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Steven Seagal, mittlerweile auch Mitte 52 und mit deutlich sichtbarer Wampe, sowie der Rapper Ja Rule sind die Stars dieses Actionkrachers, dessen Handlung fast komplett im Knast spielt. Dies bietet Raum für ordentlich Krawall in Form von Geballer und das lässt sich Seagal bekanntlich nicht zweimal sagen ...

Gedreht wurde der Streifen, als erster Columbia-Film überhaupt, komplett auf deutschem Boden. Als Alcatraz-Ersatz diente hier ein Stasi-Knast in Berlin.
Im Jahr 2001 landete Seagal mit „Exit Wounds“ (53 Mio. Dollar US-Einspiel) einen echten Kassenschlager und so dachten auch die Produzenten dieses Films, u.a. Andrew Stevens (bekanntlich Fließbandproduzent etlicher Billigfilme) sowie Seagal selbst, sie könnten groß Kasse machen. Doch das ging ordentlich daneben, der Film spielte in de USA nur knapp die Hälfte seines 30-Millionen-Dollar-Budgets wieder ein. In Deutschland verirrten sich gerade mal knapp 17 000 Leute ins Kino. Warum der Film hier überhaupt anlief, ist wohl vielen ein Rätsel.

Die Story finde ich persönlich wirklich gut. Eine Horde Gangster brechen in den Knast (!!) ein, um die Hinrichtung des Verbrechers Lester (Bruce Weitz) zu verhindern. Der Grund: Lester klaute 200 Millionen Dollar in Gold, weiß als einzigster wo dies versteckt ist und will das Geheimnis mit ins Grab nehmen. Die Gangster versuchen, das Versteck herauszubekommen.
Die Story bietet wie gesagt mächtig Raum für Action. Und das nutzt Regiedebütant Don Michael Paul voll aus. 50 Prozent des Films bestehen nur aus Ballereien, nebenbei gibt es noch eine Brise Emotionen und harte Fights. Bei denen zeigt Seagal sein Können, die Fights sind wirklich klasse choreographiert und es macht Spaß, Seagal zuzuschauen, wie er Fäuste fliegen lässt und gekonnt um sich tritt.
Leider kann man sich von den Schießereien kein allzu gutes Bild machen. Sie sind schlecht geschnitten, die Lichtverhältnisse sind zu dunkel, sodass man kaum etwas erkennt geschweige denn die Guten von den Bösen unterscheiden kann. Trotzdem hat auch das ständige Geballer ein Vorteil: man kann nicht einschlafen !!

Nachdem unsere Gangster Lester per Hubschrauber herausgebracht haben und nun hoffen, dass der sie zu dem Gold führt, werden sie, ebenfalls per Hubschrauber, von Seagal verfolgt. Seagal zwingt den Obergangster Donny (Morris Chestnut) zum aufgeben, doch der schmeist einfach eine Geisel aus dem Helikopter. Seagal springt hinterher, rettet die Dame, nebenbei zündet Lester eine Bombe, von der keiner weiß wie er sich die besorgen konnte, und der gesamte Hubschrauber samt unseren Gangstern explodiert. Am Ende kommt dann noch Nick (Ja Rule) auf freien Fuss und der Film ist zuende.

Leider tauchen ab und zu Logiklücken auf, aber sonst ist die Story spannend und einfallsreich. Auch Regisseur Paul bringt einige coole Ideen bei den Actionszenen mitein, sodass die Action wirklich sitzt.
Leider ist der Hintergrund des Films relativ dunkel. Dies bringt zwar eine düstere und sicherlich auch angemessene Atmosphäre, den Actionszenen nimmt er jedoch zum Teil ihren Reiz, auch aufgrund der oft hektischen Schnitte.
Die Fights mit Seagal erinnern an alte Zeiten. Seagal macht durchweg eine gute Figur und auch Nebendarsteller Nia Peebles kloppt sich mit sichtlicher Eleganz durch die Handlung.
Ich denke, ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass hier ungefähr das komplette Militärbudget eines Kleinstaats verballert wird. Ständig fliegen Kugeln, ich persönlich hab so etwas noch nicht gesehen (und ich schaue bevorzugt Actionfilme). Hier hat Regisseur Paul recht, wenn er im Making-Of sagt: „Wir setzen hiermit neue Standards im Actiongenre“. Darauf sage ich nur: „Stimmt, aber ein bisschen Logik darf auch dabei sein“.

Der Film ist zum großen Teil mit der Reservebank Hollywoods besetzt. Seagal gehört schon lange nicht mehr zur ersten Garde, und auch Ja Rule hat den Durchbruch als Schauspieler noch nicht wirklich geschafft.
Neben Seagal und Ja Rule tummeln sich noch der Rapper Kurupt („Hollywood Cops“), Morris Chestnut als Bösewicht und Nia Peebles im Knast herum. Alexandra Kamp und Hannes Jaenicke haben Kurz-Auftritte. Außerdem huscht Yasmina Fillali einmal kurz als Seagal´s Frau durchs Bild.
Produziert hat wie gesagt Andrew Stevens, der nun schon seit einigen Jahren versucht, ins Kinogewerbe einzusteigen, jedoch oft, und so auch hier, floppte. Wie der Mann es immer wieder schafft, Geld aufzutreiben, ist mit wirklich ein Rätsel.

Ein großes Plus ist der ziemlich coole Soundtrack, der zum Großteil aus HipHop-Beats besteht. Er passt gut zur anfangs lockeren Stimmung und den Actionszenen. Später kommt dann etwas Rock hinzu, insgesamt ist die Musik wirklich klasse.

Fazit:
Ein Actionknaller mit guter Story und einigen Stars, der jedoch durch schlechte Kulisse etwas an Reiz verliert. Seagal kloppt sich wie in alten Zeiten, auch Ja Rule spielt seine Rolle ziemlich cool. Die Action stimmt und die Spannung lässt zum Ende hin, auch auf Grund einiger Logiklücken, nach.
Trotzdem ein ansehnlicher Actionfilm, der unterhält, und der deutlich besser und cooler ist als einige berüchtigte Seagal-Werke. Warum der Film jedoch ins Kino kam, ist mir bis heute unbegreiflich ...

Anmerkung:
Der Film hat wirklich außer ein paar Außenaufnahmen von Alcatraz (von „The Rock“) nichts aus anderen Filmen geklaut. Selbst die Schlusssequenz ist selbstgemacht. Ich hab die DVD und habe mir den Regiekommentar von Don Michael Paul anhört. Dort sagt er, er hätte die Szene über Aalen und den Fallschirmsprung mit GreenScreen gedreht. Die Kritiker irren sich also, wenn die behaupten, der Filme würde ganze Szenen aus teuren Produktionen klauen (es wäre aber auch traurig, wenn Stock-Footage-Werke auch noch in die Kinos kommen) !!

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