Eröffnungsfilm als Bestandteil einer umdekorierten Hallmark Movies & Mysteries Reihe, in der bevorzugt bereits im belletristischen Sektor etablierte Krimis für die mittlere Generation an weiblichen Zuschauern, sprich die Altersgruppe 25 - 55 und dort dem eher nach Entspannung suchenden Charakter angesprochen werden sollen. Murder, She baked, dass sich vom Titel her an Murder She Wrote, der CBS-Hitserie aus den Achtzigern anlehnt, welche sich wiederum an Agatha Christies Murder She Said orientierte, basiert auf den cozy mysteries von Joanne Fluke; einer Autorin, die auch die härtere Gangart kann, aber mit den Romamen um eine im Privatleben Ermittlungen anstellende Konditorin die meisten Erfolge feierte und die Buchregale mit entsprechenden Erzeugnissen seit 2001 jährlich beliefert. Inkl. einem Kochbuch mit eigenen Rezepten und auch dem Versand an Fans mit Keksen und Naschkram, was nicht nur vom lukullischen Genuss des Seichen und Süßen her perfekt zu den Texten passt, als mit der tea time auch die richtige Zeit für das Lesen der Bücher ist:
Hannah Swensen [ Alison Sweeney ], eine junge Frau Ende 30, betreibt im beschaulichen Örtchen Eden Lake eine kleine Bäckerei, mit deren Erzeugnissen sie ihre begeisterte Stammkundenschaft beglückt. Hannah hat zwar derzeit keinen Mann, aber ein kleines Kätzchen und ihre liebgewonnenen Routinen, mit der sie ihr Leben, unter der ständigen Beaufsichtung ihrer jüngeren Schwester Andrea [ Lisa Durupt ], einer Dekorateurin, und ihrer gemeinsamen Mutter Delores [ Barbara Niven ], einer Maklerin führt. Um das Alleinsein zu ändern, soll Hannah derzeit auch mit dem neu hinzugezogenen Zahnarzt Norman Rhodes [ Gabriel Hogan ] verkuppelt werden, den sie zwar durchaus angenehm, und hilfsbereit findet, für derlei Geschichten gerade aber so richtig keine Zeit hat. Eine ihrer Routinen wurde nämlich gestört, ist ihr Milchlieferant, der Fahrer Ron LaSalle [ Jason Cermak ] direkt vor ihrer Laden erschossen wurden und zeigt sich weder der örtliche Sheriff Bill Todd [ Toby Levins ], der auch der Ehemann ihrer Schwester Andrea ist, noch der extra aus Minnesota von der Mordkommission hinzugezogene Detective Mike Kingston [ Cameron Mathison ] so richtig engagiert in der Aufklärung der Tat. Hannah wiederum kannte den Toten seit ihrer Kindheit, fühlt sich mit ihm eng verbunden und steckt so ihre Nase näher in die Angelegenheit, als dass es den Gesetzeshütern und auch dem Täter und dem Drahtzieher im Hintergrund, dem Krümelmonster lieb ist.
Hallmark Channel hat mit der Reihe insgesamt seit der Neuinstallation anhaltenden Erfolg, und bedient die Kundschaft schlauerweise auch gleich im halben Dutzend und in raschen Abständen, um den Trend jetzt zu bedienen und nicht die Verzögerung als Risiko zu potenzieren. Eine Übersättigung wird noch durch unterschiedliche Anlagen im gleichen Rahmen vermieden, drehen sich die anderen Filme, abseits vom bereits wenige Wochen später gelaufenen Nachfolger Murder, She Baked: A Plum Pudding Murder Mystery (2015) (und den bis 2017 drei weiteren Exemplaren) um leicht andere Figuren, nur mit denselben Ansinnen. [Bspw. Garage Sale Mystery, seit 2013, in der eine Entrümplungsspezialistin auf Mördertour geht, oder dem Gourmet Detective, in der ein kulinarischer Gott zusammen mit einer Polizistin am Ermitteln ist.] Das lässt sich genauso beliebig fortführen, wie es im Grunde auch beliebig, aber entsprechend einfach zu konsumieren, gerade für die angesprochene Klientel auch eine Art Auszeit, eine Oase der Unterhaltung, des Rückzuges, wie ein Besuch im Spa zum Wohlfühlen halt ist.
Demgegenüber ist nichts zu sagen, hat der Channel, ein Ableger des Grußkartenversands, damit die Zeichen der Zeit erkannt und sich im Wissen dessen auch der Nachfrage hin angedient. Ausgehend von den Büchern von Fluke, von deren mittlerweile bereits über 20 und somit genug Stoff für weitere Fortsetzungen vorhanden sind, wird hier die Welt einer Kleinstadt geschaffen, in der Jeder den Anderen und dies am besten schon seit der Kindheit kennt. Selbst früher Weggezogene und über den Mief des Ortes Lamentierende hat es zurückverschlagen in diese saubere Under the Dome Präsenz, in der die restliche Zivilisation vielleicht noch bis zum größeren Nachbarort Minneapolis existiert, weiter allerdings nicht. Im Nordsternstaat gelegen, an der Grenze zu und gefühlt schon fast in Kanada, wo die Strassen Old Lake Road heißen und Dairy Avenue und noch sauber und die Luft rein, wo die Menschen höflich, wenn auch sehr oberflächlich, aber auf jeden Fall gut gelaunt und gut gesinnt sind.
Eine duftes Städtchen, wo unsere Heldin da zuhause ist. Mindestens ein paar Wochen Urlaub möchte man da machen, wenn nicht gleich ganz hinziehen, hinaus aus dem Lärm und dem Stress und dem Streit, der einen im Alltag nervt und stetig und stetig steigernd umgibt. Alle sind so nett, vor allem auch die Männer, außer der Typ aus eben der Großstadt natürlich, dieser Detektive, der zwar genauso bieder aussieht wie dieser andere neue Typ im Leben unserer Heldin, aber nicht halb so höflich ist. Eine romantisches Dreieck bahnt sich trotzdem ist, Gegensätze halt, und so richtig Auswahl bei diesem Schwiegermuttersöhnchen, die hier rumlaufen, hat unsere Heldin halt auch nicht. Ein Kätzchen hat sie, mit dem sie reden kann, genauso wie sich manchmal im leeren Raum spricht und manchmal auch mit uns Zuschauern, wenn es an die Ermittlungen, an die Zusammenfassung des bisherigen und an das Verteilen von Lebensratschlägen sind. Zum Glück dabei ist die Titelrolle attraktiv und trotz des Auftretens als letzte amerikanische Jungfrau, die dennoch immer selig lächelnd und nur ausnahmsweise daheim mit Kätzchen auf dem Schoss am Schicksal verzweifelnd ist, auch der Sympathie und Identifikation ansprechend besetzt.
Selbst die anderen Darsteller gehen getreu ihrer Funktion adäquat, und der Krimi ist im Nebenher zu Lösen, obwohl er sowieso so richtig nicht interessant, mit einer guten Handvoll Verdächtiger, Motive, Alibis, nur in der Lösung auch erahnbar ist. Wichtig ist das Gefühl der Geborgenheit, die dieser Film erschafft und dem Drang nach entspricht, mit ein wenig Spannung hier und ein wenig Liebelei für das Herzchen da.