Review

kurz angerissen*

Sieg oder Niederlage, Wahrheit oder Lüge, Recht oder Unrecht... der Gerichtsfilm teilt mit dem Sportfilm das Schicksal, immer auf genau eine von zwei möglichen Auflösungen zusteuert, weshalb er sich zunehmend um die Graustufen bemüht. Das können Unentschieden oder moralische Siege sein, die ihrerseits durch übermäßigen Gebrauch zum Klischee werden, oder, in diesem Fall, das Doyle'sche Spiel mit Verdachtsmomenten: Wer ist der Killer und was ist sein Motiv?

„The Whole Truth“ treibt dieses Spiel auf die Spitze, indem es eine zerrüttete Vorgeschichte zum verhandelten Fall präsentiert, die durch unterschiedliche Perspektiven nur noch gefühlte Wahrheiten zulässt. Um Verwirrung ins Whodunit zu streuen, werden nicht nur Fakten bebildert, sondern in Abwesenheit von Zeugen oder Anwesenheit nicht vertrauenswürdiger Zeugen auch Lügengebilde.

Ein gewisser Unterhaltungsfaktor ist durch das Zusammensetzen des Flashback-Puzzles inklusive fauler Puzzleteile gegeben, sonderlich raffiniert geht das Drehbuch allerdings nicht vor; als die Auflösung schließlich präsentiert wird, kann man zwar von einer unerwarteten Wendung sprechen, weil sie viele Züge vergangener Gerichtsfilme für eine neuartig erscheinende Variante meidet, im Resümee wirkt sie allerdings doch wieder bequem und einfach. Reeves, der kurzfristig den abgesprungenen Daniel Craig ersetzte, passt ebenso wie die nicht wiederzuerkennende Renée Zellweger mit seiner vollen Blässe in das unterkühlte Drama, das weder packt noch fordert, aber immerhin nicht langweilt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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