Review

Julian Dennison spielt den jungen Ricky, der vom Jugendamt bei einem älteren Ehepaar auf einem entlegenen Anwesen untergebracht wird. Dort kümmert sich primär seine herzliche Pflegemutter um den Jungen, während ihr grimmiger Gatte, gespielt von Sam Neill, nur wenig für den neuen Gast im Haus übrig zu haben scheint. Daher will der schweigsame Eigenbrötler den Heranwachsenden am liebsten wieder loswerden als seine Frau plötzlich verstirbt. Ricky flüchtet sich jedoch in den Wald, wo ihn der Pflegevater nach einiger Zeit findet. Da die Polizei bereits nach beiden sucht und von einem Entführungsfall ausgeht, müssen sie sich dort versteckt halten.

Bereits seine Mockumentary über den Alltag einer Vampir-WG „5 Zimmer Küche Sarg“ fand auch über seine persönliche und filmische Heimat Neuseeland hinaus eine gewisse Beachtung. Und auch seine Romanverfilmung „Wo die wilden Menschen jagen“, von den Kritikern bejubelt, wurde in vielen weiteren Ländern veröffentlicht, weswegen auch Hollywood auf den Filmemacher Taika Waititi aufmerksam wurde. Der Neuseeländer durfte die Regie beim Marvel-Blockbuster „Thor Ragnarok“ übernehmen, der in wenigen Monaten in den Kinos anlaufen wird. Nur hält seine Tragi-Komödie über ein Pflegekind und seinen grimmigen Ersatzvater nur teilweise, was die zahllosen Lobeshymnen auf „Wo die wilden Menschen jagen“ versprechen.

Dabei ist der Film insbesondere darstellerisch ein kleines Highlight. Da ist der grimmige Sam Neill, der den sprichwörtlichen weichen Kern unter seiner harten Schale nach und nach, subtil und doch eindringlich, nach außen kehrt. Daneben ist der begabte Kinderdarsteller Dennison aber der eigentliche Star des Films, gibt dem Part des emotional verwahrlosten Jugendlichen, der sich allmählich öffnet, ein Gesicht. Außerdem ist Waititi ein hervorragendes Gespür für einen treffenden Mix aus Tragik und Komik zu attestieren, ebenso für eine unaufdringliche Emotionalität sowie einen stilsicheren Blick für tolle Landschaftsaufnahmen.

Letztendlich ist der Film, der sich so unkonventionell gibt, aber doch über weite Strecken recht vorhersehbar, vor allem die allmähliche Annäherung zwischen dem kauzigen Griesgram und seinem Pflegekind ist absehbar und sehr klischeebeladen. Außerdem erzeugt das Versteck- und Survival-Spiel keine Spannung, weil die Handlung allzu skurrile Züge annimmt und Waititi, der auch das Drehbuch verfasst hat, den nötigen Ernst zugunsten einiger schrulliger Nebenfiguren und mancher kurioser Begegnungen vermissen lässt. Das sorgt zwar für ein paar Lacher, zumal die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt, führt aber auch zu einigen schrägen Momenten, die nicht richtig ins Bild passen wollen.

Fazit:
Den Grat zwischen Komik und Tragik meistert der neuseeländische Regisseur Taika Waititi zwar gekonnt, aber nicht den zwischen ernsthaften und schrägen Elementen. Letztendlich ist sein Film sehenswert, aber etwas unausgegoren.

63 %

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