Review

Grundlegend ist es ja löblich, wenn einer Figur in einem Gruselfilm, insbesondere wenn es um Themen wie Besessenheit geht, ein wenig mehr Entfaltung zugesprochen wird. Doch wenn sich dadurch eine Nichtigkeit an die nächste reiht, ist der Zug rasch abgefahren, sogar der Bummelzug.

Tess (Ryan Simpkins) leidet seit Jahren an einer dissoziativen Identitätsstörung und ist soeben mit ihrer Mutter umgezogen. Eines Tages entdeckt sie am Straßenrand ein Holzkreuz mit einem Foto, auf dem die etwa gleichaltrige Lucy abgebildet ist. Nach einiger Zeit verschlimmern sich Tess´ Krankheitssymptome, doch der örtliche Pfarrer findet Anzeichen von Besessenheit…

Die ersten Minuten sind gar nicht übel: Ein Streitgespräch zwischen Mutter und Lucy, der Wagen hält, Lucy steigt trotzig aus und zack – wird die Göre von der Straße gefegt.
Doch von da an geht es steil bergab, denn Tess ist wahrlich keine Person, die ein Betrachter ins Herz schließt. Sie redet nicht viel und kapselt sich gerne ab, was uns Szene für Szene lang und breit dargeboten wird. Tess liegt im Gras und starrt in den Himmel. Tess sitzt auf einem Pfeiler, ein paar Meter entfernt hockt ein Junge, der sich eine Giraffenmaske überzieht und niemand sagt ein Wort. Tess liest ein Buch… In der Hinsicht muss der Begriff Slowburner neu definiert werden.

Zudem besteht ein deutlicher Mangel an Grusel – oder gar Schockeinlagen. In einer Szene deuten sich Handabdrücke an einer Scheibe an, in einer anderen scheint Tess wie paralysiert.
Mehr ist da nicht. Kein Blutvergießen, keine paranormalen Phänomene, keine Jump Scares und schon gar keine Teufelsaustreibung, denn hier ergeben sich Dinge von ganz allein, wenn zwei aufgeregte Mütter um ein Mädchen herumeiern und nicht wissen, welche Tochter soeben spricht, - den Zuschauer interessiert es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr.

Zugute halten kann man dem Werk einen halbwegs atmosphärischen Score, ein okaye Sounduntermalung und mit Ryan Simpkins eine treffend besetzte Hauptdarstellerin, die ihre Sache solide erledigt. Der Rest besteht aus purer Langeweile, Ereignislosigkeit und faden Familiendrama. Das Werk mutiert zur titelgebenden Qual für den Zuschauer…
2,5 von 10

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