„Half Past Dead“, der hierzulande mit dem minderschönen Titel „Halbtot“ verschandelt wurde, ist weitaus besser Seagals direct to video Ausflüge.
Sasha Petrovich (Steven Seagals) ist der beste Kumpel von Gangster Nick (Ja Rule), der diesen seinem Boss vorstellt. Nach bestandenem Lügendetektortest steht seinem Aufstieg eigentlich nichts mehr im Wege, doch als das FBI die Autoschieberwerkstatt von Sasha und Nick stürmt, wird er niedergeschossen, als er Nick retten will. Der Beginn verärgert durch einen Möchtegern-coolen Ja Rule, aber die Auftaktschießerei ist ganz gelungen, wenn auch unblutig. Aber derartiges sollte man bei einem PG-13 Movie wie „Half Past Dead“ auch nicht erwarten.
Einige Zeit später treffen sich beide im Knast New Alcatraz wieder; Sasha ist dem Tod damals knapp von der Schippe gesprungen. Der Knast entpuppt sich als halbwegs human, der Direktor als hart, aber fair. Hier soll auch ein Häftling hingerichtet werden, der das Versteck gestohlener Goldbarren als einziger kennt. Er hat um die Hinrichtung gebeten, da er die ständige Fragerei nach dem Gold und das Gefängnisleben satt hat. In seiner letzten Stunde will er Sasha sehen, da ja schon mal für 22 Minuten tot war. Das Styling des Gefängnisses ist modern, geht aber in Ordnung. Lediglich die Nahaufnahmen eines Berliner Gefängnisse beißen sich mit den Aufnahmen des echten Alcatraz, da man erkennt, dass beides klar nicht derselbe Schauplatz sein kann.
Doch Terrorist Donny (Morris Chestnut) hat andere Pläne mit dem Gefangenen. Zusammen mit seiner Killertruppe landet er via Fallschirm in New Alcatraz, schaltet die Wachen aus und nimmt die Zeugen der Hinrichtung als Geiseln. Doch Sasha nimmt den Kampf gegen die Eindringlinge auf, zumal er gar kein Gangster ist, sondern ein aufrechter Undercoveragent des FBI...
Sicher ist „Half Past Dead“ ist dreistes Rip-Off von „Stirb langsam“ und „The Rock“, aber dennoch macht der Film deutlich mehr Spaß als z.B. „The Foreigner“. Denn „Half Past Dead“ besitzt weitaus weniger Längen und unnötiges Gelaber, auch wenn die Dialoge keinen Oscar verdienen. Dennoch bleibt die Spannung halbwegs solide und trotz vorhersehbarer Wendungen stellt sich keine Langeweile ein. Zudem versteht Regisseur Don Michael Paul sein Handwerk besser als andere Vertreter seiner Zunft und kann den Film stilistisch recht sicher umsetzen, auch wenn der Hang zur blauen Ausleuchtung auffällt.
Negativ fallen sicherlich die wenigen Stellen auf, an denen man das geringe Budget bemerkt (z.B. computeranimierte Flieger). Allerdings hat der Film nicht sämtliche Außenaufnahmen aus „The Rock“ recycelt, wie von einigen Kritikern behauptet, lediglich der Anflug der beiden Hubschrauber auf die Gefängnisinsel war definitiv wiederverwertet worden. Außerdem nerven die Möchtegern-coolen Rapper an einigen Stellen, aber zum Glück sind sie nicht übermäßig präsent wie anderen Filmen (dennoch sind ihre Auftritte hier am Rande der Lächerlichkeit). Wenigstens ist die Musik nicht nur Hip Hop, sondern gibt teilweise sogar rockige Klänge her.
An Action gibt es Fights und Shoot-Outs zu sehen, gelegentlich auch ein paar Stunts. Die Kämpfe sind ganz gut anzusehen und nett choreographiert, störend ist nur der übermäßige Einsatz von Wirework. Zum Glück hängt Seagal nicht an Drähten, sondern kämpft richtig, auch wenn man auf gewohnte Knochenbrecheraktionen verzichten muss. Die Schießereien sind ebenfalls gutes Entertainment, welches unterhält ohne innovativ zu sein. Vom Regisseur ist die Action auch optisch nett in Szene gesetzt worden, so dass immerhin der Genrefan seine Freude haben darf.
Seagal spielt den geheimnisvollen Einzelkämpfer; auch hier wieder routiniert und besser als in seinen direct to video Filmen, aber in seinen anderen Kinofilmen war er besser. Die Rapper Ja Rule und Kurupt sind einfach lächerlich, während die sonstigen Nebendarsteller ebenfalls recht routiniert spielen. Nia Peeples ist zudem recht sexy anzusehen.
„Half Past Dead“ bietet Fast Food Action für den Genrefan, die sicherlich so ihre Schwächen hat, aber dennoch für Fans ganz ansehnlich ist.