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Wenn das Budget knapp ist und nicht allzu viele Möglichkeiten für Schauwerte gegeben sind, wandelt man einen Psycho-Thriller am besten in ein Kammerspiel um, was definitiv Aufwand und Kosten spart. Autor und Regiedebütant Adam Alleca konzentriert sich auf das Zusammenspiel seiner Protagonisten, holt im Detail jedoch zu wenig aus den Möglichkeiten beider Lager heraus.

Die zwölfjährige Waise Bird (Ella Ballentine) wird am Todestag ihrer Eltern auf dem Friedhof Zeuge, wie ein vermummter Killer zwei Trauergäste und den Pfarrer erschießt. Kurz darauf wird von sie Sage (Laurence Fishburne) ohne Maske entdeckt und flieht ins abgelegene Farmhaus zu Kriegsveteran Carter (Thomas Jane), welcher die Kleine sogleich im ersten Stock beschützt. Der Belagerungszustand wird eingeläutet...

Bis auf wenige Szenen, einschließlich Flashbacks mit traumatischen Vorgeschichten, spielt sich das Geschehen ausschließlich in und um das Haus herum ab. Carter und Bird in der oberen Etage, Sage unten ausharrend, beide Männer mit mittleren Schussverletzungen.
Natürlich gibt keiner der beiden nach, denn Sage arbeitet als Auftragskiller gründlich und ist beharrlich, Carter wittert nach dem Unfalltod seines Sohnes die Möglichkeit von Wiedergutmachung, obgleich er nur eine Patrone in seiner Schrotflinte hat, was hingegen Sage nicht wissen kann.

Das Pokerspiel der beiden geht leider nicht allzu sehr in psychologische Gefilde, obgleich der eine oder andere zynische Schlagabtausch bei Laune hält. Hintergründe werden nur oberflächlich gestreift und es sind eher die leisen Zwischentöne, die in der Relation zwischen Carter und Bird entstehen, welche dem Treiben eine gewisse Nähe verleihen.
Ferner nutzen die Kontrahenten zu wenig ihre Möglichkeiten. Sage bräuchte eigentlich nur ein Feuer legen und schon wäre das Spiel beendet, während Carter nicht auf das Inventar zurückgreift, um zum Gegenangriff überzugehen (Messer, Wurfgeschosse, Chemikalien oder gegebene Fluchtmöglichkeiten für Bird).

Zwar lockern sich die Zungen nach einer Weile und es werden Standpunkte ausgetauscht, doch gerade hier hätte man verstärkt auf die Schwächen des jeweiligen Gegners eingehen können, was nur ansatzweise geschieht. Auch Interventionen von außen hätten etwas mehr Abwechslung verschafft, denn wenn ein junger, unerfahrener Cop den Tatort betritt, ist bereits klar, wie der Knabe enden wird.

Die guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen halten das Ding am laufen, denn Fishburne muss sich noch nicht einmal sonderlich anstrengen, um mit Präsenz zu punkten. Jane performt demgegenüber eher zurückhaltend, Ballentine macht ihre Sache als zunächst eingeschüchterte und später etwas mutigere junge Dame sehr gut.
Die Kamera arbeitet solide, die Farbgebung ist gelungen, nur der Score taucht zuweilen etwas zu lange ab, liefert jedoch passables Material.

Wer einen actionlastigen Thriller mit vielen Schauplätzen erwartet, dürfte aufgrund kleinerer Längen und mancher Logiklücke nicht befriedigt werden, zumal sich innerhalb des Hauses nicht allzu viel ereignet. Dennoch holt Alleca bei seinem Erstling noch relativ viel aus der simplen Prämisse heraus, da das Timing meistens stimmt und die Mimen durchaus überzeugend performen. Unterhält solide, ist aber kein großer Wurf.
6 von 10

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