Im Zuge der Fahndungen zu den 9/11-Terroranschlägen arbeiten die FBI-Ermittler Jess (Julia Roberts) und Ray (Chiwetel Ejiofor) als eingespieltes Team in derselben Einheit in New York, kollegial unterstützt von der Bezirksstaatsanwältin Claire Stone (Nicole Kidman). Ray hat dabei privat ein Auge auf die berufliche Senkrechtstarterin Claire geworfen, die trotz gegenseitiger Sympathie jedoch bereits verlobt ist. Die freundschaftlichen Beziehungen der Beamten werden allerdings jäh unterbrochen, als eines Tages die Leiche einer jungen Frau in einem Müllcontainer gefunden wird: es ist Jess´ Tochter Caroline. Zwar ist schnell ein Verdächtiger gefunden, doch der junge Marzin (Joe Cole), der in einer Moschee mit radikalislamischen Elementen verkehrt, stellt sich als V-Mann der eigenen Truppe heraus, der mit der Billigung von Abteilungsleiter Siefert (Michael Kelly) sogar bald wieder auf freien Fuß gesetzt wird.
13 Jahre nach diesen Vorfällen - dem nach wie vor unaufgeklärten und vor allem ungesühnten Mordfall - treffen die 3 Ermittler in Los Angeles wieder aufeinander: Ray, den diesbezüglich immer noch Schuldgefühle plagen, hat in jahrelanger Kleinarbeit Polizeiakten durchforstet und ist auf eine heiße Spur zum damaligen Verdächtigen, der natürlich längst untergetaucht ist, gestoßen. Jess, die den Tod ihrer Tochter nie verwinden konnte, beschäftigt sich seitdem mit Rachephantasien, wobei sie den Mörder nicht hingerichtet, sondern lebenslang in einer Zelle eingesperrt sehen will. Claire schließlich ist die Karriereleiter weiter emporgestiegen, hat den seinerzeitigen Fall aber immer noch im Hinterkopf und würde diesen ebenfalls gerne abschließen...
Das US-Remake des oscarprämierten argentinischen Originals In ihren Augen von 2009 kann trotz prominenter Besetzung nicht überzeugen: zu unsympathisch agiert Hauptdarsteller Ejiofor, der seine Kompetenzen derart häufig und in eklatanter Weise überschreitet, daß er trotz seines an den Tag gelegten kriminaltechnischen Engagements nicht als Sympathieträger gelten kann. Auch macht Regisseur Billy Ray, der den ursprünglichen Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur gegen ein 9/11-Szenario getauscht hat, viel zu wenig aus diesem historischen Kontext - seine 2015er Version Vor ihren Augen ist ein nicht einmal mäßig spannender Krimi, der die berufliche und private Dreiecksbeziehung der Hauptfiguren in den Fokus stellt, welche die ganze Zeit allerdings von Übereifer und Betroffenheit geprägt eher auf Sparflamme kocht und sich trotz eines Twists am Ende kaum von der Masse beliebiger Cop-TV-Thriller abhebt.
Vor allem dieser finale Twist, den man nicht verstehen und noch viel weniger billigen muß, beschließt dann einen Streifen, dessen wenig fesselnde Handlung auch die Besetzung der Nebenrollen - Dean Norris als humpelnder Beamter Bumpy, Michael Kelly als aalglatter Abteilungsleiter oder Alfred Molina als Dezernatsleiter (mit kaum einer Minute Screentime) - nicht mehr herausreißen kann, von dem nicht immer sofort klar erkennbaren hin und her springen zwischen den Zeitebenen 2002 und 2015 einmal ganz abgesehen.
Fazit: schwachbrüstiger Krimi, der seine Zielrichtung emotionale Ergriffenheit (und die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem implizierten moralischen Dilemma) durch schwache Figurenzeichnung meilenweit verfehlt. Prädikat: Dann doch lieber noch einmal das argentinische Original anschauen. 3,51 Punkte.