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Der millionenschwere Sir Cyrus Bradley hat einen Erpresserbrief erhalten. Ein Verbrechersyndikat, das sich "Die Schildkröte" nennt, stellt ihn vor die schreckliche Alternative: Er soll 100.00 Pfund an Gangsterboss Alsconi bezahlen, der in seiner Villa in Triest residiert. Ansonsten segnet er das Zeitliche. Doch Bradley denkt nicht daran, auf die Erpresser einzugehen. Alsconsis Geliebte, die attraktive Lorelli, lässt daraufhin in London über den dortigen "Filialleiter" Crantor den berüchtigten Messerwerfer Shapiro anheuern, der sofort zur blutigen Tat schreitet. Die Schuld des Millionärs soll nun auf dessen Neffen Don Micklem übergehen. Doch Micklem, der den Tod seines Onkels rächen will, lässt sich nichts gefallen. Er macht sich selbst auf die Suche nach der "Schildkröte".

Wer wie ich noch niemals von einem Film namens Wartezimmer zum Jenseits gehört hat, geht in erster Linie davon aus, das es sich um eine der vielen Edgar Wallace Imitate handelt, die in den 60er Jahren in Deutschland so populär waren. Das Datum stimmt, natürlich ist der Film auch in schwarz/weiß und wenn der oberste Verbrecher schon Schildkröte heißt, steht er ja in bester Tradition zum Frosch mit der Maske oder ähnlichen Superschurken. Superschurke stimmt da zwar, allerdings nimm die Geschichte eher James Bond Züge an, denn der Oberbösmatz besitzt ein vollautomatisches Büro, sreuerbare Überwachungskameras überall und sogar zwei versteckte MG´s in den Armlehnen seines Rollstuhls. Götz George als Aushilfsbond muß sich allerdings ohne elektronische Gimmicks zurechtfinden, sofern man sein tragbares Funkgerät nicht als solches bezeichnen will. Auch eine leichte Ähnlichkeit des jungen George zu Sean Connery kann man anhand der Kleidung und der Frisur erkennen.
Klar das die Handlung wie so oft nach England verlegt wurde (gedreht wurde meist jedoch in den Hamburger Studios), doch nicht Scotland Yard übernimmt die Hauptrolle, sondern der junge Erbe eines von der Schildkröte ermordeten Erpressungsopfers. Dieser ist darüber not amused und verfolgt die Täter in Eigenregie bis nach Triest, wo sich die Bande als Wohltäter gibt und in einem feudalen Castillo am Meer residiert. Ebenfalls Bond typisch ist, das die Frau des bösen Rolstuhljockeys sich in den smarten Don verliebt und später sogar doppeltes Spiel mit ihrem Gatten treibt, was den beiden einen Aufenthalt in einem geschlossenen Raum mit absinkender Decke einbringt. Dies ist eindeutig der Höhepunkt der Geschichte und recht spannend dargestellt. Ansonsten spielt sich die Geschichte doch gerne mal etwas zäh. George ist halt noch jung und schreit die meisten seiner Dialoge, was auf Dauer etwas hysterisch rüberkommt. Dazu kommt noch Hans Clarin, der die Rolle von Eddi Arent spielt, Hildegard Knef als Bond Girl und kein Film in dieser Epoche wäre komplett ohne den etwa zehnminütigen Auftritt von Klaus Kinski als wahnsinniger Auftragsmörder. Der Cast kann sich jedenfalls sehen lassen, auch wenn so richtig qualitativ keiner herausragen mag.
Ein richtiger Oberkracher ist das Wartezimmer zum Jenseits (wer hat sich eigentlich diesen blöden und unpassenden Titel ausgedacht?) nicht geworden. Dem Film fehlt es an Drive und auch an der Spannung. Von Anfang an ist klar, wer die Täter sind und aus welchen Motiven sie handeln, da sind die Wallace Filme doch wesentlich mehrbödiger. Es fehl einfach das Überraschungsmoment. Die Szene mit der Todeskammer und der Decke ist sehr gut geworden, reißt aber den Film nicht mehr aus dem guten Mittelmaß heraus. Für 60er Komplettisten aber immer noch einen Blick wert und für einen unterhaltsamen Abend reichts allemal.
6/10

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