Review
von Leimbacher-Mario
Dagegen wirkt "Der Schuh des Manitu" wie ein Western-Spoof-Meisterwerk
Weiter geht es mit meiner Reise, nicht nur durch die exklusive Netflix-Welt sondern auch die schöne, neue, ultrascharfe 4K-Welt, deren Streams sich mittlerweile wirklich sehen lassen können. Mit einer Adam Sandler-Western-Parodie, als ob "Zohan" auf "Die glorreichen 7" & "Der Schuh des Manitu" trifft. Sandler-Fans, falls es davon wirklich noch welche gibt, feiern gewohnt Bescheuertes. Sandler-Gegner feiern dagegen die etlichen offenen Ansatzpunkte zu einem Totalverriss. Ich tendiere eher zu Letzterem, weil ich den Film nüchtern kaum hätte ertragen können & obwohl ich phasenweise zumindest dümmlich schmunzeln musste. Zugegeben: das wilde, wilde Treiben ist von herausragend schlechtem Stil, unterster Humor & plump zusammengefasst ein mieser Film - doch das ist "Scary Movie 2" auch & er gefällt mir. Selbst "Blazing Saddles" hat seine blöden Niveau-Limbo-Momente... was nicht heißt, dass ich diese Zwei qualitativ vergleichen will, sondern nur verdeutlichen soll, dass man sich von dem Allgemeinhass & den Vorurteilen nicht komplett den manchmal aufkeimenden Spaß vermasseln lassen sollte.
Großes Kino oder gar große Komödien sehen ganz anders aus, Sandler befindet sich immer noch auf einem beschämenden Tiefflug & oft genug ist diese Western-Persiflage nicht nur strunzdumm & unlustig, sondern schlicht eine Beleidigung des gesunden Menschenverstands, der amerikanischen Ureinwohner & erst recht von Frauen. Noch dazu mit satten 2 Stunden zu lang & man fragt sich, wie so große Namen & Qualitätsschauspieler wie Keitel oder Buscemi zu so einem Schmarn kommen. Und ob Netflix nach so einem Dünnpfiff Sandler wirklich den 4-Filme-Vertrag erfüllen lässt. Doch nun mein kleines Aber: zumindest teilweise musste ich Lachen. Selbst wenn dann im gleichen Atemzug meist ein Kopfschütteln, Stirnrunzeln & Gehirnzellenabsterben folgte. Vielleicht lag es am geleerten Kasten Bier.
Es geht um einen Semi-Indianer-Zögling (Sandler), der beim Versuch seinen echten Vater aus der Hand von Banditen zu befreien, seine 5 Halbbrüder vom gleichen Vater trifft. So entstehen die lächerlichen 6 & das Klamauk-Abenteuer beginnt. Inklusive auf die Spitze getriebener Western-Klischees, Eseln mit chronisch weichem Stuhlgang & Frauenfiguren, die weiter von Gleichberechtigung entfernt sind, als das deutsche Fernsehen von guter Unterhaltung. Eigentlich ist es nur eine Sandler-Sause mit seinen Kumpels in der Wüste - anders kann ich mir auch die etlichen großen Namen nicht erklären. Plus das lockende, definitiv falsch investierte Netflix-Geld, was man in so viel Sinnvolleres hätte stecken können. Wenn z.B. ein Taylor Lautner als unterbelichteter Farmboy total unter jede Strenge schlägt, musste ich noch mit am meisten Lachen. Doch wenn Adam Sandler im Handstand Gegner verprügelt oder ein auffälliges Berggebirge zum 23. Peniswitz führt, dann bleibt einem das Lachen nicht unbedingt im Hals stecken, es gibt schlicht keins. Neudeutsch nennt man das wohl cringeworthy, was so viel wie Fremdscham bedeutet.
Fazit: fast schon ein Argument gegen Netflix - trotz einer bunten, lustigen Truppe & dem ultrascharfen 4K-Western-Szenario, ganz klar eine Beleidigung des Genres, des Zuschauerverstands & von jedem Filmfan mit halbwegs Selbstachtung. Da muss man schon einige Whiskey kippen, um sich dieses bescheuerte Sandler-Debakel schön zu trinken!