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Nach ein paar Tagen Trampen im sommerlichen Frankreich versucht der junge Brite Jack (Andrew Simpson) per Anhalter wieder Richtung Heimat zu gelangen. Viel Glück hat er auf der Landstrasse jedoch nicht, da in jener Gegend ein Serienmörder frei herumläuft und die wenigen Autofahrer deswegen besonders vorsichtig sind. Schon bald erhält er Verstärkung in Form von Véronique (Joséphine de la Baume), die im Streit mit dem Fahrer einem Wagen entsteigt und nun ebenfalls auf eine Mitfahrgelegenheit hofft. Die beiden jungen Leute freunden sich schnell an und haben dann auch Glück, als sie am nächsten Tag ein kauziger Franzose (Frédéric Pierrot als Monsieur Grizard) in einem alten Rover mit auf seinen Landsitz nimmt. Dort wohnt er allein mit seiner Frau Mary (Barbara Crampton) und bietet dem Duo zumindest für ein, zwei Tage freie Kost und Logis. Während der optimistische Jack das Angebot gerne annimmt, bleibt Véronique mißtrauisch und folgt der Einladung nur widerwillig - denn irgendetwas scheint nicht zu stimmen mit den Gastgebern...

In seinem Erstlingswerk skizziert Regisseur Abner Pastoll behutsam das Zusammentreffen zweier junger Leute, die sich trotzkleinerer Sprachbarrieren schnell ineinander verlieben, um dann als Duo einer stets im Hintergrund lauernden, sich vorerst aber nicht manifestierenden Gefahr zu trotzen. Geschickt führt das Drehbuch den Zuschauer teilweise an der Nase herum, indem es die beiden Protagonisten logische, wenngleich vollkommen falsche Schlüsse ziehen läßt. In eher langsamem Erzähltempo scheint sich die Schlinge um die beiden Gäste immer weiter zuzuziehen: Der lebenslustige Jack (der als klarer Sympathieträger fungiert) wird erst nach und nach mißtrauisch, als er vom Streik der Hafenarbeiter in Calais erfährt und seine Rückreise nach England somit unfreiwillig um ein paar Tage verschieben muß, sich gleichzeitig aber nicht erklären kann, warum Véronique (als eigenwilliger Querkopf, der auch mal die Hüllen fallen läßt) so abweisend und verschlossen gegenüber den Gastgebern auftritt. Letztere verhalten sich ebenfalls seltsam, denn der schrullige Grizard (hervorragend: Frédéric Pierrot) scheint eher harmlos, äußert aber zwischendurch ohne Grund provokante Fragen und Feststellungen ("Du sagst Tomate, ich sage offene Operation am Herzen"), während seine Frau Mary (Barbara Crampton, Re-Animator) äußerst empfindsam auftritt,  seelisch stark angeschlagen scheint und kurzzeitig ein sexuelles Abenteuer mit dem neuen Gast zu suchen scheint. Dazwischen darf man immer wieder den Mörder sehen, freilich nur dessen Beine, wenn er gerade wieder eine verpackte Leiche aus seinem Auto holt...

Apropos Auto, besondere Aufmerksamkeit schien auf die älteren Fahrzeuge gelegt worden zu sein: Sowohl der Rover 2000 stellt in Frankreich eher eine Rarität dar, der stilistisch aber hervorragend zu seinem Besitzer passt, noch viel seltener dagegen dürfte der Kombi des Mörders sein, denn hierbei handelt es sich tatsächlich um einen Trabant 601 - den es, soviel sei verraten, im späteren Verlauf des Films dann (leider) zerlegt. Neben diesen Details besticht in Road Games neben einer tadellosen Kameraführung (mit vielen schönen Panorama-Aufnahmen der französischen Landschaft) vor allem auch ein sehr stimmiger Score, der auf ein wesentlich höheres Budget schließen läßt als es der Film tatsächlich hatte.

Die vier Protagonisten liefern ein jeder eine überzeugende Performance ab, und trotz des weitgehenden Verzichts auf blutige Szenen oder gar Jump-Scares bleibt eine gewisse dräuende Spannung bis zum Ende erhalten, inklusive eines kleinen Plot Twists zum Schluß. In Kenntnis dessen könnte es übrigens durchaus reizvoll sein, den Film dann noch einmal anzuschauen...
Auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden und sich gegen Ende des Films ein paar kleinere Logiklöcher auftun, sei eine klare Empfehlung für diese Road Games ausgesprochen: 8,6 Punkte.

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