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Nachdem der Ehemann, gespielt von Jim Belushi, im eigenen Haus erstochen und der Sohn wegen Mordes angeklagt wurde, wendet sich die Witwe und Mutter des mutmaßlichen Täters, gespielt von Renee Zellweger, an einen befreundeten Strafverteidiger, gespielt von Keanu Reeves. Der willigt ein, den Jungen zu verteidigen, was jedoch dadurch erschwert wird, dass der Angeklagte seit der Tat schweigt. Die Verteidigungsstrategie beruht zunächst darauf, den Ermordeten als schlechten Vater und sadistischen Ehemann darzustellen. Bei der Verhandlung deutet sich dann schnell an, dass einige wichtige Zeugen nicht alles was sie wissen über den Verstorbenen preisgeben.

Verbrechen, Mord und Totschlag faszinieren die Menschen in der „Tatort“-Nation Deutschland ebenso wie in den „CSI“-Staaten jenseits des Atlantiks. Und auch das, was nach der Tat und den Ermittlungen kommt, stößt auf ein gewisses Interesse: Der Gerichtsprozess. Davon zeugt der nachmittägliche TV-Trash der Fernsehrichter ebenso wie die zahllosen Gerichts-Filme, die in regelmäßigen Abständen auch in den USA produziert werden. Daher ist es schwer, sich noch etwas wirklich Neues einfallen zu lassen, zumal mit „Die 12 Geschworenen“ ein Genre-Klassiker seit nunmehr über 60 Jahren immer noch unerreicht ist. Und so erfindet auch „The Whole Truth“ das Genre nicht gerade neu und setzt, wie etwa „Zwielicht“, vor allem auf den finalen Twist - ohne jedoch den Unterhaltungswert bis dahin aus den Augen zu verlieren.

Ähnlich wie bei ihrem gefeierten Regie-Debüt „Frozen River“ setzt Regisseurin Courtney Hunt auf einen gemächlichen Erzählstil, hält ihre Zuschauer aber während der überschaubaren Laufzeit von etwa eineinhalb Stunden durchweg bei Laune. Dazu tragen die Darsteller bei, der starke Keanu Reeves, der nicht nur deshalb einen glaubhaften Anwalt abgibt, weil ihm seine Anzüge so gut stehen, sondern auch, weil seine Erläuterungen zum Prozess fesseln, weil er mit seiner kaltschnäuzigen und professionellen Art - anders als in manch anderem seiner Filme - perfekt in die Rolle passt. Die anderen Darsteller, darunter Renee Zellweger, sind aber nicht minder überzeugend. Außerdem wirft Hunt gekonnt Fragen auf, präsentiert - wie der Anwalt im Film - einen Kriminalfall, dessen Auflösung zunächst auf der Hand zu liegen scheint, bis ernsthafte Zweifel aufkommen, Zeugen lügen und der Prozess schließlich auf den Kopf gestellt wird. Die finale Auflösung kommt überraschend, wenn auch ein bisschen konstruiert daher, rundet einen ordentlichen Thriller aber gelungen ab.

Fazit:
„The Whole Truth“ erfindet das Rad nicht neu, ist jedoch ein ordentlicher Justizthriller, gemächlich, aber doch mitreißend erzählt und gut gespielt.

65 %

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