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Schwertgerassel im Cyberpunkgewand: Anstatt der klassischen Fantasy- und Historienszenarien verlegt „The Princess Blade“ handelsübliche Handlungsstrukturen in die Endzeit.
Kurze einleitende Texttafeln erzählen mal wieder von einer Erde, die infolge menschlichen Fehlverhaltens gewaltig Trümmern liegt, und auf welcher der Clan von Yuki (Yumiko Shaku) zu einer Horde gedungener Assassinen geworden ist, nachdem die Königin starb. Yuki gehört zu den besten Profimeuchlern der Truppe, was ihr den Respekt ihres Anführers einbringt. Gefallener Adel, herrenlose Killer, also gewissermaßen Ronin der Endzeit – den klassischen Samuraifilm sieht man deutlich durchscheinen.
Probleme kommen auf Yuki zu, als sie erfährt, dass sie die Tochter der Königin ist, ein Anrecht auf die Thronfolge hat und der Anführer sich die Position nur durch Königinnenmord erschlichen hat. Nun steht sie selbst auf der Abschussliste…

„The Princess Blade“ ist ein Musterbeispiel für einen Film, der unheimlich stark anfängt und dann immer weiter nachlässt. Gerade die ersten Actionszenen lassen so richtig die Kuh fliegen, den Choreographien Donnie Yens sei dank. Der Einsatz von Wirework ist dezent, die Härte ordentlich und die Fäuste, Füße und Schwerter fliegen stets in optisch ansprechender Form. Leider scheint damit das Pulver verschossen, in der zweiten Halbzeit gibt es bis auf den Showdown quasi nichts an Fratzengeballer – und besagtes Finale ist weder ausgefallen noch exzessiv genug, um da wirklich noch die Kohlen aus dem Feuer zu holen, eine Steigerung in der Actionquali gibt es also nicht.
Vor allem aber wird eine zweite Plotlinie, welche „The Princess Blade“ ganz unmotiviert aufmacht, zum Verhängnis des Films: Ein junger Rebell, der gegen eine gesichtslose und nie definierte Regierung kämpft (obwohl das Outlawtum eh zu regieren scheint), nimmt die Prinzessin auf der Flucht bei sich auf, es kommt zum unvermeidlich-unmotivierten Rumgeschmuse, doch dann wird der Handlungsstrang mit all seinen Implikationen kurz vor Ende rabiat fallengelassen – zurück bleiben unaufgelöste Fragen und jede Menge verschwendete Screentime, denn besagter Plotstrang ist nur ein Klotz am Bein.

Insofern wäre ein gradliniger Samurai-Endzeit-Racheklopper wohl wesentlich besser gewesen, zumal Shinsuke Satos Bildsprache noch so einiges aus dem 08/15-Plot herausholt. Durch Farbfilter veränderte Himmelfarben und einen bewussten Verzicht auf Continuity beim Schnitt (die Assassinen marschieren von einem Feldweg und anscheinend schließt sich direkt eine Wüste an diesen an) gibt er „The Princess Blade“ einen surrealen Touch, der das ganze Gekloppe noch abgespacter und noch phantastischer wirken lässt.
Da die Optik Trumpf ist, der Inhalt dafür weniger, wundert es kaum, dass die Darsteller ebenfalls kaum zum Zuge kommen. Yumiko Shaku in der Hauptrolle kann immerhin noch so spielen, dass man ihre Performance nicht wenige Tage nach Filmsichtung vergessen hat – was man vom Rest des Ensembles leider nicht behaupten kann.

Insofern ist „The Princess Blade“ ein Paradebeispiel für einen Film, der unheimlich stark anfängt, und mit zunehmender Laufzeit immer starker nachlässt. Mangelhaftes Scriptwriting und ein enttäuschender Showdown ziehen den Film in den gehobenen Durchschnittsbereich runter, nachdem der Auftakt eine flotte Kampfkunstsause versprach.

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