Review

kurz angerissen*

Alex Proyas' Menschen-und-Götter-Stück ist die Big-Budget-Posse des Jahres, darüber kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Protzend mit unfertig wirkenden Spezialeffekten entwirft der Regisseur von "The Crow" eine klinisch saubere CGI-Welt, der man es völlig verwehrt, den natürlichen Prozess des Verfalls und der Unordnung zu atmen. Als würden noch verschiedene Schichten fehlen, um die hohlen Körper aus dem Computer wie Dinge aus der echten Welt wirken zu lassen. Stehen Gott und Mensch in ihrer ungleichen Größe nebeneinander, sieht das folglich wie zusammenkopiert aus und bei weitem nicht so echt wie in Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie; verwandelt sich einer der Götter in eine andere Kreatur, schlägt die Transformation sogar den Albernheitsfaktor der "Transformers".Gerard Butler und Nikolaj Coster-Waldau bekriegen sich auf Schmierentheater-Niveau, lassen aber völlig vergessen, dass von Papier wegen eigentlich ein unscheinbarer junger Kerl die Hauptrolle ergattert hat, der dem Geschehen aber ebenso gut hätte fernbleiben können; tangiert hätte es die Charade nicht. Szenenmontagen wirken so ungeschickt, dass sie unangenehm sichtbar werden. Der Erzählrhythmus ist so holprig, dass man glaubt, ganze Szenen seien unter den Tisch gefallen. Was für eine beispiellose Geldverbrennung... "Gods Of Egypt" hat alle Häme der Welt verdient.

Nicht unerwähnt bleiben sollte aber, dass seine eklatanten Unzulänglichkeiten immerhin zu einem seltenen Sehgefühl führen. Trashfilme in dieser Budgetklasse sind praktisch ausgestorben, weil sich Risiken niemand leisten kann, doch in diesem schlummert echtes SchleFaZ-Potenzial. Die dümmlichen Konversationen und episodenartigen Monster- und Fallenaufkommen während der Odyssee von Menschlein und gehandicaptem Gott kann man in ähnlicher Form vielleicht noch in so manchem SciFi- oder Barbarenfantasy-B-Film der 80er finden, nicht aber mehr in der vermeintlich aufgeklärten Jetztzeit. So ungenießbar "Gods Of Egypt" nach normalen Filmmaßstäben auch sein mag – vielleicht sollte man trotzdem mal reinschauen, um für sich selbst herauszufinden, ob man mit letztgenannten Aspekten nicht doch etwas anfangen kann.

*weitere Informationen: siehe Profil

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