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Einem Newcomer gelingt mit seiner ersten Regiearbeit selten eine Punktlandung. Es reicht, zu zeigen, was man kann und potentiell drauf hat. Je nach Genre, Sujet, finanziellem Polster und an die Hand gegebenem Skript ist das eine eher leichte oder eben ziemlich schwere Aufgabe. Bietet sich nun sogar die Möglichkeit, das eigene Drehbuch zu verfilmen, könnten einige Unwägbarkeiten gemieden und jede Menge Ärger vermieden werden. Vorausgesetzt, man weiß, was man tut. Denn die Auswahl an möglichen Ausreden im Falle eines Misserfolgs wird sichtlich übersichtlich. Für sein Debut als Regisseur hat der junge Adam Alleca also selbst das Drehbuch geschrieben. Ein bisschen Erfahrung bringt er mit, denn für das Remake des Wes Craven Klassikers „Last House on the Left" (2009) war er schon tätig gewesen. Und das nicht ohne Erfolg. Nur war die recht schauwertige Vergewaltigungsgeschichte zuvorderst eine handgreiflich ostentative Angelegenheit, die Konversation also sozusagen nicht hintergründig, sondern im Hintergrund. Ein dialoglastiges Kammerspiel hingegen bietet diese Schwertpunktsetzung nicht. Da braucht man ein Händchen für Worte, Timing und wie auch immer geartete Abwechslung. Das allerdings beweist Adam Alleca hier nicht, was aus mehreren Gründen schade ist.

Die USA (in Wirklichkeit Kanada), ein Friedhof im Nirgendwo und eine Beerdigung mit sehr wenigen Trauernden. Dann erscheint der Sensenmann. Ein Pfarrer, eine Witwe (?) und ein paar zur falschen Zeit am richtigen Ort umherstehende Unbeteiligte werden von einem maskierten Killer (Laurence Fishburne) mit Schalldämpfer, über den Friedhof schlendernd, umgelegt. Warum ist nicht wichtig. Ungleich interessanter aber, dass die Szene von einem kleinen Mädchen auf Kamera festgehalten wird. Das gefällt dem gefährlichen Mann in schwarz überhaupt nicht und er verfolgt das junge Ding zu einem entlegenen Landhaus. In dem wohnt Thomas Jane als ein Veteran der Post-9/11-Kriege der USA, der den Kummer über den Verlust seines Sohnes seit geraumer Zeit im Alkohol ersäuft. Doch just als er sich die Kugel geben will, stolpert die Kleine ins Haus, den Killer im Nacken. Eine letzte Aufgabe wartet also noch auf den gebrochenen Mann, der nur noch eine Patrone im Lauf hat und sich im ersten Stock seines Domizils zusammen mit dem Kind verschanzt. Der Schurke richtet es sich derweil im Erdgeschoss ein und beginnt zu offerieren und zu verhandeln. Ein Geduldspiel entwickelt sich. Nicht nur für die Beteiligten. Auch für den Zuschauer.

In einer derart verfahrenen Situation (=„Standoff") ist Psychologie vonnöten. Leider ist gerade von der nicht viel zu spüren in Allecas - eigentlich interessantem - Szenario. Wir erinnern uns an Laurence Fishburnes erfolgreichen Einsatz in „Five Fingers" (2006), bei dem er meisterhaft einen jungen Psychopathen überführte - und zwar ebenfalls in einem Kammerspiel! Damals überzeugten und beängstigten regelrecht die zu Fallen gespannten Dialoge, die Ryan Phillippe schließlich zur Strecke bringen sollten. Doch hier, im Treppenhaus des abgehalfterten Altgedienten, begnügt man sich damit, substanzlose Konversation zu betreiben. Man droht hier ein wenig und verliert dort etwas die Fassung. Man versucht mal einen kleinen Kniff oder kämpft des Nachts mit dem Einschlafen. Und das ist nicht eben belebend für den Zuschauer.

Die Story selbst entpuppt sich zudem als zu wenig abwechslungsreich, als dass sie an irgendeiner Stelle Fahrt aufnehmen würde. Einfallslos und konventionell bummelt das Stück vor sich hin. Ohne Pepp. Und ohne Inspiration. Es ist die Mischung aus streckenweise unnötiger Lethargie und ärgerlicher Vorhersehbarkeit, die die Sargnägel in eine Geschichte treibt, die auch den letzten Rest glimmenden Wohlwollens gelangweilt austritt.

Gelungen hingegen ist zweierlei. Zum einen begleitet ein ansprechender Score die Bilder, der zwar ein wenig bei Michael Mann abgekupfert wirkt, doch deshalb nicht minder angenehm klingt. Es weht für einen flüchtigen Moment fast ein wenig „Collateral" (2004) durch die finalen Einstellungen des Films. Zum anderen gelang es Adam Alleca zwei Haudegen zu rekrutieren, die bei Genrefans recht beliebt sind. Thomas Jane ist zwar kein großer Mime, besitzt aber Charisma und ist taff genug für gelungene Hauptrollen. Laurence Fishburne ist im Gegensatz dazu zwar nur der ewige Nebendarsteller, doch verfügt er über eine ihm eigene Ausstrahlung und viel Talent. Sein latent bedrohliches Auftreten, kombiniert mit der begründeten Aura von Intelligenz, verhalfen bisher einer ganzen Palette von Direct-to-Video Produktionen zu großer Beliebtheit. Nur vermag er seine Reize in diesem verschnarchten Thriller eben nicht an den Mann zu bringen. In beiden Fällen mag man hier am liebsten von Verschwendung sprechen.

Ein preiswertes Setting, das auch billig wirkt, eine ermüdende Geschichte, die nicht vom Fleck kommt, ein netter Score, der wieder wach macht, Dialoge, die endgültig sedieren und zwei eigentlich gern gesehene Genre-Helden ergeben summa summarum einen leicht unterdurchschnittlichen Krimi von der Stange, der schon am Ende des Jahres völlig zu Recht in Vergessenheit geraten sein wird.

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