Ich möchte mich gar nicht daran aufhalten, wie altbacken die Ansichten mancher in diesem Film wirken mögen, da ich mir leider nur allzu gut vorstellen kann, dass es im zunehmenden Konservatismus wieder viele Familien und Kleinstädte gibt, wo das auch heute noch so ist, wie in diesem Film.
Schlimmer als die Dialoge, als der Schmalz, der Pathos und die liegen gelassenen Chancen, das alles mit einer guten Prise Humor zu retten ist die Tatsache, dass der Film schlecht gecastet ist und die Regisseurin wenig Gefühl für das Zwischenmenschliche hat.
Zuerst das Grundproblem: Wie kann man auf die Idee kommen, für die lesbische Partnerin Rory Gilmore zu verpflichten? Der Film ist von 2015. So ziemlich jede Person, die diesen Film gesehen hat, wird die Gilmore Girls kennen mit Alexis Bledel, dem heterosexuellen amerikanischen Teenager schlechthin. Diese Person jetzt als lesbisches Loveinterest zu inszenieren ist schon gewagt — und geht komplett schief. Zwischen ihr und der Hauptdarstellerin Katherine Heigl ist null Chemie, null Anziehung. Die Szenen zwischen den beiden sehen im besten Fall eine wie in die Jahre gekommene Beziehung aus, die kurz vor dem Ende und nicht vor einer Hochzeit steht.
Es gibt den einen oder anderen pflichtschuldigen Kuss in diesem Film. Aber Berührungen? Blicke? Irgendwas, was auf richtig tiefe Zuneigung schließen lässt? Absolute Fehlanzeige.
Die Anfangsszene, in der wir Heigl und Bledel zum ersten Mal sehen, ist prototypisch für den ganzen Film: Sie sehen wirklich nur wie Mitbewohner aus — ohne jegliche Liebe oder Romantik. Und so kann ein Liebesdrama nicht funktionieren.