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Video on demand; das von zu Haus aus bequeme Abrufen des jeweilig gewünschten Programms zu jeder verfügbaren Zeit hat in den letzten Jahren gleich mehrere große und damit gut verdienende Anbieter als Ablösung früherer Videothekenketten (und einzelner kleiner Läden) hervorgebracht. Einer der namhaftesten Vertreter ist Netflix, dass zuerst in den Vereinigten Staaten und dies schon seit längerem erfolgreich agierte und in den letzten Jahren vermehrt globalisiert wurde, allerdings dann auch Konkurrenz durch andere Schwergewichte wie neuerdings vor allem Amazon fand. Um die Kundschaft länger und exklusiv zu binden und sich weiterhin hervor zu heben, wurde neben dem Bereitstellen eines (oft gleichen, also sich überschneidenden) Grundprogramms, dass zudem noch nachweislich am Schrumpfen ist, zusätzlich Wert auf die Schaffung eigener, wahrhaft exklusiver Ware gelegt, was mit so mancherlei gar hochgelobten Serien tatsächlich und zur anfänglichen Überraschung wohl Vieler auch vergleichsweise kontinuierlich und qualitativ hochwertig gelang.

Neuerdings wird das selbe Spiel mit der nächsten Hürde, dem Langfilm, und dies auch als Art Wachablösung des Kinos versucht; wobei als erstes Sprungbrett dessen erstaunlicherweise genau ein Schauspieler auserwählt wurde, der a) derzeit an den Kinokassen nicht mehr allzu viel gilt und b) eher polarisiert bzw. eher als negativ, als 'nieder' in der Wahl seiner Mittel angesehen wird. Das Marketing nach der ersten Ankündigung eines Geschäftes zwischen Netflix und Adam Sandler – der international auf jeden Fall geläufig ist – über vier Filme ergab sich so von selbst, schon viral in der Voraussetzung und preiswert in der folgerichtigen Diskussion genau bei der (Online)Klientel, die auch das Publikum für etwaige Abonnements sind:

Nach dem Mord eines Unbekannten an seiner Mutter ist Tommy “White Knife“ Stockburn [ Adam Sandler ] schon von klein auf bei den Apachen aufgewachsen und hätte diese Welt und seine Angetraute “Smoking Fox“ [ Julia Jones ] auch nicht mehr verlassen, wenn nicht spät, aber plötzlich sein leibhaftiger Vater, der ehemals schwer kriminelle, jetzt im hohen Alter aber reuige Frank Stockburn [ Nick Nolte ] vor ihm gestanden hätte. Das Wiedersehen ist nämlich nur kurz, wird Frank kurz darauf von den Mannen um Cicero [ Danny Trejo ] mit der Aussicht auf einen geheimen Schatz entführt. eilt zur Hilfe bzw. zur Auszahlung von Lösegeld, wobei er bald die unverhoffte Hilfe seiner bis dato unbekannten Halbbrüder Ramon [ Rob Schneider ], Lil' Pete [ Taylor Lautner ], Herm [Jorge Garcia ], Danny [ Luke Wilson ], und Chico [ Terry Crews ] erhält. Unterstützung braucht er allerdings auch, wird er noch zusätzlich und erbittert von der Left-Eye-Gang von Will Patch [ Will Forte ] und ihrem neuen Mitglied Clem [ Steve Zahn ] verfolgt.

Dass im Nachhinein aufgrund der Aufmerksamkeit diesbezüglich und der Neugier halber schon die (vom Konzern verlautbarte) Mitteilung veröffentlicht wurde, dass The Ridiculous 6 als erster Film des Vertrages auch der bisher erfolgreichste in den Abrufzahlen war, verwundert demnach nicht. [Genauere Daten über Kosten/Nutzen werden hier und anderswo nicht bekannt gegeben; wobei der Film hier alleine, vorher von den großen Studios wie Paramount und 20th Century Fox abgelehnt, schon auf ein Budget von 60 Mio. USD abgeschätzt wird.] Abgesehen von dem geschürten Interesse selber beruht die Auswahl von Sandler auch auf der hauseigenen Statistik, dass seine Filme als höchst beliebt bei dem nun eigens damit bedienten Kundenstamm sind. On demand. Angebot und Nachfrage; der Berufs- und Hobbykritiker zum Trotz, die auch alles andere als gnädig mit dem vorliegenden Produkt sind. [Der Nachfolger The Do-Over kommt etwas, aber auch nur marginal besser weg.] Zudem kam der Film zum richtigen Zeitpunkt, wurden doch mit The Hateful Eight und The Magnificent Seven schon zwei mehr oder minder direkte Eckpunkte für eine mögliche Persiflage, schon im pitching demnach ideal gesetzt. Dass der Komödie zugrundeliegende Genre des Western ist zudem für Sandler selber ebenso neu wie aber auch mit langjähriger Tradition und so dem vereinigenden Wesen, dass sich quasi jeder damit auskennt, und sei es nur von der Kindheit, vom Western von Gestern her und ein paar John Wayne Arbeiten wegen. Eine Reise durch eine Welt zwischen Jawbone Falls, der Singing Windmill und dem Gold Nugget Saloon. A Million Ways to Die in the West.

So einiges an Unterstützung auf seinen Pfaden benötigt der Film allerdings auch, vor allem abseits des Humors, der tatsächlich gewöhnungsbedürftig und nicht etwa so allgemein und massenkompatibel wie Der Schuh des Manitu und seiner multikulturellen Verständlichkeit gehalten ist. Sandler selber agiert auch mit recht verkniffenen, geradezu müden und ausdruckslosen Worten und Gesicht, was von seinen vielen Kompagnons, einer wahren Starbesetzung mit vorhandener Spielfreude etwas aufgelockert und so angeheitert wird und bei dem endgültigen Zusammentreffen der sechs Brüder und ihrer Interaktion untereinander gegen den Rest der Welt tatsächlich auch im Zusammenspiel des Filmes gewinnt.

Der große Bestandteil der Humoristika ergibt sich aus viel offensiven, lauten, um Aufmerksamkeit heischenden Gags, aus calling & taking names ["Poca-hot-tits"], aus Pantomime & gibberish, verbal gerne mit sexuellen Anzüglichkeiten spielend und auch ansonsten gerne unter der Gürtellinie und jenseits der Ewigen Jagdgründe, wie bei dem Esel mit fortschreitenden Verdauungsproblemen angesetzt. Von der Geschichte her ist die Welt nur ein Dorf, der Weg schon das Ziel, und das Ziel ist oft gross-out, auch die Verbindung von Ekel vor etwa übertriebener Gewalt (um in die Left-Eye-Gang aufgenommen zu werden, muss man sich tatsächlich des rechten Augapfels entledigen, wozu ein scharfer Löffel und ein stabiler Magen hilft) oder anderen Schranken der Überwindung und Grenzen des sogenannten guten Geschmacks (die Behandlung des örtlichen Arztes & Barbiers, der nacheinander und im Grunde gleichzeitig vier menschliche und einen tierischen Patienten in allen ihren Körperöffnungen versorgt, ohne sich zwischenzeitlich mal die Hände zu waschen). Immerhin Ideen- und vor allem variantenreich, manchmal banal (die Erfindung des Baseballs), oft derb auch, oft blöd, teilweise recht schwarz (der abgeschlagene Kopf, wobei sich der Rest des Rumpfes im Todeszucken noch mehrfach in den eigenen, im Staub liegenden Schädel schießt), befreiend lustig dann oft weniger, wobei ein 'hit-and-miss' als Endbewertung da fast schon als freundlich gilt.

Das Westernmilieu mit hinten ein paar Berge und vorne die flache, vergilbte Prärie dient dabei ebenso bloß als Fassade wie die Aufzüge der Figuren reines Kostüm, eine Verkleidung halt, das Herumtoben zu groß gewordener Kinder im Wochenendurlaub auf Bad Segeberg nur ist.

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