Review

Mein Weg zum Werke Jean Rollins verlief bis hierher etwas holprig: "The living Dead Girl" endete auch Desinteresse für mich nach zehn Minuten, "Zombie Lake" scheiterte an einer defkten DVD und erst die "Foltermühle der gefangenen Frauen" vergönnte mir einen ersten richtigen, aber scheinbar nicht sonderlich repräsentativen Einblick in das Schaffen des französischen Horrorkünstlers. Also das Pferd nochmal anders aufsatteln, aber womit? In Ermangelung an streamtechnischen Alternativen und, weil der Händler meines Vertrauens die von mir ins Auge gefassten "Fascination" sowie seine frühen Vampirfilme gerade nicht im Sortiment hatte, griff ich dann auf auf "Les Démoniaques" alias "Dienerinnen des Satans" zurück. Notgedrungen zwar, aber nicht ganz uninteressiert. Zur großen Freude bekam ich das, was ich wollte: ein klassisches Schauermär mit eigenen, etwas befremdlichen Ideen. Die Rechnung habe ich nur leider ohne Rollins gemütliche Art der Inszenierung gemacht.

Irgendwo an der französischen Küste um 1800 - Schieß - mich - tot verdingt sich der gesammelte Aussatz der Marine unter der Führung des namenlosen Kapitäns (gespielt von einem Hybriden aus Adolfo Celi und Serge Gainsnburg) und von dessen Geliebter Tina angestachelt durch Strandraub: arglose Seefahrer lockt man per Leuchtfeuer vor die Felsen und nimmt sie nach dem großen Krawumm aus wie frischen Lachs - in gleich zweierlei Hinsicht, da man nach der Umverteilung der Beute ungerne lebende Zeugen zurücklässt. Nachdem sich der Trupp wieder mal fremder besitze bemächtigt und im Anschluss die letzten beiden weiblichen Passagiere vergewaltigt und mutmaßlich getötet hat stellen die Vier erschrocken fest, dass sich der letzte staubtrockene Rest bürgerlicher Moral trotz Trinkkur in der örtlichen Hafenkneipe (der obskuren Tonfiguren mit absurd weit gespreizten Vulven sei Dank geradezu nach Sündenpfuhl schreit) hartnäckig in der angstvoll zugeschnürten Kehle hält: erst beginnt der Kapitän zu halluzinieren, dann ist auch rechte Hand Le Bosco sichtlich gereizt von der angespannten Stimmung.

Die beiden geschändeten Damen wiederrum machen auf ihrer verwirrten Flucht aus den Schiffstrümmern übersinnliche Bekanntschaft mit einem Dreiergespann paranormaler Ruinenbesetzer, die in den Resten eines Forts hausen: ein weiblicher Clown, der selbsternannte Ruinenhüter sowie ein eingekerkerter Dämon peppeln die Beiden wieder auf und bieten ihnen die Möglichkeit zur Rache an und damit die Erlösung ihrer verfluchten Seelen. Dazu müssen sie nur den Ersatzbankdeibel aus seiner Zelle holen (was nur die Unschuldigsten der Unschuldigen können) und sich dessen infernalische Kräfte temporär mit der Fleischpipette einträufeln lassen. Okay, die Zunge tut's auch. So oder so rächt frau sich - nicht so wirklich...

Wie gesagt, die Gemütlichkeit der Inszenierung macht dem Film etwas zu schaffen. In der ersten halben Stunde dreht Rollin voll auf: seine Protagonisten stellt er in bester Comicmanier in Lebendportraits vor, wenige Minuten später verrichten sie ihr Werk und geben sich ihrer Blutrunst hin, noch eine handvoll Minuten später bricht der Irrsinn unter den Mannen und Frauen los. Nachdem in der Kneipe der letzte Stuhl zerbrochen, das letzte Bier gelehrt und der letzte Plünderer mit einer Klavierballade über zwei vergewaltigte Schiffbrüchige gepiesackt wurde geht man aber auch wieder vom Gas runter. Der gesamte Film verläuft auf etwa diese Weise und mitunter strengt es den Zuschauer an. Die besagte Kneipe ist übrigens auf der Tonspur voller als auf dem Bild (soll heißen: man hört deutlich mehr Gäste als man sieht) und wenn die Darsteller nicht gerade teilnahmslos dahinstarren schauen sie im Wesentlich enstetzt, wütend oder geil. Dazwischen chargiert der Cast dann genüßlich vor sich hin, was Freunde von kinskieskem Overacting wie mich erfreut.


Dann wiederum schafft es Rollin aber auch, sein Publikum mit skurillen Einfällen und einer ganz eigenen Auslegung von Geisterglauben zu packen. Als ob die Schändung der beiden unschuldigen jungen Maiden nicht furchtbar genug wäre haust am Dorfrande tatsächlich ein Dämon, der nur auf Befreiung wartet. Der ist im Gegensatz zu den korrumpierten Seemännern und ihrer sadistischen Hausdame aber ein Moralist, der den Wunsch nach Rache einsieht, aber in einer späteren Szene, die ich nicht näher erläutern will, zur Menschlichkeit gemahnt. Zudem gefiel mir der Aspekt, dass die Ruine, welche als Hort des Bösen von den Dorfbewohnern gemieden wird sehr, was zeigt, dass dort ein jeder Dreck am Stecken hat, aber kaum einer die Einsicht, dass vor der eigenen Haustür gekehrt gehört. Und wenn es am Ende mit des Teufels rußigen Besen ist. Rollin schafft hier eine ganz eigene Glaubenswelt, seine persönliche Variante des Fegefeuers.

Trotz einiger Längen ist "Dienerinnen des Satans" ein durchaus interessanter Versuch, klassischen Geisterhorror mit Rape and Revenge - Motiven zu verknüpfen, der auch weitgehend funktioniert, sieht man von der Inkonsequenz des Drehbuches gegen Ende ab. Vielleicht gibt es bessere Einstiege in Rollins filmischen Mikrokosmos, aber auch hier kann das Publikum noch einiges entdecken. Mich hat er auf jeden Fall neugierig auf Rollins weiteren Katalog gemacht.

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