Der Amerikaner Justin M. Seaman, nach eigenem Bekunden schon immer ein Riesenfan der 80er-Jahre-Slasher, konnte sich mittels Crowd-Funding endlich seinen größten Traum erfüllen: einen eigenen Film im Stil dieser Epoche, mit all den damaligen Attributen wie feierwilligen Jugendlichen, Bösewichten in finsterer Nacht, handgemachten Metzelszenen aber auch blödsinnigen Dialogen und kaum ausgefeilten Plots. Herausgekommen ist dann The Barn, der in einer Halloween-Nacht spielt und sich selbst als eine Art Geheimtip für 80er-Jahre-Slasher-Fans apostrophiert. Leider ist das Ergebnis, verglichen mit der Euphorie, mit der an die Realisierung herangetreten wurde, im selben Maße schwach ausgefallen...
In der Halloween-Nacht 1989 erschrecken die Schulfreunde Sam und Josh ihre Mitschüler und die Lehrerin vorzugsweise mit Gruselmasken und vermeintlich flotten Sprüchen, was bei den Erschreckten nicht gerade große Begeisterung auszulösen vermag - doch Sam, der hier offenbar das Alter Ego des Regisseurs Justin M. Seaman darstellt - ist trotz seiner 19 Jahre ein derartiger Halloween-Nerd, daß er sich sogar eigene Regeln für die Kürbisnacht ausgedacht hat, womit er allerdings selbst seinen Freunden auf den Senkel geht. Nachdem Tickets für ein Halloween-Konzert in einer entfernten Stadt gekauft wurden, machen sich Sam, Josh und ein paar Freunde per Auto auf den Weg dorthin. Bei einem Halt unterwegs entdecken sie eine alte rote Scheune, in die sie neugierig reinschauen und dabei dummerweise drei Dämonen zum Leben erwecken. Einer von ihnen bleibt vor Ort, während die anderen in der benachbarten Kleinstadt noch einen Sack voll "Süßes oder Saures" ergattern wollen. Doch die drei Dämonen (Boogeyman, Kürbismann und eine Vogelscheuche) sind ebenfalls am Weg dorthin, nachdem sie den ersten der Freunde bereits verhackstückt haben...
Leider ist das auch schon der halbe Inhalt des Films, denn mehr als daß die drei Halloween-Monster jetzt alle feiernden Leute niedermetzeln, passiert tatsächlich nicht. Dabei folgt The Barn auch hier den bekannten Genre-Regeln: Die Hauptdarsteller Sam und Josh erwischt es nicht, die bleiben bis zum Schluß. Ihr schwarzer Freund, der allein in der Scheune warten wollte, ist aber selbstverständlich als erster dran. Das Pärchen, das sich für eine Nummer in ein Zelt zurückzieht, ist als nächstes an der Reihe - im Gegensatz dazu darf Sams Freundin, die noch nichts mit ihm hatte, natürlich am Leben bleiben. Gegen die drei Monster kann man sich nicht wehren, sie sind allen überlegen - sie halten sich allerdings merkwürdigerweise an die "Regeln", die Sam aufgestellt hat - z.B. werden maskierte Halloween-Feiernde verschont. Woher die Dämonen kommen und wieso überhaupt, interessiert keinen, am wenigsten den Regisseur. Der läßt sie immerhin (in der Eingangsszene) 30 Jahre zuvor, 1959, erstmals auftreten, als ein neugieriges kleines Mädchen eine Hacke in den Kopf bekommt.
Damit wären wir schon beim Gore-Gehalt, dem das Genre seinerzeit einen Großteil der Fans verdankte, und hier gibt es erfreulicherweise viel Handgemachtes zu sehen, zwischen abgetrennten Köpfen, aufgeschlitzten Kehlen, einem abgehackten Arm und herausgezogenem Gedärm spritzt das Blut, daß es nur so eine Freude ist, freilich viel zu viel, um Beklemmung auszulösen, aber Spannung oder Grusel sind in The Barn ohnehin eher Fremdworte. Ganz auf Computer-Tricksereien wollte Seaman dann aber doch nicht verzichten, und so muß man manchmal - deutlich als solche erkennbar - nachträglich eingefügte Lichtblitze in den Monsteraugen wahrnehmen: ein die Retro-Atmosphäre deutlich störender Umstand, auf den man gerne verzichtet hätte.
Ganz ordentlich dann wiederum auch der Score, der weitgehend von stampfendem Rock (eine Live-Band bieten sie auch auf) getragen wird und ab und zu auch mit zeitgenössischen Synthesizer-Tönen aufwartet. Von der Machart her, und hier sind Kameraführung und Schnitt gemeint, bemüht sich The Barn durchaus erfolgreich, das Erscheinungsbild eines typischen 80er-Jahre-Slashers zu imitieren, doch hier enden die Positiva, denn statt diese Hommage mit einem ausgefeilten Drehbuch oder wenigstens ein paar originellen Ideen zu verfeinern, läuft die ganze Geschichte stur nach Schema F ab. Dazu kommen horribel schlechte Darsteller, die einen von Anfang an aufgrund ihrer Schnarchnasigkeit völlig kalt lassen: kein einziger dieser offenbar kurz vor Drehbeginn auf der Straße eingefangenen Hilfswilligen beweist auch nur ein Fünkchen Talent, und es spricht Bände, daß der Regisseur selbst - mangels Komparsen - in eines der Monster-Kostüme schlüpfen mußte...
Wer auf die knapp 35 Jahre alten Genre-Ikonen steht, die The Barn als Vorbild dienten, ist mit dieser 2016er-Hommage ... eigentlich immer noch schlecht bedient, kann man sich das gewünschte Retro-Feeling doch viel einfacher (und wirkungsvoller) mittels wiederholter Sichtung der Originale verschaffen. 3,51 Punkte, und die ausschließlich für das handgemachte Gekröse.