Dina (Julie Delpy) erklärt ihrem Sohn Remi (Keaton Nigel Cooke), dass es seinem Dackel beim Einschläfern gut geht, doch die Arzthelferin (Greta Gerwig) rettet das Tier, bevor sie mit einem alten Bekannten (Kieran Culkin) auf Reisen geht. Später spendet der Dackel einem erfolglosen Dozenten und Drehbuchautoren (Danny DeVito) und einer verbitterten Greisin (Ellen Burstyn) Trost…
Bereits in „Willkommen im Tollhaus“ (1995) und „Life during Wartime“ (2009) hatte Regisseur Todd Solondz (geb. 1959 Newark, New Jersey) einen bitterbösen, satirischen Blick auf das reale Amerika und vor allem die US-Mittelschicht geworfen. „Wiener Dog“ knüpft an diese Tradition an, so ist es auch kein Zufall, dass Solondz’ Figur Dawn Wiener aus „Willkommen im Tollhaus“ zurückkehrt, obwohl in „Palindrome“ (2004) ihre Beerdigung gezeigt wurde. Gespielt wird Dawn diesmal von Greta Gerwing („Frances Ha“ 2012, „Jackie“ 2016) und erlebt einen Ausflug ins Unbekannte mit ihrer Jugendliebe, einem meth-abhängigen Schläger (Kieran Culkin, „Igby“ 2012), an dessen Ende eine unglaublich rührende und warmherzige Szene steht, denn nur ein schwerbehindertes Paar bringt Solondz vor seiner spitzen Gesellschaftskritik in Sicherheit, schließlich hat man, um der lieben Gesundheit willen das Pärchen wie einen Hund behandelt. Dieses ist die 2. von insgesamt 4, nur in einem Fall miteinander verbundenen Episoden, zuvor hatte eine Mutter mit ihren gut gemeinten Plattitüden, die uns allen nur zu vertraut sind, den Trauer ihres Kindes um den Verlust des geliebten Tieres in schiere Verzweiflung verwandelt. Wieder eine starke Performance von Julie Delpy („Before Midnight“ 2013), wie auch von Danny DeVito („Schnappt Shorty“ 1995), dem viele Kritiker sein bestes Spiel seit Jahren bescheinigen, wenn er als gemobbter Loser seinem Dackel die Hauptrolle in einer verzweifelten Tat überträgt. Und im abschließenden Teil trägt der Hund den Namen „Tumor“ und wird vom erblindeten Frauchen gekrault, während ihr die innerlich zerrüttete Enkeltochter mal schnell 10.000 Dollar für ihren Performance-Künster-Freund aus den Rippen leiert. Die 83-jährige Ellen Burstyn („Alice lebt hier nicht mehr“ 1974) und die 28-jährige Zosia Mahmet („Girls“ TV 2012) liefern sich einen ergreifenden Dialog. Das Ende, wie vieles in einer langen Einstellung präsentiert, verdient seinen Namen, könnte aber viele Zuschauer verstören, wie auch der satirische Funke nicht bei jedermann überspringen mag. Eines ist Todd Solondz’ eher melancholisches als komisches Werk in jedem Fall: großes Schauspieler-Kino. (8/10)