Review

Und dabei fing es mit EXIT WOUNDS wieder so gut an! Man hatte wieder Hoffnung! Man sah wieder einen knochenbrechenden (relativ) fitten Seagal - und jetzt? Gleich der nächste Film semmelt sich neben anderen PG-13 Stuhlitäten wie COLLATERAL DAMAGE in die Schublade der Kiddy-Konformen B-Machwerke (und Seagal ist auch wieder fett!).

Die Story ist lahm, platt, uninspiriert und kann schonmal nicht als Aufhänger für den Film dienen. Seagal arbeitet fürs FBI, Ja Rule ist ein "Böser" an den sich Seagal ranmachen soll (nein, nicht SO wie manche jetzt denken werden - wobei das für diesen Müll-Film sicher ein Pluspunkt wäre). Wie ihr merkt habe ich mich dazu entschlossen nicht die Charakter-Namen zu nehmen, denn wer sieht denn Seagal schon als Casey Ryback, Gino Felino oder Sasha P.? Seagal ist Seagal - soviel dazu.

Also Siggi und Ja Rule freunden sich an, Ja Rule landet im Knast, Stevie wird undercover hinterhergeschickt (warum erfährt man schonmal nicht - Plot-Hole Nummer 1).
Der Knast ist "New Alcatraz" - Genau, der bröckelige Cage/Connery-Spielplatz aus der Welt der RICHTIGEN Action-Filme. Merkwürdigerweise sieht der Knast von außen immer noch so aus, als würden die Termiten wegen Termietenbefall ausziehen wollen, innen drin ist es aber der "Hyperknast" - mehr als 20 Insassen scheinen nicht reinzupassen, alle ist verglast und sieht im großen und ganzen richtig schön nuttig nach einem "ach so coolen Sci-Fi Set" aus, in dem die Gefangenen sich einfach mal so mit einem der handvoll Wärter prügeln, wenn sie nicht gerade im Graffitti beschmückten Innenhof (mit Glasdach!) Basketball spielen (also, die Gefangenen, nicht die Wärter).
Natürlich hat so ein Knast auch einen eigenen E-Stuhl. Aber natürlich ganz im Zeichen der Coolness einen vollautomatischen Kirk-Style-Brutzler, mit automatischen Hand und Fußfesseln, auf einer hochfahrbaren Hebebühne gebaut, die einfach mal so aus dem Boden in einem Raum mit digitalen Entspannungsprojektionswänden fährt. Wer sieht nicht gerne auf eine Wüstenlandschaft, während ihm das Gehirn gar gebrüht wird?

In diese geil-dümmliche Billigfilm-Idylle platzen ein paar Böse (natürlich springen die mit Fallschirmen auf Alcatraz, natürlich bei nacht, natürlich aus einem 10.000 Fuß hohen Flugzeug und natürlich landen die alle auf den Meter genau auf diversen Aufbauten des Knacki-Heims). Und jetzt beginnt der Film schlecht zu werden (ha-ha).

Der Obermotz (gespielt von Morris Chestnut, dem Gepäckträger aus Under Siege 2!), trägt als Quoten-Schwarzer natürlich Glatze, Zuhälterbart und Leder-Mantel, seine Speichellecker alle in feinste Navy-Seal-Mode gekleidet und eines der größten Ärgernisse dieses Films trägt 75B - Nia Peeples als coole, sexy Gangsterbraut. Bauchfreier Latex-Top, ständig nasse Haare (damit auch nach 5 Stunden im trockenen Gefängnis der pseudo-coole Kopfschwung noch klappt), ständig mit überfettem blauen Liedschatten geschminkt - gut, wenn ich nachts aus einem Flugzeug in die regnerische Nacht springe um ein Gefängnis zu überfallen schmier ich mir auf die Augen blau!
Und jetzt gehts los. Ständig schaltet das Bild auf Zeitlupe (auch wenn's gar nichts zu gucken gibt), ständig wehen Ledermäntel in eben diesem überstrapazierten visuellen Stilmittel durch die Luft, standig geht der böse schwarze Mann (oft in Zeitlupe und mit wehendem Mantel) cool durch die Gegend - das alles wirkt wie eine X-Men-Persiflage ohne Mutanten und mit billigen Trash-Schauspielern: also alles wirkt wie eine schlechte Comicverfilmung.

Warum ich bis jetzt nichts über Seagal gesagt habe? Nun, weil der eigentlich gar nicht auffällt. Er ist langweillig, kommt eher selten in der ersten Hälfte wirklich in den Mittelpunkt. Wenn er mal da ist, sehen wir EINEN Fight (in etwas so spektakulär wie in TICKER), etwas Rumgeballer und das war's. Sprechen tut er (leider) auch, aber das ist
weder interessant, noch wichtig, noch bemerkenswert (gleiches gilt für Ja Rule, der allerdings DMX in EXIT WOUNDS als schwarzer cooler Partner in puncto "nicht schauspielern können" nicht übertrumpfen kann - also ein winziges PLuspünktchen für Ja). Siggis Job ist es, die Bösen in "Die Hard" Manier zu überrumpeln (natürlich möglichst Gewaltlos). Ein paar Klischees (den Wärter retten, mit dem wir uns vorher geprügelt haben), ein paar Action-Szene (die unglaublichen dummen Bösewichter verkloppen) und ein absolut lächerliches Finale am Himmel über Frisco.
Ja Rule ist nebensächlich, die Bösen sind nebensächlich, die Story ist nebensächlich - man ist vollkommen auf die Dummheit des Filmes und seine schwülstige Billig-Optik fixiert (die gar nicht mal sooo billig wirkt, aber irgendwie dann doch wieder schon).

Kurz angemerkt: Das Würgen von wegen "Coolness" überkommt einen gleich zu Anfang in einer Szene, in der Seagals Vorgesetzte beim FBI (die späternoch so einige peinliche Sprüche ablässt) in einem ziemlich lahmen Shootout natürlich gleich mit zwei verchromten Riesenballermännern durch die Gegend hüpft. Mit dem eng geflochtenen Zopf hinterdran sieht sie auch ohne diese peinliche Matrix/John Woo Nachahmerrei schon aus wie eine eisensackharte russische Kampflesbe. Aber das nur nebenbei.

Schauspieler: ALLE SCHEISSE! Auch wenn das brutal klingt, aber es ist so! Die SIND alles scheisse! Seagal, Ja Rule, Chestnut, Peeples, Hannes Jaennicke, Alexandra Kamp, Yasmina "3 Sekunden" Filali - alle scheisse!
Alle spielen unmotiviert und unterdurchschnittlich (wobei ich ehrlich schon etwas Mitleid mit Hannes habe, weil er sich sichtlich Mühe gibt seine 10 Sekunden Screentime gut darzustellen - und immerhin klingt er auch richtig amerikanisch.... nur leider lässt das den Funken nicht überspringen). Andere nerven durch ihre bloße Anwesenheit (Guten Tag, Frau Kamp) und machen es nur noch schlimmer, wenn sie ihr Maul aufmachen (sorry, aber es ist so). Über die Story hab ich schon genug hergezogen, Kamera und allgemeine Aufmachung habe ich auch schon breitgetreten (dieser exzessisve Slow- und Fast-Motion Gebrauch geht einem richtig auf die Eier). Die Plotlöcher sind groß, aber glücklicherweise egal, denn wer sich bei dem Film hier an der Story orientieren will, der träumt nachts auch von dicken Seagals in Latexschlüpfern.
Es gibt ein paar nette Stunts, die entweder durchschittlich oder völlig übertrieben (und somit ziemlich dämlich) sind. Wenig Explosionen, recht viele Funken, KEINE SQUIBS, (wie gesagt) kein Blut (und wer sich jetzt traut nach brechenden Knochen zu fragen, kriegt von Sumo-Sigge eine gescheuert - aber natürlich unblutig!).
Es gibt kaum Fights, lahme Action, lahme Mucke, unzählige Filmfehler - alles in allem ist Half Past Dead der Prototyp der schlechten Direct-to-Video Billigproduktionen (was er meines Wissens aber merkwürdigerweise nicht ist, also Direct-to-Video).

Für das bißchen Action, die ansehnliche wenn auch bescheuert-überzeichnete Nia Peeples und die Lacher für all die Peinlichkeiten drücke ich gerne 3 Punkte ab, denn es wäre gelogen wenn ich sagen würde, daß ich mich nicht unterhalten gefühlt habe. Nur halt sicher nicht so, wie der Regiesseur sich das gedacht hat.

Der zweitschlechteste Seagal-Film zusammen mit Patriot VOR Ticker. PG-13 Action at its best - also liebe Filmemacher: LASST ES LIEBER!

Nachtrag: Ich versteh es nicht! Holt euch einfach einen Seagal-Fan der alten Tage, der etwas visuelles Vorstellungsvermögen besitzt, stellt ihm ein gutes Team zur Seite und gebt ihm das halbe Budget von HPD, und man könnte die glorreiche alte "Deadly Revenge" Zeit wieder auferstehen lassen! Fuck Commerce, macht doch endlich mal wieder einen simplen aber coolen Knochenbrech-Seagal, bevor der Mann zu alt... oder zu fett wird! BITTE! Mal sehen was Alarmstufe: ROT III bringt, wenn dazu endlich was mal handfestes glaubhaftes rauskommt.

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