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Wenn man einen Home-Invasion-Film „Home Invasion“ betitelt, dann spricht das nicht unbedingt für große Kreativität. David Tennants 2016er Streich ist nicht der erste, der dies tut, aber ein guter Beweis für diese These.
Immerhin kommt „Home Invasion“ schnell zur Sache: Ein einsames Haus im Nirgendwo, auf einer abgeschiedenen Insel, die man nur über eine Brücke erreicht. Hier leben Chloe (Natasha Henstridge) und ihr Stiefsohn Jacob (William Dickson), während der Ehemann außer Haus ist. Zu Besuch ist auch noch Freundin Alice (Johannah Newmarch), die aber flugs von einem Räubertrio abgeknallt wird, welches das Haus stürmt und vorher einen vierten Mann absetzte, der die Kontrolle über die Brücke übernimmt und die Insel somit vom Rest der Welt abschottet. Das gewinnt alles keine Innovationspreise, wird aber zackig vorangetrieben, sodass der noch nicht einmal 90 Minuten lange Film schnell loslegen kann.
Chloe und Jacob verstecken sich vor den Schurken, die von Heflin (Scott Adkins) angeführt werden. Sie wählen die Nummer der Sicherheitszentrale, wo Mike (Jason Patric) abnimmt und zumindest via Kameraüberwachung und Hausfernsteuerung Schützenhilfe geben kann. Doch die brutalen Eindringlinge sind vor Ort, er nicht…

Man merkt die Inspiration durch bekannte Vorbilder, allen voran „The Call“, aus dem die Prämisse mit der Fernhilfe stammt. Der andere große Vorläufer ist „Panic Room“, denn auch hier sind die Hausbewohner mehr im Weg der Täter als eigentlich Opfer. Doch wo die Heldin und ihr Kind in dem Fincher-Thriller sich eben genau in dem Panikraum verschanzten, in den die Gangster eindringen wollten, ist es hier ein schnöder Tresor im Haus, nach dem die Schurken suchen. Dementsprechend sind Mutter und Stiefsohn nie komplett unter Druck, da sie den Bösewichten zwar schon irgendwie im Weg sind, die aber besseres zu tun haben und sie nicht so aktiv jagen. Das liegt vor allem am schlampigen Drehbuch, in dem alle drei Parteien (Heiminvasoren, Bewohner, Notrufzentrale) so aneinander vorbei agieren, dass man fast den Eindruck hat sie spielten in drei verschiedenen Filmen mit, die sich nur sporadisch berühren.
Schlimmer noch sind alle die Blödheiten und logischen Patzer, die sich der Film erlaubt: Wer schon bei dem Wahlberg-Thriller „Fear“ johlte, wenn ein Dreikäsehoch, der kaum übers Lenkrad gucken konnte, die Karre startete und einen Villain überfuhr, der wird sich hier bepissen vor Lachen, wenn Junior nach einer ähnlichen Aktion noch munter und fehlerfrei die Auffahrt hinauf und zum Tor hinaus fährt. Dazu kommen Logikfehler und dumme Verhaltensweisen noch und nöcher, etwa wenn sich die Opfer zum „Verstecken“ einfach nur an eine Wand kauern (während die Täter mit Taschenlampen das Haus durchsuchen) oder *SPOILER* Heflin seinen Safeknacker abknallt, weil er darauf baut, dass Chloe den Code für den Safe hat. Wäre doof für ihn, wenn er sich irrt. *SPOILER* Aber von solchen Haarerauf-Momenten abgesehen ist „Home Invasion“ auch noch mit einem billigen TV-Look gestraft, der sich an das Nullniveau des Drehbuchs anpasst.

Dementsprechend unspannend ist das Ganze auch, zumal es haufenweise Füllszenen gibt, etwa wenn man den Einbrechern minutenlang bei der Suche nach dem Tresor in dem Haus zusieht – und das bei der bereits erwähnten Kürze des Films. Alle angerissenen Subplots, etwa um das Verhältnis von Chloe und Jacob oder eventuelle Geheimnisse des abwesenden Ehemannes, versanden zwischendurch. Da ist es schon bezeichnend, dass die aufregendste Szene eine Ballerei ist, die kaum zum Rest vom Film passt, aber wenigstens mal kurz Leben in die Schnarchebunde bringt.
Scott Adkins geht als Schurke in Ordnung, wird aber kaum gefordert und darf viel zu selten fies sein, Natasha Henstridge und Jason Patric in den nominell tragenden Hauptrollen des Films sind eher solala, was den Zuschauer leider auch nicht wirklich für die Hauptfiguren einnimmt und weiter Spannung killt. Der Rest der Darsteller ist noch eine Stufe drunter und ähnlich vergessenswert wie das Script.

Fans von Scott Adkins, Natasha Henstridge oder Jason Patric können sich „Home Invasion“ aus Komplettismusgründen sicher ansehen, allen anderen kann man eigentlich eher abraten: Unlogisch, doof und mit lästigen Füllszenen auf Spielfilmlänge gestreckt. Wenn einem die Protagonisten eines Home-Invasion-Films am Popo vorbeigehen und noch dazu eher sporadisch in Gefahr geraten, dann verkennt man einfach die Konventionen des Genres.

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