Nachdem Tenshu den elektrischen Stuhl überlebt, wird er vor die Wahl gestellt, ob er sich der Prozedur nochmal stellen möchte oder etwas vermeintlich noch Schlimmeres vorzieht. Er entscheidet sich für das zweite. Zusammen mit einem anderen, der sein Schicksal offenbar teilt, wird er jetzt als Versuchskaninchen in einem Raum gehalten - und zwar anfangs gar nicht mal unkomfortabel. Nach ein paar Tagen dann wird den beiden Häftlingen ein scharfes, aber irgendwie seltsames Mädel hinter einer Glaswand präsentiert. Was sie nicht wissen: Sie trägt ein Isomer (schon ein bisschen hirnrissig, aber was solls...) in sich, welches aus Menschen willenlose Superkämpfer machen soll. Daraufhin tötet Tenshu aus persönlichen Gründen seinen Leidensgenossen und bekommt das Isomer.
Die Story klingt etwas abgedreht, bleibt aber im Gegensatz zu "Versus" anfangs ziemlich bodenständig. Die erste Hälfte wird stark von einer zwielichtigen Ruhe geprägt. Die Charaktere werden eher zurückhaltend eingeführt; der Film legt mehr Wert auf Atmosphäre und coole Dialoge. Die typischen Kamerafahrten Kitamuras dürfen dabei selbstverständlich nicht fehlen.
Erst nach und nach wird der Film in seiner Spannung konkreter und vergisst dabei nicht, Tenshus Charakter zu Ende aufzuschlüsseln. Die Rückblenden in seine Vergangenheit ergründen zwar seine Motive, schaden aber der aufkommenden Spannung durch ihre zähe Konsistenz. Obwohl zwischen dem von Ryo gespielten scharfen Mädel und Tenshu eine ordentliche Spannung besteht, wirkt der Film hier unnötig in die Länge gezogen.
Da aber an jener Stelle die Handlung vollends auf zwei Ebenen stattfindet, den Versuchsobjekten und den Beobachtern, und sich bei beiden die Lage zuspitzt, kriegt der Film doch noch seine Kurve. Denn ab hier wird der Film actionreicher und brutaler.
Die Actionsequenzen sind durchaus ansehnlich, bleiben aber von der Perfektion eines "Versus" entfehrt. Das Auftreten von Tak Sakaguchi wird durchaus cool aufgeführt, der eigentliche Kampf zwischen ihm und dem Protagonisten leidet dann aber unter den Computereffekten. Lustigerweise schien es auch niemanden am Set gestört zu haben, dass der Muskel- und Narbengummianzug von Tak schon mal Falten schlägt.
Insgesamt ist "Alive" ein wirklich gelungener Streifen, bei dem Ryuhei Kitamura um einiges ruhiger anfängt als bei seinem berüchtigten Zombiefilm. Coole, interessante Charaktere, hübsche Mädels und am Ende ordentliche Action sind Garant für gehobene Unterhaltung und entschädigen für die etwas misslungenen Rückblenden.