Review
von Leimbacher-Mario
Der Preis ist heiss
„Concussion“ und die wahre Geschichte dahinter greift eines von Amerikas heiligsten Kindern an - den Football. Und zwar völlig zurecht und sich schützend vor die Sportler stellend. Es wird von einem mutigen und menschlichen afrikanischen Arzt erzählt, der gegen alle Widerstände herausgefunden hat, dass die ständigen wortwörtlichen und medizinischen Gehirnerschütterungen in dem beliebten Sport beträchtliche, langfristige und oft tödliche Folgen haben…
Will Smith versucht gefühlt die Wage zu halten zwischen (wenn möglich Preise und Prestige nach sich ziehenden) anspruchsvolleren Dramarollen und (wenn möglich viel Geld und Erfolg nach sich ziehende) krachende Blockbusterengagements. In welche Kategorie „Concussion“ fällt, muss man glaube ich nicht mehr erklären. Dennoch sticht dieses aufweckende Footballdrama aus seiner Filmographie sowie aus diesem Subgenre heraus. Regisseur und Drehbuchautor hätten zwar die Parallelen und Unterschiede zwischen Amerika und seinem Sport, modernen Gladiatoren und leidenden Versuchskaninchen, Unterhaltung und Schmerzen, Wissen und Wahrheit, Mut und Gier, Schweigen und Zeigen, Lügen und Medizin noch besser herausstellen können, dennoch seziert man hier gefühlt doch deutlich am offenen Herzen einer eh schon politisch, gesellschaftlich und menschlich gespaltenen, verunsicherten, verletzten und scheinheiligen Nation. Klar hätten ein Fincher oder Scorsese aus dem Stoff und den Erkenntnissen sicher ein weitaus düstereres, vielschichtigeres und besseres Ergebnis herausholen können - aber auch in dieser geerdeten und understateten Version kann man mit „Concussion“ zufrieden sein. Smith spielt stark, nicht nur wegen dem Akzent. Der Aufbau ist verständlich, strukturiert und authentisch. Der Kern der Sache und der Zwiespalt zwischen Sport und Gesundheit, Geld und Leben ist ansprechend und unheimlich fesselnd. Nur auf die doch recht deutliche Konzentration auf das Privatleben der Hauptfigur, das gar nicht wirklich etwas mit dem Thema und Konflikt zu tun hat, hätte ich weitestgehend verzichten können.
Fazit: eine von Smiths besten Performances, ein zutiefst amerikanisches und akutes, hochbrisantes Thema, eine ruhige Erzählweise - „Concussion“ ist trotz/gerade wegen seiner Behäbigkeit ein starkes und enorm wichtiges Viel-mehr-als-nur-Sportdrama über die „Nebenwirkungen von Football“, die die Amerikaner nur zu gerne verdrängen (würden).