Klar, doofe Jugendliche mit Spatzenhirn kann man nicht genug über die Klinge hüpfen sehen, also ab in die Waldhütte mit ihnen und dafür gesorgt, dass sie nie wieder in die Zivilisation zurückkehren. Aber musste man zu diesem Zweck jetzt unbedingt Eli Roths gerade mal 14 Jahre altes (und sogar noch viel jünger erscheinendes) Regiedebüt neu auflegen? Ist dessen Haltbarkeitsdatum tatsächlich schon wieder abgelaufen?
Eigentlich ist die Frage zu verneinen, denn in Vergessenheit geraten ist "Cabin Fever" nicht, oder wenigstens nicht seine Schlüsselbilder. Die Phantombilder sich schälender Haut und weggefaulter Unterkiefer konnten nur deswegen ins Lexikon der Horrorfilmimpressionen eingehen, weil Roth das Backwood-Sujet eben nicht mit Degenerierten oder geistig minderbemittelten Serienkillern anreicherte, sondern mit einer unsichtbaren Gefahr, um diese ausgerechnet mit exploitativer Methodik zu bebildern – eine eigentlich unvereinbare Kombination, die auf ihre seltsame Art aber funktionierte.
Dass der Regisseur des Originals im Remake als ausführender Produzent in Erscheinung tritt, ist die gewohnte Realsatire vieler Schnellschuss-Remakes, wie man sie eigentlich jedoch eher von asiatischen Kassenerfolgen kennt, die mit dem Originalstamm für den US-Markt noch einmal neu verfilmt werden. Travis Zariwny, der sich selbst als "Travis Z" gleich mal im Vorspann selbst inszeniert, dreht aber... für wen eigentlich? Als 1:1-Neuauflage, die das gleiche Drehbuch als Vorlage verwendet wie der Ur-Film, weckt "Cabin Fever: The New Outbreak" unliebsame Erinnerungen an längst vergessene Remakes der Marke "The Fog" (2005), die nichts als überschüssiges Zelluloid zur Filmgeschichte beitrugen.
Mr. Z macht also alles nach, was Roth auch machte, nur stets schlechter. Die (natürlich durchweg unsympathischen) Darsteller brauchen eine halbe Ewigkeit, um überhaupt im Film anzukommen. Bis dahin tragen sie ihre dümmlichen Dialoge mit dem Verve eines Vorsprechens vor und lassen den Zuschauer dank ihrer Unnatürlichkeit spüren, dass ein ganzes Filmset mit ihnen vor Ort steht und alles aufnimmt. Verlegene Pausen entstehen jedes Mal, ehe ein unbeholfener Schnitt gesetzt wird. Schnell entsteht der Eindruck, dass the "Z" bei der Schauspielführung wie auch beim Abpausen dezent überfordert ist.
Um hin und wieder doch ein wenig zu alternieren, weil ihm die 1:1-Methode vielleicht nicht ganz so geheuer ist, wechselt er also bei Deputy Winston, im Original ein jungenhafter, partygeiler Stoner-Typ mit Macho-Allüren, einfach mal das Geschlecht – und behält im Sinne der Gleichberechtigung ansonsten alle Charaktereigenschaften bei, was Louise Linton in eine grauenvolle Parodie zwingt, die in etwa den satirischen Gehalt einer beliebigen "Date Movie"-Figur aufbringt.Schwer, sich das ohne abfälligen Gesichtsausdruck anzusehen.
Ansonsten versucht Z vor allem mit Sex zu punkten. Gepimpert wird kreuz und quer, insbesondere Nadine Crocker soll immer mal wieder ihre Hupen ins Bild rücken. Suspense reichert er durch diese offenherzige Verteilung von Körperflüssigkeiten jedoch nicht an, weil man ohnehin recht schnell annimmt, dass alles und jeder infiziert ist, da noch unzählige weitere Verseuchungsgefahren aufgefahren werden (inklusive eines bissigen Hinterwäldlerkindes mit verstörend gemeinter Post-Donnie-Darko-Hasenmaske). Als später einer der Hüttenbewohner auf die Quelle der Verseuchung stößt, hat Z die "Überraschung" ohnehin bereits mit unzähligen Close Ups auf Wassergläser und dergleichen vorweggenommen und der Warnschrei kommt reichlich spät, da zu diesem Zeitpunkt sowieso bereits alles den Bach runter ist.
Wenigstens in Sachen Gore und Ekelfaktor hätte man von einem Remake eine Steigerung erwartet (gerade nach dem recht ekligen zweiten Teil und einer gewissen Szene aus dem dritten), doch selbst hier bleibt das Remake hinter seiner Vorlage zurück – trotz Resident-Evil-Hund. Dabei wäre die Ausschlachtung der Visualisierung fleischfressender Bakterien sehr wohl steigerungsfähig gewesen.
Immerhin ist "Cabin Fever" anno 2016 somit einfach zu kategorisieren: Mülltonne.