Steven Seagal in einem Film mit einem "PG-13"-Rating? Wer jetzt jedoch eine lahme Action-Gurke a la "the Patriot" erwartet, der darf getrost beruhigt sein: Gekämpft, geschossen, gesprengt und gestorben wird bei "Half Past Dead" trotzdem haufenweise - nur nun einmal nicht grausam, explizit und / oder blutig...
Zur Story: Steven Seagal ist auf der Jagd nach einem Unterweltboss, der seine Frau auf dem Gewissen hat - dazu schleicht er sich undercover bei einem dessen Männer (Ja Rule) ein, um so Informationen zu sammeln. Bei einem mißratenen Deal wird Seagal jedoch angeschossen und kann erst nach rund 20 Minuten wiederbelebt werden (daher der Filmtitel), Ja Rule wird verhaftet und nach "New Alkatraz" (das neueröffnete und modernisierte "alte" Alkatraz) gebracht.
Steven folgt ihm dorthin einige Monate später, um seinen Auftrag fortzuführen ... just an jenem Abend soll auch die erste Hinrichtung in dem Gefängnis (auf einem elektrischen Stuhl) stattfinden: Bei einem Überfall hat jener Insasse 200 Millionen in Gold erbeutet, einige Wachen wurden getötet, und nun soll er hingerichtet werden, obwohl das Gold nie aufgetaucht ist ... das jedoch möchte Morris Chestnut verhindern, da er hinter dem Gold her ist - also besetzt er mit einem Kommando (per Fallschirmsprung) die Insel, nimmt Geiseln und will das Geheimnis entlocken ... natürlich stellen sich Seagal und Ja Rule dem (unter Mithilfe einiger Gefangener) entgegen, wobei Seagals Tarnung und die Freundschaft zu Ja Rule zusätzlich Konflikte mit sich bringen ... der Rest ist Action, und man kann sich den weiteren Verlauf schon ausmalen...
Das alles hört sich nach einer Fortsetzung von "thr Rock" an, doch leider besitzt "Half Past Dead" nicht die Qualitäten guter Bruckheimer- oder Joel-Silver-Produktionen. Viele beschweren sich über die klischeehafte und abgehalfterte Story, doch mal ehrlich: Wer achtet schon bei einem Seagal-Film genauer auf die Story?!
Die Produktionsqualität ist gut: Ein relativ hohes Budget, gute Nebendarsteller (vor allem Tony Plana als Gefängnisdirektor, Nia Peeples als (böse) Kampfamazone in Leder und Morris Chestnut als charismatischer Bösewicht), sowie professionelle Action sorgen für Unterhaltung.
Steven ist noch immer der alte Steven (wieder etwas beleibter, älter und noch immer ausdruckslos, doch dieses Mal ohne Öko- oder Religions-Touch, dafür aber leider wieder mit Rappern im Film...).
Da in einem ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin gedreht wurde und ein Teil der Produktionsgelder aus Deutschland stammen, mußte man natürlich auch (wie schon bei "Driven", "Resident Evil" und "Extreme Ops") noch einige deutsche Schauspieler unterbringen - dieses Mal dürfen sich Alexandra Kamp, Hannes Jaenicke und Yasmina Filali über Parts in einem US-Streifen freuen (die Szenen von Yasmina wurden jedoch zum größten Teil rausgeschnitten, finden sich aber auf der US-DVD wieder)...
Regisseur Don Michael Paul hat alle modernen Mittel des Actionfilms eingesetzt (wie Zeitlupen-/Zeitraffer-Kombinationen, Videoclip-Optik, "wire"-technik bei den Kampfszenen etc.) und einen anspruchslosen, aber unterhaltsamen Actionfilm für fast alle Altersklassen abgeliefert, daher (noch) 7 von 10, denn "Half Past Dead" ist zwar schnell wieder vergessen, bietet jedoch immerhin kurzweilige Action für einen verregneten Abend unter der Woche...
(außerdem dürfte dieser wohl einer der letzten Kinofilme von Seagal sein, da man ihn nach dem Erfolg von "Exit Wounds" in den USA derart veröffentlichte - jedoch mit mäßigem Erfolg, weshalb sein nächster Film "the Foreigner" (wieder) gleich direkt in die Videothelenregale ging...)
P.S.: Die kreativen Köpfe hinter dem stupiden deutschen Titel ("Halbtot") wollten dem Streifen mit dieser Namenswahl wohl von Beginn an den Rest geben...