"Wenn mehr Waffen den Leuten Sicherheit gäbe, wären die USA das sicherste Land der Welt. Das Gegenteil ist der Fall."
Am Morgen des 20. April 1999 laufen zwei Schüler in der Columbine High School Amok. 12 Schüler und ein Lehrer sterben, zahlreiche weitere werden schwer verletzt. Vor dem Massaker waren die beiden Amokschützen bowlen. Steht dies in einem Zusammenhang?
Dokumentarfilmer Michael Moore ("Sicko", "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte") lässt dieses tragische Ereignis, dass international bekannt wurde und in den USA eine Veränderung in Schulen bewirkte, Revue passieren, stellt Fragen über Waffenbesitz und zieht Vergleiche zu anderen Ländern.
"Bowling for Columbine" polarisiert. Noch nie zuvor hatte ein Regisseur den Mut so offen, frech und ungeschönt das Thema Waffen in den USA zu behandeln. Bereits die ersten Minuten brennen sich besonders Europäern in den Kopf, wo Moore mit einer gerade erworbenen Waffe eine Bank verlässt.
Sicherlich sind filmische Mittel Moore's stärkste Waffe. Die Inszenierung lässt Zeitspannen gerne unter den Tisch fallen und platziert passende Interviews oder Auftritte ambivalenter Personen provokativ. Somit entspricht hier nicht alles einer realen Zeitschiene. Und dennoch rufen die Themen des satirischen Films zum Nachdenken auf.
Die Angst vor Farbigen, die Bush-Regierung und insbesonders die Waffenlobby stehen am Pranger. Überspitzt aber dennoch bodenständig wird Amerika von einer nicht besonders guten Seite betrachtet. Manche interviewten Personen neigen zu Wahnvorstellungen und dümmlichen Kommentaren. Andere sind aus vernachlässigten Gesellschaftsebenen. Mit bestimmender Wortwahl bewegt Moore die Personen sich zu den Themen zu äußern. Nicht bei allen gelingt es ihm.
Die subversive Herangehensweise macht "Bowling for Columbine" zu einem unterhaltenden Dokumentarfilm. Mittels Abstecher in die Vergangenheit in gezeichneter Form, bissigen Kommentaren und brachialen Maßnahmen präsentiert Moore seine anspruchsvollen Themen voller Leichtigkeit. Gerade, wenn alle einen Schuldigen in Schock-Rocker Marilyn Manson sehen, und dieser als normaler, verständnisvoller Mensch präsentiert wird, kommt man als Zuschauer nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus. Diese Vorgehensweise macht den Film auch für ein Massenpublikum tauglich.
Vergleiche mit anderen Ländern eröffnen nicht nur dem Regisseur ein völlig neues und erstaunliches Vergleichsbild. In Kanada schließen beispielsweise die wenigsten ihre Eingangstüren ab. Und das Argument, Amerika hätte eine ganz besonders gewalttätige Vergangenheit, verblasst neben Bildern von Adolf Hitler und anderen, grausamen Führungspersönlichkeiten.
So sucht Moore schließlich eine Antwort in den Medien und der Politik. Manipulation durch Nachrichtensendungen? Angst und Panikmache durch den Staat selbst? Hier muss sich jeder selbst ein Bild machen. Ebenso, wie bei einem grundsätzlichen Verbot von Waffenbesitz.
"Bowling for Columbine" regt zum Nachdenken über Waffenbesitz und die Anwendung von Gewalt selbst an. Der Dokumentarfilm lässt Waffenhersteller, unter anderen die National Rifle Association und dessen damaligen Vorstand Charlton Heston ("Ben Hur"), Politiker und Gesellschaftsgruppen mit der Vorliebe für Waffen in ganz schlechtem Licht stehen. Und dennoch greift er nicht immer Partei, überlässt es stattdessen dem Publikum sich selbst ein Bild zu machen. Ein wichtiger, sozialkritischer Beitrag, den man mit einem Augenzwinkern aufnehmen muss.
9 / 10