*** Der Text enthält Spoiler ***
Nach seinem ersten Jahr in Hogwarts verbringt Harry zu seinem Unmut den Sommer wieder bei den Dursleys. Fast noch schlimmer als das ist aber, dass seine Freunde Ron und Hermine ihm nicht schreiben. Zudem taucht tritt auch noch ein Hauself namens Dobby in Harrys Leben, der diesen mit aller Macht davon abhalten will, nach Hogwarts zurückzukehren. Dort angekommen ereignen sich mehrere mysteriöse Vorfälle. Geschöpfe versteinern, Harry hört Stimmen und die sagenumwobene Kammer des Schreckens wurde geöffnet...
Die Episodenhaftigkeit ist wie im ersten Teil auffallend, wirkt aber nicht störend. Regisseur Chris Columbus bleibt seinem Stil treu und so wirken die ersten beiden Teile der Serie wie aus einem Guss. Inhaltlich konnte man hier aber nicht mehr so ausfallend auf den Entdeckerbonus des Vorgängers setzen, obwohl es auch hier noch genug Neues gibt. Aber Hogwarts wird nun einmal nicht neu erfunden (noch nicht) und so konzentriert sich „Die Kammer des Schreckens“ auf seine Mystery-Geschichte mit Rätseln, Versteinerungen und dem Geheimnis der titelgebenden Kammer. Dabei geht es schon düsterer zu als zuvor und der Showdown stellt im Vergleich zum Vorgänger eine deutliche Steigerung dar, obwohl man wieder beim bekannten Oberschurken landet, wenn auch in anderer Gestalt. Das große Ganze, das rückblickend über dem Gesamtwerk schwebt, wird hier in einigen Szenen schon angedeutet, aber erst in den folgenden Teilen wirklich erbaut.
Der Weg dahin ist wieder sehr unterhaltsam, bietet keinen Leerlauf und zeigt die inzwischen vertrauten Charaktere (sowie ein paar neue) in einem weiteren Abenteuer. Die bekannten Gesichter sind wieder in ihren Rollen zu sehen, Richard Harris als Albus Dumbledore leider zum letzten Mal, da dieser noch 2002 verstarb. Neuzugang Kenneth Brannagh gibt sich als Gilderoy Lockhart auf der öfters neu zu besetzenden Stelle zur Verteidigung gegen die dunklen Künste keine Blöße und bekommt nach dem Abspann sogar noch eine kleine Szene spendiert. Miriam Margoyles Pomona Sprout besitzt da nicht soviel Screentime, fügt sich aber stimmig ins Ensemble ein. Charismatisch dagegen bleibt Jason Isaacs als Lucious Malfoy hängen, der auch noch in den weiteren Teilen zu finden sein wird. Das junge Haupttrio bleibt da schauspielerisch noch zurück, spielt aber schon besser als im Vorgänger und kann den Figuren Leben einhauchen – trotz manchem Overacting seitens Grint (Grimassen) und Watson (Klugscheißerei).
Die Inszenierung scheint sich bewusst zu sein, dass man nicht mehr mit jeder Szene was Neues bieten kann, wie es naturgemäß im ersten Teil der Fall war, als für Harry und somit auch den Zuschauer hinter jedem Stein eine Überraschung lauerte. Daher wurde das Tempo angezogen, der Film gibt sich flott und ohne Umwege. Dass man die Buchvorlage eindampfte ist keine Überraschung und funktioniert im Film auch überwiegend gut. Als Buchkenner vermisst man natürlich immer etwas; Sir Nicks Todestagsfeier hätte ich gerne mal beigewohnt. Dafür besitzt „Die Kammer des Schreckens“ einen guten Fluss und geizt auch wieder nicht mit Schauwerten. Wobei hier anzumerken ist, dass sich die CGI-Effekte verbessert haben, auch beim obligatorischen Quidditch-Match, wenngleich es immer noch künstlich aussieht; gleiches gilt auch für das fliegende Auto. Der Rest, seien es Spinnen, ein Basilisk oder all die kleinen Effekte, wirken eine Spur runder und ausgefeilter.
Die musikalische Untermalung hat man wieder John Williams überlassen, der verwendete Themen aufgreift, neue einstreut (am präsentesten dürfte hier „Fawkes the Phoenix“ sein) und wieder einen hochwertigen Soundtrack abliefert. Hinter der Kamera nahm diesmal Roger Pratt („Twelve Monkeys“) Platz, der innerhalb des gleichbleibenden Designs nicht so statisch wie sein Vorgänger arbeitet und das Bild dynamischer gestaltet. Die Sets sind wieder detailliert eingerichtet und abwechslungsreich, der bereits angemerkte dunklere Ton findet sich auch hier wieder.
Insgesamt flotter und spannender als der Vorgänger und etwas dunkler im Ton ist „Die Kammer des Schreckens“ eine gelungene Fortsetzung der Reihe über die heranwachsenden Zauberer um den titelgebenden Helden. Wieder kann man in eine magische Welt eintauchen und über die gesamte Spielzeit gut unterhalten werden – sofern man natürlich mit dem Sujet etwas anfangen kann.
Nach diesem Teil kam es dann zum ersten Stilbruch in der Reihe, mit Alfonso Cuarón übernahm ein anderer Regisseur die Fortführung der Reihe und entfernte sich vom in den ersten beiden Teilen etablierten Stil.