Review

Ach ja, lang ist´s her mit der Abi-Feier. „Die Nacht der Nächte“ fand bei mir 1993 auf einem Bauernhof statt und verlief nicht ganz so ausufernd wie bei diesem Film. Aber annähernd.

„School´s Out“ bietet eine höchst amüsante Bestandsaufnahme einer ausufernden Abschlussfeier. Bei dem bunten Potpourri an Schulabgängern wird sich der ein oder andere Zuschauer möglicherweise wieder erkennen, an authentisch agierenden Figuren mangelt es wahrlich nicht.

Geschildert wird die Chose aus der Sicht des Schülers Nicolaus Techner, genannt Tex, Leadsänger der Schulband „Slow Fuck“.
Und dem könnte es nach bestandener Prüfung eigentlich gut gehen, würden sich nicht so kleine Problemchen einstellen: Das feierliche Verbrennen der alten Schulbücher führt zum Abfackeln des halben Elternhauses, dazu ist er noch unglücklich in die größte Schlampe der Schule verliebt und ein Angebot vom Plattenboss lockt auch noch - allerdings gilt das nicht für seine Bandmitglieder und Freunde, was zu weiteren Komplikationen führt.

Freundschaft und Liebe, Romantik und Intrigen bestimmen die gut inszenierte Abschlussfeier, die vor allem aufgrund authentischer Figuren überzeugt. Keine Stereotypen, sondern Personen wie du und ich regen zum Schmunzeln und zum Nachdenken an. Die Dialoge wirken in keiner Weise aufgesetzt oder gar auswendig gelernt, sondern dem Zuschauer wird durch scheinbare Improvisation ein Gefühl von Realitätsnähe vermittelt.
Für die meisten Abiturienten ist es die letzte Chance, sich der geheimen Liebe zu offenbaren, was natürlich weitere Turbulenzen mit sich bringt, da so manche(r) bis dato noch nichts von seinem Glück wusste. Da ziehen sich Gegensätze oft magisch an oder aus…
Unterstützt wird das muntere Treiben von zumeist rockigen Tracks, die stets gut platziert sind.
Neben bekannteren Songs darf auch die Schulband eine Probe ihres Könnens in der Aula demonstrieren, - typischer Schülerrock, aber nicht schlecht.

Und wenn die Feier gegen Ende eskaliert, weil alle irgendwie dicht sind und die angemietete Disco überschwemmt und auseinander genommen wird, fühlt man sich erschreckenderweise wieder an die eigene Abschlussfeier erinnert („Ja, sischer, kotz du misch einfach im Wagen…“).
Wäre ich nicht zu alt für diesen Humbug, würde ich ihn glatt noch mal mitmachen…
8 von 10 Punkten

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