„In jedem Hafen eine Braut, das ist doch nicht zuviel. Solange jede uns vertraut, ist das ein Kinderspiel…“. So sang einst Heinz Rühmann über Gegebenheiten, die einen Seemann nicht erschüttern können, wogegen der deutsche Filmemacher Stefan Butzmühlen in seinem Drama auf das setzt, was einen angehenden Seemann auf der Suche nach der eigenen Identität erschüttern könnte.
Marek zieht es vom Bauernhof der Eltern hinaus in die weite Welt, er will Seemann werden und heuert auf einem Containerschiff in Richtung Martinique an, wo er bereits vor Abreise den Matrosen Jean kennen lernt. Aus einem ungezwungenen Abend entwickelt sich eine Liaison, von der sich Marek mehr erhofft…
Tobende See und stürmische Emotionen? Absolut Fehlanzeige, denn die Erzählung setzt nicht gerade auf offen dargelegte Gefühlsregungen und Konfrontationen auf hoher See, wie die Prämisse durchaus glauben machen könnte.
Viel erfährt man über Marek im Vorfeld nicht, weder ob da zuvor schon eine schwule Neigung bestand, noch, ob er überhaupt schon mal in einer beziehungsähnlichen Situation steckte. Wahrscheinlich aber nicht, denn nach kurzer Zeit klammert er sich an Jean, der wiederum seit seinem siebzehnten Lebensjahr auf Schiffen unterwegs ist und trotz zahlreicher Liebschaften nie eine feste Bindung wollte. Man mag sich ausmalen, wohin das führen dürfte.
Statt vieler Worte verwendet Butzmühlen lange Einstellungen vom Meer, vom jeweiligen Seegang oder er verweilt auf Martinique in einem Stück Dschungel mit zahlreichen Glühwürmchen. Statt Dialoge gibt es Voice-Over von Marek, der zuweilen seine Tagebucheintragungen verlauten lässt oder auflistet, welche Jobs es an Bord eines solchen Schiffes gibt. Diesbezüglich erscheinen die logistischen Abläufe wahrlich spannender, als das, was zwischen den ungleich tickenden Männern abläuft.
Nur einmal kommt es am Strand zu einer Auseinandersetzung, doch bevor die Konfrontation vertieft wird und eventuell ein wenig Dramatik ins Spiel kommt, schwenkt man zum nächsten unwichtigen Fragment in der Erzählung, ob ereignisloser Clubbesuch oder Verweilen am Straßenrand. Entsprechend unausgegoren erscheint das Ende, doch immerhin scheint Marek seine Bestimmung auf die eine oder andere Art erlangt zu haben.
Bis auf den etwas amateurhaft gefilmten Einstieg arbeitet die Kamera recht solide, diverse Seemannslieder wirken in Anbetracht der Geschichte beinahe ironisch und das Schauspiel der weitgehend unerfahrenen Mimen vermag ebenfalls zu überzeugen.
Die Geschichte bleibt indes weit hinter den Möglichkeiten zurück, sie wird betont ruhig und ohne viele Worte erzählt und schafft es zu keiner Zeit, emotional zu berühren.
3,5 von 10