Regisseurin Kelly Reichardt steht für leise Töne und starke Frauenfiguren. Wenn dann noch Namen wie Kristen Stewart und Michelle Williams auftauchen und die Tendenz der Kritiken deutlich positiv ausfällt, steht einer Sichtung ihres Dramas nichts im Wege. Wenn es denn nur etwas zu erzählen gäbe.
In drei Episoden, angesiedelt in der Gegend von Montana, erzählt Reichardt die Geschichte einer Anwältin (Laura Dern), die von einem Klienten genervt ist, welcher in verzweifelter Situation eine Geisel nimmt. Im Mittelpart versucht eine Mutter (Michelle Williams) im Zuge des anstehenden Eigenheims, einem alten Mann ebenso alte Sandsteine abzuluchsen. In der finalen Geschichte gerät eine Pferdepflegerin (Lily Gladstone) in einen Abendkurs der Dozentin und Juristin Beth (Kristen Stewart) und entwickelt Gefühle für diese.
Tja, die leisen Töne. Bestes Beispiel hierfür ist die finale Geschichte, welche zumindest noch in Ansätzen eine Pointe liefert und so etwas wie emotionale Spitzen durchschimmern lässt, als die namenlose Pferdepflegerin voller Glücksseligkeit auf dem Pferd reitet, - mit Beth hinten drauf, welche viel zu müde und desinteressiert ist, um die Gefühlswelt der Farmerin wahrzunehmen. Dem Titel gemäß sind dies jedoch keine spezielle Frauenfiguren, es sind alltägliche Damen mit alltäglichen Problemen. Zwischen Einsamkeit, Frustration, Isolation und Sehnsucht mit mehr oder minder austauschbaren Herausforderungen konfrontiert.
So etwas könnte man natürlich dennoch spannend gestalten, doch daran ist Reichardt kein Stück interessiert. Selbst die Geiselnahme läuft geradezu beiläufig ab. Und genauso mangelt es den drei Geschichten an einer Verbindung, denn bis auf ein Fremdgehen und zweimal eine Kanzlei ist außer der Umgebung kein roter Faden erkennbar.
Am schlimmsten ist jedoch diese Vehemenz das Nichtssagende dermaßen auszuwalzen, denn der Alltag der Pferdepflegerin füllt etwa die Hälfte der Episodenlaufzeit und der kommt beinahe dokumentarisch rüber: Sachlich, in langen Einstellungen, ohne Score und ohne Worte.
Wer in alledem Tiefgang oder gar Emotionen entdeckt, (vielleicht bis auf einen Zwiespalt infolge eines nicht erwiderten Winkens), mag sich glücklich schätzen, wer indes etwas Handfestes mit Aussage oder zumindest eine ansprechende Handlung sucht, wird hier definitiv nicht fündig werden. Aufgrund der melancholischen Grundstimmung und der guten bis sehr guten Mimen noch knapp
4 von 10