kurz angerissen*
Die Missachtung gesellschaftlicher Rollenbilder soll gleichermaßen empören wie unterhalten, doch „Dirty Grandpa“ ist nicht der erste Opa, der sich nicht an die Regeln hält. Mit Bad Grandpas, kleinen Arschlöchern und ihren alten Säcken, bad Weihnachtsmännern, bad Lehrerinnen, desperate Hausfrauen und jüngst auch bad Müttern ist man in bester Gesellschaft – und einfach eine Spur zu spät dran.
Das schlackernde männliche Glied tritt mal wieder als Schreckgespenst amerikanischer Prüderie auf und soll Moralaposteln eine Mischung aus Zornes- und Schamesröte ins Gesicht zaubern; möglicherweise verkennt man inzwischen aber den Erfahrungswert dieser Klientel mit derartigen Holzhammerattacken. Nicht einmal der kleine Bruder grafischer Anzüglichkeiten, das böse F-Wort, holt da noch die Kohlen aus dem Feuer: Über weite Strecken wirkt das Abenteuer eines Großvaters und seines Enkels wie bestellt und nicht abgeholt.
Es ist schließlich auch lange her, dass man Robert De Niro als Kassenmagneten engagieren konnte. Heute setzen einige Regisseure eher daran, ihn behutsam aus seinem Loch zu holen (David O. Russell bestreitet diese Aufgabe zugegebenermaßen relativ einsam), während andere ihn postwendend wieder ausschlachten. Obwohl der einstige Edelmime nach schwerem Anlauf durchaus seine Momente hat, besteht wohl kein Zweifel, dass im vorliegenden Fall eher wieder Ausschlachtung angesagt ist. Ohnehin hat die Rolle am Ende nichts schreiend Revolutionäres an sich; eine Menge Jack Byrnes („Meine Braut, ihr Vater und ich“) steckt in ihr. Zumindest war jene Figur bereits auf dem besten Wege, im Alter zum dreckigen Großvater zu werden.
Interessanter stellt sich da schon der Umgang mit Zac Efron dar. Ihm gelingt es immerhin, trotz seines Sexsymbol-Potenzials den befremdlichen Spießer fast zur Vollendung zu bringen und somit einen stolzen Kontrast zum routinierten Hauptdarsteller zu schaffen. Er ist das um den Kopf des unbeirrlichen Duracell-Hasen kreiselnde Atom und bringt die Sache gewissermaßen in Schwung, auch wenn er mit manch allzu plakativer Tabubruchszene (Aufwachen am Strand) gehörig daran zu knabbern hat, den Film nicht völlig in die tiefsten Abgründe des Niveaus absinken zu lassen. Neben ihm heben sich einige wenige Nebenfiguren hervor, insbesondere Aubrey Plaza als durchgeknallte Männerfresserin. Aber selbst das gehört längst zum ausgewiesenen Standard.
Es wird die Zeit kommen, da sind die Altersheime voll von fiesen Opas, die ihre Medizin nicht einnehmen wollen. Müssen wir befürchten, dass der Everyman in der nächsten Generation Komödie zum neuen Tabubruch wird?
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