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Sommer an der Coté d'Azur: die hübsche, launische und durchtriebene Chris (Valerie Kaprisky) macht Urlaub mit ihren Eltern am Strand. Ihre attraktive Mutter (Caroline Cellier) ist etwas sehr dem Alkohol zugeneigt, ihr Vater stets auf Dienstreise und desinteressiert. Chris versucht den eitlen Romain (Bernard Giraudeau) zu verführen, der interessiert sich aber gar nicht für sie, sondern verführt lieber ihre anfangs abweisende Mutter. Chris widmet sich dann dem reifen Vic (Jacques Perrin), der ihr Vater sein könnte. So geht das bunte Treiben dann munter weiter, bis zur Überraschung.

Christopher Frank drehte 1984 nach seinem eigenen Roman "Teuflische Umarmung". Er lief hierzulande im Kino und erschien bislang aber nur auf Video.
Er ist in vierlei typisch französisch, mit allem Vor- und Nachteilen: schöne Frauen, die unerträglich kapriziös sind, Männer, die entweder Gockel oder Loser sind,  Dialoge, die so vermutlich niemand je haben würde und eine, positiv gemeinte, Unvorhersehbarkeit.

Zentrum des Films ist die manipulative, sinnliche und komplexe Chris. Die meisten Männer verfallen ihr ziemlich schnell, sie hält sie hin, sobald sie sie verführt hat. Kann sie jemanden nicht haben und der zeigt ihr dieses Desinteresse auch noch geradezu demütigend (Romain, der nebenher als Zuhälter, jobbt geht mit ihr beim ersten gemeinsamen Date demonstrativ auf eine Kirmes, weil er sie als zu jung und unreif empfindet), so explodiert sie. Nebenher zerstört sie die Ehe eines deutschen Urlauberehepaars mit ein paar Gerüchten... das alles, weil sie keine Aufmerksamkeit bekommt...? Nun ja, ich fand es zu dick aufgetragen.
Aber immerhin ist Valerie Kaprisky eine Augenweide und in der Hälfte ihrer Szenen nackt oder halbnackt.

Ich habe bei diesem Thema (ein Mädchen wird zur Frau) manchmal Bauchschmerzen, weil es aufgesetzt, schmierig und sexistisch wirken kann. Chris wirkt mitunter wie die Karikatur eines verzogenen Blags. Regisseur Frank hat die schmierigen Fettnäpfchen dieses Themas auch dann relativ treffsicher aufgesucht. Insgesamt ist sein Film aber zumindest unterhaltsam, trotz auch eines unpassenden Off-Kommentators, der offensichtlich das zu erläutern hatte, was Frank bildlich nicht in der Lage war, darzustellen.

Wenn man einen französischen Film mit einer ähnlichen Thematik ansehen muss, so besser "Jung und schön" von François Ozon.

Sonst bleiben noch ganz ordentliche Schauspielerleistungen, v.a. von Jacques Perrin und Giraudeau zu erwähnen sowie der Soundtrack, zu dem einige Lieder von Nina Hagen gehören. Bizarrerweise passen diese zur düsteren Thematik des Films und wirken besonders in einer Discoszene passend. Ein schräger, durchaus interessanter Film, dem aber Drehbuchschwächen besonders bei der Charakterzeichnung schwer torpedieren. Trotz der knusprigen Valerie. 5/10.

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