er zum Schluss eine tragende Rolle spielen wird. Leider ist John Cleese hier noch seltener zu sehen als im ersten Teil, denn man hat die Todestagsfeier des Fast Kopflosen Nick völlig weggelassen (was ich schade fand, auch wenn sie für die eigentliche Handlung kaum Bedeutung hat). Richard Harris legt hier einen recht würdevollen Abschied hin und seine Krankheit wurde glücklicherweise von den Make Up-Künstlern verdeckt.
Robbie Coltrane und Maggie Smith sind hier etwas weniger zu sehen als im Vorgänger aber sie kommen trotzdem ganz gut weg. Aber einer stiehlt ihnen allen die Show und das ist natürlich Neuzugang Kenneth Branagh als megaeitler Professof Lockhart. Branagh geht in seiner Rolle voll auf und sorgt für so manchen Lacher, so dass man es bedauert, dass er wohl nicht wieder auftauchen wird. Leider wird Hermines Vernarrtheit in Lockhart im Film nur angedeuted, aber ich drück die Daumen davon auf DVD mehr sehen zu können.

Die Qualität des Soundtracks steht natürlich außer Frage, schließlich wurde abermals John Williams verpflichtet. Der hat überraschend viel aus seiner Score aus Teil 1 direkt übernommen, aber auch wieder einige wunderbare Stücke komponiert, z. b. das Phönix-Thema. Auch der Kampf zwischen Harry Potter und dem Basilisken wurde sehr gut untermalt.

"Harry Potter und die Kammer des Schreckens" ist also genau wie sein Vorgänger ein wunderbares Fantasy-Spektakel mit erstklassiger Besetzung und Spezialeffekten, das gekonnt das britische Flair, den Humor und die düstere, bedrohliche Atmosphäre der Buchvorlage einfängt.

Ein Paar Wörter muss ich noch zur Kindertauglichkeit verlieren und ich habs mir für den Schluss aufgehoben.
ICH KANNS NICHT MEHR HÖREN. Harry Potter ist ja sooo guuuselig und nichts für Kinder. Ich sag nur, jedes Kind welches die Bücher gelesen hat (und das wird wahrscheinlich kaum jünger als 8 Jahre sein) kann man wohl auch an den Film lassen. Und dieses wird sich auch wundern, warum der Basilisk im Film statt "Lass mich dich töten / zerfetzen" nun "Ich werde dich kriegen" zischt. Natürlich wenn irgendwelche Eltern ihren Kindern das Fernsehen ganz verbieten oder sie mit den Teletubbies verseucht haben und dann meinen sie mal aus dem haus in einen schönen Kinderfilm wie Harry Potter schicken zu können, die brauchen sich nicht wundern, wenn es schlaflose Nächte gibt. Allerdings ist es eine Frechheit, denjenigen, die solchen Stoff problemlos vertragen, deshalb einige Szenen zu verwehren. Ich jedenfalls bin fast ausgerastet als ich von den Schnitten erfahren habe, wurde dann aber im Kino beschwichtigt, denn man hat diese so geschickt ausgeführt, dass ich zunächst glaubte, eine vollständige Version gesehen zu haben.

Meine Wertung ist übrigens 10 von 10 Punkten.

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