Review

kurz angerissen*

„War Dogs“ führt durch seinen dokumentarischen Ansatz und seine Drama-Elemente einen leichten Stilbruch oder -Riss im derb-komödiantischen Gesamtwerk Todd Phillips' mit sich, steht dabei aber eigentlich für eine Entwicklung mit Ansage. So mag der mit ernster Miene und Doppelbödigkeit erzählte Klamauk von „Hangover 3“ innerhalb der Reihe zwar befremdlich gewirkt haben, er lieferte aber eine nicht grundsätzlich falsche Rezeptur für einen potenziell funktionierenden Grenzgänger zwischen den Genres, der nun also mit dieser wahren Geschichte über zwei Waffenhändler nachgeliefert wird.

Von „Lord Of War“ kennt man die Thematik und den zynischen Unterton, von „Blow“ (und natürlich dem hier mehrfach zitierten „Scarface“) die Dramaturgie, von Phillips selbst bereits die stilisierte Optik. Neue Gebiete werden also nicht erkundet, jedoch begibt man sich gemeinsam mit dem charakterstarken Doppel Miles Teller / Jonah Hill auf eine spannende Tour ins Ungewisse. Denn wenn man sich das Ergebnis ansieht, kann man beim Dreh unmöglich vorausgesehen haben, welche Wirkung es nach Fertigstellung einmal haben würde.

Sofern man in seiner Komödie auch einen Schuss Drama zu akzeptieren bereit ist und in seinem Drama einen Schuss Komödie, ist zumindest der Unterhaltungswert wohl fast schon garantiert – auch wenn man sich natürlich klar machen muss, dass hier immer noch kein Scorsese am Werk ist, sondern der Regisseur von „Road Trip“ und „Old School“. Weil sich die Erzählweise immer wieder an den großen Epen aus dem Drogen- und Krimimilieu orientiert, indem es Manierismen des manischen Crowdpleasers (damals Pesci, jetzt Hill) ausstaffiert oder bedeutungsschwanger Testtafeln mit Zitaten zwischen die Kapitel setzt, bekommt man tatsächlich das Gefühl, eine Art Mini-“Casino“ zu sehen. Da sich „War Dogs“ seines Standes jedoch jederzeit bewusst ist, wirkt das Anbandeln mit den Großen im Gangster-Zirkus nicht einmal unsympathisch. Es gelingt dem Film aus dieser Perspektive heraus sogar zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen legalem und illegalem Geschäft ist und wie überwindbar die Grenzen zwischen Überlebenskampf und Überfluss, zwischen Gewinn und Verlust – gerade weil Tellers Figur, mit der man sich identifiziert, nicht plötzlich aus eigenem Antrieb sein Leben ändert, sondern in diese andere Welt praktisch hineingesogen wird und stets nur auf die Möglichkeiten reagiert, die sich ihm plötzlich bieten.

Das ist nun wirklich nichts Neues oder Aufregendes, aber es unterhält effektiv und regt, wenn auch in der Wohlfühlwolke der Fast-Food-Bedienung, ein wenig zum Nachdenken an über morsche Strukturen und blinde Flecken bei der globalen Versorgung mit militärischer Ausrüstung.

*weitere Informationen: siehe Profil

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