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Vier Touristen stolpern im paradiesischen, aber gefahrenreichen Belize von einer dummen Situation in die nächste. Bedingt durch Zufälle und eigene Dummheiten reitet man sich immer tiefer rein, und das, wo der Flieger heimwärts doch eigentlich so nah ist… ein Konzept, das in der britischen Originalserie immerhin seit vier Staffeln funktioniert, wurde im US-Remake der Amazon Studios auf eine abgeschlossene Staffel mit 10 Folgen begrenzt. Angenehm, in dem Überangebot an hochkarätigen Serien eine zu finden, die man auch einfach mal nebenbei wegsnacken kann.

Stark besetzt mit Steve Zahn, Michael Imperioli, Romany Malco und dem schon im Original (in anderer Rolle) auftretenden Ben Chaplin, funktioniert „Mad Dogs“ vornehmlich über die eigentümliche Dynamik zwischen den vier (vermeintlichen?) alten Freunden, die auf dem schönen Fleck Erde in Mittelamerika einen weiteren alten Freund (Billy Zane) besuchen und nach und nach in eine Bredouille mit fortwährender Abwärtsspirale geraten.

Um zu verdeutlichen, wie nah Normalität und Wahnsinn zusammenstehen, eröffnet man mit einer aus dem Zusammenhang gerissenen Sequenz, die suggeriert, dass alle Vier letzterem erlegen sind: Grellweiß geschminkt und mit bunter Kleidung geschmückt, sprinten sie Jagdrufe jauchzend, Macheten schwingend und Pistolen zückend wie Wilde durchs kniehohe Gras. Ein Moment, der in der Mitte der Handlung dann wieder aufgegriffen wird und letztlich nur ein Pigment aus einem ganzen Panoptikum von Verrücktheiten wiedergibt, die durchlaufen werden.

Die Ereignisabfolgen werden vielleicht etwas zu episodisch abgespult und vermitteln so den Eindruck von Beliebigkeit; nach dem bereits temporeichen Piloten und einigen ersten What-The-Fucks fragt man sich bereits, was denn bis zur Aufklärung der ersten Missverständnisse alles noch passieren muss, um weitere neun Episoden zu füllen. Die Drehbuchautoren generieren nachfolgend eine Kettenreaktion, die immer neue Personen in die Handlung verwickelt und vermeintliche Haupt-Antagonisten zu bloßen Mittätern degradiert, um einen noch größeren Fisch aus dem Hut zu zaubern.

Sehenswert wird die Miniserie in erster Linie durch die dummen Blicke, mit denen das Hauptdarsteller-Quartett die Entwicklungen ihres Urlaubs quittiert. Insbesondere ein Steve Zahn ist mit seiner sehr typischen Art Gold wert und stellt nach „Treme“ (und dem Vernehmen nach „Mindgames“) unter Beweis, dass man Typen wie ihn einfach braucht. Als Fixpunkt ist er stark beteiligt an den Reaktionen der anderen drei, wobei Imperioli meist den Malträtierten spielt, Malco den Panischen und Chaplin den Grummelnden. Doch verbleiben die Schauspieler nicht in ihren Tendenzen und sorgen durchaus mal für Verhaltensüberraschungen, von denen der Storyverlauf auch ganz entscheidend abhängig ist, weil ihr Agieren einen direkten Einfluss darauf hat, was als nächstes geschieht.

Der Ton pendelt zwischen Verzweiflung und Galgenhumor, mit denen die Hochs und Tiefs angemessen vergolten werden. Manchmal hält die Serie mit ihrem insgesamt schnellen Erzähltempo sogar inne und nimmt sich Zeit für eine mythologische Ausleuchtung der Szenerie, wenn etwa das Auftauchen eines Tapirs aus dem Gebüsch oder ein ominöser Ziegenhirte wie ein seltsamer Fiebertraum erscheinen, mal ganz abgesehen von einer geisterhaften Gestalt, die in einem weiß leuchtenden Kleid durch Belizes Wälder streift.

Wer dummes Verhalten auf dem Bildschirm jedoch nicht ertragen kann, wird mit „Mad Dogs“ keine schöne Zeit haben, denn ein solches prägt jede Entscheidung, die in diesen zehn Episoden gefällt werden und natürlich auch so manche Leiche hinterlassen. Doch es ist dummes Verhalten von der Art, das einen erlösenden Charakter gewinnen kann, wenn man den armen Tropfen nur lange genug zuschaut.

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