Alive ist ein Psychothriller mit einigen Mystery Elementen angereichert. Basierend auf einer Comicvorlage, die meines Erachtens auch in weiten Teilen originalgetreu abgebildet wurde.
Hintergrund: Es wurden Rückstände von außerirdischem Leben aus einem abgestürztem UFO geborgen, dessen Besatzung allerdings schon tot war. Wie sich später herausstellen wird, handelt es sich um eine Art „Geist“ der sich nur auf Menschen mit Mordlust oder immensen Aggressionen ausbreiten kann. Dabei wandert dieser Parasit also immer vom Schwächeren (dem Getöteten) zum Stärkeren (dem Mörder) und verleiht dem Opfer übermenschliche Kräfte, zerstört aber nach und nach die ursprüngliche Persönlichkeit des Opfers.
Um die Bedingungen und Auswirkungen auf Psyche und Körper genau zu studieren, werden hier sprichwörtlich Laborratten in Streifenanzügen ausgewählt, sprich man bedient sich an Verbrechern, die eigentlich zum Tode verurteilt gewesen wären, da die ja nix mehr zu verlieren haben. Dabei halten sich die Wissenschaftler allerdings im Hintergrund, nur per Lautsprecher wird mit den Gefangenen kommuniziert. Alles in allem ist die Story recht ungewöhnlich, zumindest nicht als Hintergrund für einen typischen Popcornfilm passend, was ich aber durchaus als positiv auffasse.
Der Film erzählt vom Experiment selbst, an dem zwei Verbrecher teilnehmen: Ein introvertierter und mit Schuldgefühlen beladener Romantiker, der aus Eifersucht die Vergewaltiger seiner Freundin tötete, und ein gewissenloser und sadistisch veranlagter Gewaltverbrecher. Nach einigen Szenen wird schnell klar, warum die beiden in einem Raum stecken: Bei soviel potentieller Gewalt, war es nur eine Frage der Zeit, bis die beiden anfangen, sich die Köpfe einzuhauen. Eine sogenannte Hexe – in Wirklichkeit die Schwester einer der Wissenschaftlerinnen – sorgt durch sorgfältiges Gegeneinander-ausspielen für die Beschleunigung der unvermeidlichen Konsequenzen.
Die Kamera ist flott, stimmungsvoll und sehr hübsch geschnitten. Dem düstere Soundtrack hapert es allerdings ein wenig an Wiedererkennungswert, jedoch ist er zu keiner Zeit unpassend oder nervig. Die Effekte sind gut bis überdurchschnittlich. Zwar strotzt der Film nicht vor Actioneinlagen, da er sich mehr der Stimmung als der Actions als Stilmittel bedient.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchaus überdurchschnittlich – zumindest gilt das für die beiden Hauptdarsteller. Aber leider wurde hier wenig Wert auf eine tiefere Ausarbeitung der Charaktere genommen, was aber beim Original genauso war.
Alles in allem ist dies ein überdurchschnittlich guter Psychothriller, der 90% aller amerikanischen Veröffentlichungen der letzten Jahre locker das Wasser reichen kann. Nichts für Leute, die Explosionen und Geballere mit Unendlichmunition erwarten, aber für Freunde des subtilen Psycho-Horrors fast schon ein Klassiker.
Leider gab es zeitweise einige Längen, die dem Film ein wenig an Spannung stehlen. Allerdings halten sich diese Szenen in Grenzen.
Insgesamt locker 8 von 10 Punkte wert.