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Vier Briten um die Dreißig auf Treckingtour in den Wäldern - das ist der Plot der britischen Komödie Dartmoor Beast. Drei von ihnen sind Arbeitskollegen, von denen einer demnächst heiraten will - der Bruder der Braut ist der Vierte im Bunde. Die kaum vorbereitete Tour ist eher ein anderthalbtägiger Marsch, für den neben Zelten auch jede Menge Party-Accessoires wie Wasserpistolen, Schnaps, Silvesterraketen, Pornoheftchen und dergleichen am Buckel mitgeschleppt werden - ist das Ganze doch eher als Männer-Abschied für den heiratswilligen Spencer gedacht. Die Route führt dabei u.a. durch ein militärisches Sperrgebiet, außerdem soll es im Dartmoor eine reißende Bestie geben, aber all dies hält das Kleeblatt nicht von Wandern ab, und so macht man sich fröhlich und frei auf den Weg, blöde Sprüche und gegenseitiges Aufziehen inklusive...

Der Low-Budget-Streifen lebt von dem Verhältnis der Wanderer zueinander, bei dem sich trotz aller blöden Späßchen schon bald ein Gegensatz zwischen dem eher toughen Jason und dem stets hinterherhinkenden Andy, dem Bruder der Braut, entwickelt: Letzterer muß sich wegen seiner Leibesfülle allerhand anhören, aber als viertes Rad am Wagen ist er nunmal mit dabei und da die anderen beiden stets kalmierend auf Jason einreden, bleibt die ungleiche Gruppe zusammen. Unterdessen muß man feststellen, daß der rundliche Andy aus Versehen sämtliche Kekse aufgegessen hat, während - fast noch ärgerlicher - der für die Route zuständige Jason das Sperrgebiet auf der Karte glatt übersehen hat, sodaß die Vier nun einen weiten Bogen außen herum gehen müssen. Bald kommen sie in das Gebiet von Dartmoor, wo dann nachts auch tatsächlich ein gefährliches Tier (oder irgendsowas ähnliches) auftaucht, das Pete, den Zähesten der Gruppe, angreift. Ohne weitere Hilfsmittel wie Waffen oder auch nur funktionierende Handies müssen die Vier nun zusammenhalten und sich in der öden Landschaft, in der keine Menschenseele wohnt, gegen einen unbekannten und nahezu unsichtbaren Gegner verteidigen...

Ein Highlight ist Stag Hunt, so der Originaltitel, nicht geworden. Besonders bei der Darstellung des Monsters, das eigentlich nur aus Sekundenbruchteile lang zu erahnenden hellen Lichtpunkten und wackelnden Schatten besteht, merkt man das nicht vorhandene Budget - auch der deutsche Zusatztitel "Freiwild wider Willen" ist ausschließlich der Verkaufsförderung geschuldet. Erstaunlicherweise verhalten sich die Vier im Angesicht der Gefahr genauso wie zuvor: kein dummer Spruch wird ausgelassen, stattdessen wird improvisiert: Ein zusammengerolltes Pornoheftchen als Schlagwaffe, eine aus Kondomen zusammengebastelte Kuh, die - mit Schnaps gefüllt - eine improvisierte Bombe darstellt und dergleichen mehr fällt den wackeren Briten in der Not ein. Eine Not, die man aufgrund dieser grotesken Ideen als Zuschauer nicht recht ernst nehmen kann, wie überhaupt aufgrund der Dialoge und der eher spannungsarmen Handlung nicht allzuviel Mitgefühl aufkommen mag - immerhin lassen sich die Vier, in ihrer Flachheit dennoch unterschiedlichen Charaktäre, nicht auseinanderdividieren.

Die Klassifizierung des Streifens als (auch!) dem Horror-Genre zugehörig ist also ambivalent zu sehen: Das nämliche "Biest"  spielt nur eine höchst nebensächliche Rolle, ist erbärmlich (siehe oben) dargestellt und wird auch zu keiner Zeit hinterfragt, insofern dürften Genre-Freunde eine herbe Enttäuschung erleben, zumal 90% des Films dem Genre Komödie und vielleicht 8% dem Drama zuzurechnen sind. Wer jedoch auf flapsige Sprüche einer britischen Herrenpartie im Grünen steht, kann sich Stag Hunt, dessen Protagonisten und Drehbuch wenigstens zu keiner Zeit den Versuch ernst oder bedrohlich zu wirken unternehmen, an einem verregneten Nachmittag mal reinziehen... 3,4 Punkte.

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