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Miles Teller spielt einen jungen Masseur, der sich nicht vorstellen kann, ein Leben lang in diesem Beruf zu arbeiten. Er scheitert als Unternehmer und erwartet mit Anfang 20 bereits ein Kind. Da kommt ihm das Angebot eines alten Schulfreundes, gespielt von Jonah Hill, nicht ungelegen. Der sucht einen Mitarbeiter für sein 1-Mann-Unternehmen. Die beiden suchen nun in offiziellen Regierungsdatenbanken nach kleineren Rüstungsaufträgen für das amerikanische Militär im Irak, welche für die großen Waffenlieferanten und Rüstungsschmieden nicht attraktiv genug sind. Da es aber auch bei diesen Kleinaufträgen bereits um Millionen von Dollar geht, werden die beiden schnell steinreich und erweitern das Unternehmen. Doch dann verheben sie sich mit einem gigantischen Rüstungsdeal, mit dem sie in der Champions League mitzuspielen versuchen.

Im Satire-Magazin Extra 3 geht es oft um Schildbürgerstreiche, Behördenfehler und sinnlose Bürokratie, um teure Brücken, die nicht genutzt werden können, um Bahnübergänge, die stundenlang für einen einzigen Zug geschlossen werden oder Straßen, die aufgrund von Planungsfehlern im Nichts enden. Oder wie wäre es damit: Das US-Militär bestellt für knapp 300 Millionen Dollar Munition bei einem Waffenhändler, den bis dahin kein Mensch kannte, der nie einen größeren Deal abgewickelt hat, die Ware aus Albanien beziehen will und die seriösen Anbieter derart deutlich unterbietet, dass man misstrauisch hätte werden müssen. Das würde vermutlich nicht mal dem vielgescholtenen Koblenzer Bundeswehrbeschaffungsamt passieren. Die Geschichte klingt unglaublich - und sie ist wahr. Eine Geschichte, wie ein Selbstläufer für eine Kriegssatire a la „Lord of War“, der sich Todd Phillips nun angenommen hat.

Gleichzeitig ist die Satire für Phillips sein erster wirklich ernster Stoff nach seinen Komödien wie „Old School“, „Starsky & Hutch“ oder „Stichtag“ sowie seiner Erfolgskomödie „Hangover“. Oft war etwas despektierlich von seinem ersten Erwachsenenfilm die Rede - aber, wie auch immer man es nennen möchte, er löst seine Aufgabe mit Bravour. Phillips erzählt die Geschichte streng aus Sicht der beiden Waffenschieber, womit er die Missstände bei der Rüstungsbeschaffung des US-Militärs unter Bush und Cheney nur tangiert. Dafür ist der Blick auf die beiden Protagonisten aber umso klarer, deren Aufstieg im Rüstungsgeschäft er in unterhaltsamer und meist bissiger Weise erzählt, in Anlehnung an die großen Gangsterfilme wie „Scarface“. Phillips setzt auf Humor, aber nicht auf den brachialen Klamauk, für den sein Name bisher stand, sondern auf sarkastische Spitzen und den Witz seiner brillanten Darsteller. Die Dreistigkeit seiner beiden Figuren, deren Geschichte ja auf wahren Tatsachen basiert, sorgt für den Rest: „War Dogs“ ist kurzweilig, interessant und bissig, auch wenn er qualitativ nicht ganz an den weitaus zynischeren „Lord of War“ heranreicht.

Im Gedächtnis bleiben wird „War Dogs“ seinen Zuschauern dennoch, auch wenn er nicht aus den Schatten der ganz großen Satiren heraustreten kann. Und das ist vor allem dem großartigen Darstellerensemble geschuldet, aus dem Jonah Hill besonders heraussticht. Hill reißt im Film nicht nur wegen seiner Leibesfülle fast jede Szene an sich, das schafft er auch mit seinen zynischen Kommentaren, seinem extrovertierten Spiel, bei dem er immer wieder aus sich herausgeht. Mit schmieriger Frisur, seiner Gleichgültigkeit und Verschlagenheit gibt er einen faszinierenden Fiesling ab, den er so ähnlich schon in „Wolf of Wall Street“ verkörpert hatte. Doch hiermit tritt er aus DiCaprios Schatten heraus. Daneben funktioniert der ebenfalls großartig aufspielende Miles Teller als Sympathieträger, der mit dem Geld aus seinen Waffendeals vor allem seine Familie ernähren möchte. Ein kleines Highlight ist daneben der Gastauftritt des herrlich schmierigen Bradley Cooper mit der Brille des Jahres.

Fazit:
Todd Phillips spielt die schier unglaubliche wahre Begebenheit hinter „War Dogs“ perfekt aus, erzählt die Aufstiegsgeschichte der beiden Waffenschieber als Gangsterfilm mit bissigem Humor, womit er durchweg für Kurzweil sorgt. Auch wenn die Kriegssatire den Vergleich zu „Lord of War“ nicht ganz besteht, Jonah Hill macht sie zum Erlebnis.

77 %

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