Spätestens nach vorliegendem Werk sollte man sich den Namen des Regisseurs Taika Waititi merken, welcher der Mischung aus Abenteuer, Drama und Komödie einen recht markanten Stempel aufdrückt. Und eine im Grunde so simple Geschichte so abwechslungsreich zu gestalten, dass Stimmungen beinahe im Minutentakt kippen, ohne dass der eigentliche Erzählfluss darunter leidet, ist ebenfalls eine Gabe.
Der dreizehnjährige Waisenjunge Ricky (Julian Dennison) wird aufs Land zu Pflegeeltern vermittelt. Bella (Rima Te Wiata) und ihr knurriger Mann Hec (Sam Neill) kümmern sich um das Problemkind, welches langsam Vertrauen fasst. Doch dann müssen Hec und Ricky aufgrund eines Vorfalls in die Wildnis fliehen und sich dort mit ihr arrangieren…
Es ist ein grundlegender Vorteil, wenn sich der Großteil der Handlung in freier Wildbahn abspielt, vor allem, wenn es sich dabei um die saftig grünen, recht abwechslungsreichen Landschaften von Neuseeland handelt, die stets gekonnt und mit einigen tollen Kamerafahrten eingefangen werden.
Zudem wird man mit den Außenseiterfiguren sehr schnell warm. Ricky, ein dicklicher Kerl in Hip-Hop-Klamotten sucht zwar Coolness und damit verbundenes Gangstergehabe, doch in Wirklichkeit sehnt er sich nach Anerkennung und eine feste Heimat, wofür stellvertretend die Wärmflasche steht, welche er tatsächlich über offenem Feuer zu erhitzen versucht (mit Wasser drin). Hec ist ein wortkarger Miesepeter, der sich ursprünglich nicht mit dem Balg befassen will, später bleibt ihm keine andere Wahl. Auch er ist ein Außenseiter, da der Eigenbrödler Legastheniker ist und zunächst recht unnahbar auftritt. Aber auch hier zeichnet sich im Verlauf eine Entwicklung ab.
So geht es um Einsamkeit, Trauerbewältigung, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen, denn das vermeintlich ungleiche Gespann befindet sich mehrere Monate auf der Flucht, bei der ihnen nur selten Menschen begegnen. Überhaupt gestaltet Waititi sein Abenteuer recht ereignisreich und emotional, denn neben einigen zwischenmenschlichen Einschüben kommt auch der Humor nicht zu kurz, während Filmfreunde einige Anspielungen auf kleine und bekannte Klassiker herausfiltern können.
Neill ist natürlich eine Wand und mittlerweile prädestiniert für Rollen mit Grummelcharakter, doch auch sein Gegenpart überzeugt auf ganzer Linie und mit sichtlicher Spielfreude.
Die Musikauswahl ist durch die Bank gelungen und einige Szenenübergänge sind clever und gleichermaßen optisch ansprechend gestaltet. Obgleich das Finale einige Action beinhaltet, ist dieses ein wenig drüber inszeniert, jedoch versöhnt der Ausklang, welcher den erzählerischen Kreis schließt und eben jenen warmherzigen Ton vorgibt, der sich durch den kompletten Film erstreckt.
Es ist diese überaus charmante Mischung mit gut gezeichneten Figuren, treffsicheren Pointen, viel Situationskomik, jedoch auch ernsten und nachdenklich stimmenden Tönen, die von Anfang bis Ende unterhält und den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurücklässt.
Dazu ein tolles Gespann bei dem die Chemie stimmt, - mehr braucht es für ein Wildnisabenteuer an dieser Stelle nicht.
8 von 10