Mia Wasikowska spielt erneut Alice Kingsleigh, die nach einigen Jahren als Kapitän auf See nach London zurückkehrt. Nach dem Willen ihrer Mutter, die das Schiff der Tochter verpfändet hat, soll sie nicht mehr die Weltmeere bereisen, weil sich das für eine Frau nicht gehört. Aus dieser Tristesse bricht Alice aus, als sie durch einen Spiegel zurück in das Reich Unterland reist, wo sie auf einen verstörten Hutmacher, gespielt von Johnny Depp, trifft, der schmerzlich an den Tod seiner Familie erinnert wurde. Während das Leben aus dem Hutmacher weicht, trifft Alice die Zeit, gespielt von Sascha Baron Cohen, um mit ihrer Hilfe die Vergangenheit zu verändern, die Familie des Hutmachers zu beschützen und diesen somit zu retten.
Mit einem solchen Absturz hatte wohl niemand gerechnet: Hatte „Alice im Wunderland“ unter Regie von Tim Burton noch über eine Milliarde Dollar eingespielt, erreichte das von Burton nunmehr produzierte Sequel nicht einmal ein Drittel dieses Einspielergebnisses. Dabei hat sich wenig geändert: Auch der zweite Teil basiert auf einem Roman von Lewis Carroll, der Cast ist quasi identisch, nur der Regisseur ist mit dem „Muppets“-Macher James Bobin neu von der Partie. Der finanzielle Einbruch könnte auf den seit 2010 deutlich zurückgegangenen 3D-Hype zurückzuführen sein, auf die schlechte Vermarktung oder -schlicht und einfach- auf die deutlich niedrigere Qualität des Films.
Zwar wurde auch Tim Burton vorgeworfen, auf zu viel vordergründigen CGI-Bombast zu setzen, was sicherlich nicht ganz unbegründet ist. Doch Bobin überspannt den Bogen eindeutig, liefert einen Film, der vor Computereffekten und Make-Up nur so überkocht. Vielleicht stört man sich diesmal auch deshalb stärker an diesen Schwächen, weil sich beim Sequel erste Verschleißerscheinungen einstellen, weil Burton noch in eine aus den Romanen zwar bekannte, in diesem Stil jedoch noch nicht gesehen Welt entführte, die Bobin hier lediglich aufwärmt und um die zeitliche Komponente erweitert. Die lässt den Film jedoch eher noch überhasteter und etwas konfus erscheinen. Der holprige Erzählstil trägt sein Übriges dazu bei, dass „Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln“ zwar wie im Flug vergeht, dabei jedoch kaum unterhält und überhaupt keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Visuell macht Bobins Film trotz aller Überfrachtung aber doch einiges her und auch die Darsteller, allen voran Hauptdarstellerin Mia Wasikowska und Sascha Baron Cohen als die Zeit, wissen durchaus zu gefallen, wenngleich Johnny Depp als Hutmacher auf einem schmalen Grat zwischen durchaus willkommener Skurrilität und nervigem Overacting wandelt. Doch es bleibt bei guten Ansätzen. Passend dazu, werden auch die durchaus reizvollen Aspekte der Zeitreisethematik überhaupt nicht vertieft. Stattdessen packt Bobin am Ende den moralischen Dampfhammer aus, beschwört Werte wie Ehrlichkeit, Loyalität, Selbstverwirklichung und in einem unerträglich kitschigen Abgang auch den der Familie.
Fazit:
„Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln“ ist inhaltlich eine Enttäuschung, während auf inszenatorischer Ebene Tim Burtons Ansatz aus dem Vorgängerfilm lediglich aufgewärmt wird. Der gehetzte Film ist zwar nicht allzu langweilig, aber bereits beim Abspann in Sekundenschnelle verdrängt.
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