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Auch wenn man nun kein Harry Potter-Begeisterter ist, muss man fairerweise zugeben, dass die "Kammer des Schreckens" einen etwas besseren Eindruck macht als der Vorgänger. So ist die Geschichte an sich schon ein wenig spannender, wird aber leider beinahe wie im ersten Teil aufgrund einer sehr zähen Einführung zu spät wirklich in Gang gesetzt. Eigentlich wäre eine so langatmige Einleitung nicht nötig gewesen, da die Hauptfiguren bekanntlich im ersten Film bereits ausgiebig vorgestellt wurden.

Weiterhin fällt das Ende trotz zu vorhersehbarem Bösewicht dieses Mal deutlich besser aus. Und auch die Kamerafahrten haben sich technisch geringfügig verbessert. Unterstützend im Kampf gegen die Langeweile sind auch einige nette Ideen, wie etwa die bei der Vorstellung einer Unterrichtsstunde schreienden Pflanzen, sowie mehrere andere neue Kreaturen. Trotz alledem bleibt für Zuschauer, die dem eigenwilligen Harry Potter-Universum nicht sonderlich viel Zuneigung entgegen bringen, die Spannung oftmals auf der Strecke. Gags sind nicht mehr ganz so extrem infantil geraten, aber teilweise immer noch infantil genug, dass es das ältere Publikum nicht gerade aus den Latschen haut. Etwas zwiespältig ist dies sowieso, da nach der verhältnismäßig düsteren Atmosphäre zu urteilen, die angesprochene Altersgruppe hier erst ab 10 Jahren aufwärts beginnen sollte.

Trotz der Schnitte der deutschen FSK 6-Fassung ist die "Kammer des Schreckens" für Sechsjährige wohl weniger geeignet; besonders ungeeignet für die milde Freigabe sind die Szenen im Spinnenbau und vom Basilisken. Aber wie so oft drückte die FSK undemokratisch bei populären Filmen wieder ein Auge zu. An der Produktion selbst zu bemängeln sind aber auch noch die höchstens nur befriedigenden Effekte. Der Hauself und die Spinnen sehen noch ganz gut aus, wogegen oftmals das Fliegen des Autos oder beispielsweise die Quidditch-Spielfläche zu unnatürlich und schwach für einen Film wirken, der doch eigentlich so hohe Ansprüche an sich stellen will. In voller schauspielerischer Pracht präsentiert sich auch Daniel Radcliffe noch nicht, auch wenn ihm das Drehbuch diesmal eine wesentlich größere Rolle zukommen ließ. Rupert Grint stellt Ron hier dagegen ziemlich überdreht und hektisch dar, dafür kann Emma Watson wieder wie im ersten Teil überzeugen, was ebenfalls für die Erwachsenendarsteller gilt, die absolut souverän und routiniert agieren.

Entweder man mag und fasziniert sich für Harry Potter oder man tut dies eben nicht; bei mir trifft zweites zu, deshalb aus meiner Sicht nur gutes Mittelmaß. Für alle Fans des ersten Filmes und der Bücher des markanten Zauberschülers mit der Brille darf für "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" aber eine klare Empfehlung ausgesprochen werden. (5+/10 Punkten)

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