Die deutschamerikanische Co-Produktion "Halb tot" erweißt sich als schlechter Genremischung aus "Stirb langsam", "The Rock", "Bulletproof", "Assault - Anschlag bei Nacht" und diversen anderen Actionern. Kaum verwunderlich, dass in so was Steven Seagal (Hard to Kill) den Hauptpart inne hat. Weit über 50 und seinem Idealgewicht müht er sich immer noch ab, um uns den harten Einzelkämpfer zu machen. Das bringt letztendlich alles nichts, da Seagal seine besten Tage schon längst hinter sich hat. Auch ansonsten ist "Halb tot" nur ein mäßiges Vergnügen für Actionfreunde.
FBI-Agent Sascha (Steven Seagal) wird undercover in das Hightech-Gefängnis New Alcatraz eingeschleust. Er soll dem gnadenlosen Donny (Morris Chestnut) das Handwerk legen. Der will von einem Todeskandidaten das Versteck einer Millionenbeute erfahren - und stürmt mit seiner Top-Killerin 49er Six (Nia Peeples) sowie einer Söldnertruppe den Knast. Sascha hat nur eine Chance, den Massenmord zu verhindern: Er muss unterstützt von seinem Kumpel Nick (Ja Rule) einen Aufstand gegen die Besetzer anzetteln...
Im Prinzip bekommt man in "Halb tot" nichts Neues von Seagal geboten. Halt die gleiche der mimischen Veränderung fremden Show inklusive mäßigen Martial Arts-Einlagen, die man von ihm schon zigfach in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Unter Umständen hätte mit einem fähigeren Action-Darsteller aus "Halb tot" noch ein ganz netter Actioner werden können, dem man Logikfehler und Budgetknappheit eher verziehen hätte. Anscheinend war nicht genügend Kohle für Leute wie The Rock, Dolph Lundgren oder Vin Diesel im Budget gewesen. Dem lächerlichen Schauspiel schließt sich Ja Rule (Assault on Precinct 13) nahtlos an. Zwar kann er nix für die beknackte Deutsch-Synchro seiner Figur, doch auch so markiert er den pseudocoolen Gangsta, der stets zwei Wummen in der Unterhose stecken hat, dann mit denen aber nicht mal ein Scheunentor treffen kann. Eine eher nervige Darbietung, die man mit LL Cool J oder Ice Cube als schwarzen Sidekick vermieden hätte. Glücklicherweise gehen die Schurken in Ordnung. Morris Chestnut (Alarmstufe: Rot 2) macht seinen Job als Oberschurke nicht schlecht, und Nia Peeples (Sub Zero) hat mit ihrem Part der sexy Killer-Bitch wohl als Einzige in "Halb tot" die Bezeichnung Cool verdient. Vergleichbar mit ihrer Kollegin aus "Blast!". Die Nebedarsteller wie Tony Plana (187) als Knast-Direktor und Claudia Christian (Hexina) als FBI-Agentin sind recht passabel. Lediglich Rapper Kurupt (Hollywood Cops) fällt da als Schmalspur-Gangster heraus und macht sich mit seiner Darbietung nur lächerlich. Da es sich hier um eine Co-Produktion mit dem Heimatland handelt kreuzt auch mal die eine oder andere deutsche Schauspieler-Visage auf. Hier sind es halt Hannes Jaenicke (Blast!), Yasmina Filali (The Antman) und Alexandra Kamp, wobei bei Letzterer die Bezeichnung Schauspieler übertrieben wäre. Statistin mit Dialogzenen wäre da passender.
Die Action geht hier leider nur halbwegs in Ordnung. Es wird zwar ordentlich rumgeballert, gefightet und gesprengt, doch das alles nur mittelmäßig, auch wenn ein paar brauchbare Sequenzen vorhanden sind. Auch hat man bei der Action irgendwie das Gefühl, dass man eine geschnittene Fassung zu sehen bekommt, statt einer Uncut-Version. Vermutlich wurden härte Szenen aufgrund einer PG-13-Freigabe schon vorab im Schneideraum entfernt. Mit einem etwas höheren Härtegrad hätte man wenigstens die Action in vollen Zügen genießen können. Peinlich auch die Eröffnungsschießerei, wo die FBI-Agentin gleich zwei Pistolen hervorzieht, und dann außer einem vor die Kanone springenden Seagal nichts trifft. Man könnte meinen, man hätte eine Parodie auf John Woos Filme gesehen. Auch im Restbereich gestaltet sich "Halb tot" reichlich lächerlich mit seinen ganzen Quoten-Negern, die im Knast allzu übertriebene Coolness an den Tag legen. Das bringt uns auch gleich zu der Logik, die dem Film öfters mal abhanden kommt. Dass man im Knast Wandmalerei betreiben und Playstation zocken kann ist mir jedenfalls neu. Aber was rede ich... war ja noch nie im Knast. Jedenfalls sah der Alltag auf Alcatraz zu Eastwood-Zeiten noch gänzlich anders aus. Und gedreht wurde im Gegensatz zu "The Rock" nicht auf der echten Gefängnisinsel, sondern in einem Ostberliner Ex-Stasigefängnis. Umso eher merkt man dann auch, dass es sich bei den Innenaufnahmen und den aus "The Rock" geklauten Außenaufnahmen nicht um das gleiche Gebäude handelt. Doch ansonsten geht die Location als Handlungsort für einen B-Actioner durchaus in Ordnung. Sogar der Helikopter in der Decke macht trotz CGI-Animation einigermaßen was her. Wegen der stets nervigen Rapper-Mucke kann man den Score bis auf ein paar rockige Klänge ganz vergessen. Hoffentlich hört dieser Trend bald auf, dass minder talentierte Möchtegern-Rapper die Mucke bei einem Actionfilm übernehmen. So was will ich persönlich nicht mehr hören, da es meistens nie zu dem Szenario im Film passt. Die Handlung ist wie oben schon gesagt aus zahlreichen Genrevertretern zusammengeklaut worden, und ist daher nur mäßig spannend geraten.
Alles in allem ist "Halb tot" ein eher enttäuschendes Produkt aus dem Hause Seagal, das bis auf ein paar solide Nebendarsteller und passabler Location wenig unterhalten kann. Aber was will mit von dem Mann auf seinen alten Tagen schon großartig erwarten? Filme wie "Submerged" werden wohl die Ausnahme bleiben. Soll der alte Aikido-Sack doch endlich in Rente gehen. Damit würde er nicht nur sich, sondern auch mir einen Gefallen tun. Ordentliche Actionkost wie Lundgren und Van Damme wird er vermutlich eh nicht mehr Zustande bringen.