Review

In spätestens einer Stunde geh ich ins Bett!
Na, das ist schon fast ausreichend Zeit, sich an dem einen oder anderen Cheapo-Chiller zu erfreuen, die irgendwann zwischen 1930 und 1970 auf den Markt gekübelt worden sind.
„Das Geheimnis des schreienden Schädels“ ist so einer dieser horrorparfümierten Reißer, die aus heutiger Sicht schwer nach „Die drei Fragezeichen“ klingen und offensichtlich mit einem kleinen William Castle in der Hosentasche entworfen wurden, denn bevor der Film durchstartet, gibt es erst einmal eine kleine Warnung mit Sarkophag, Schleife und dem Hinweis, dass man bei chronischer Nervosität durchaus im Filmfinale den Löffel schmeißen könnte.
Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht (hust, hust!)

Nachdem jetzt sicher alle die IMDB geöffnet haben, höre ich schon die Fragen: nur fünf Darsteller?
Ja, ist richtig, nur fünf Darsteller, das Protagonistenpärchen, ein befreundetes Paar (der Mann ein Priester) und ein mental gehandicapter Landschaftsgärtner, den im Hochgefühl der Kostenersparnis der Regisseur gleich selbst gibt.

Bei dieser Figurenkonstellation gibt es nur zwei Möglichkeiten für einen Plot, der sich um den Bezug eines neuen „alten“ Hauses dreht, in dem bereits des Mannes erste Ehefrau ihr Ableben zelebrierte. Entweder ist die Hübsche aus dem Totenreich zurück und pestet die Nachfolgerin oder ihr Männe hat Dreck am Stecken und will ans Barvermögen durch baldige Anstaltseinweisung.
Na gut, vielleicht noch eine Dritte: beides zusammen.

Ich fasse mal zusammen, dann dürft ihr alle raten:
Eric ist Witwer und seine erste Holde lag irgendwann im Gartenteich. Jetzt hat er Jenni geehelicht und zeigt ihr sein altes Heim mit ausgiebigem Gartenbereich und zwei schmucken Pfauen, die enervierend vor sich hin schreien.
Das Haus ist zwar nahezu unmöbliert, beinhaltet aber noch das (mit begabter Laienhand gemalte) Portrait der ersten Hausherrin. Seltsamerweise poofen die Ehegatten nicht im gleichen Zimmer, was dem Spuk natürlich alle Möglichkeiten lässt, aber dafür kann Jenni mit reichlich familiärer Penunse aufwarten und saß auch schon mal zwischen gepolsterten Wänden. Praktisch, sowas!

Prompt tönen Schreie über das Gelände (meistens sind es die Pfauen) und da und dort zeigt sich ein geisterhafter oder eben auch sehr solider Schädel, der auf Schwellen oder in Schränken rumliegt und äh…ja, eigentlich gar nichts macht. So richtig schreien kann er gar nicht, aber die Musik des sehr kompetenten Ernest Gold lässt in seinen Psychoschwurbeleien eben so wirken. Und Peggy Webber kann wirklich prima kreischen, in einer Zeit, wo das Präsentieren der Holden mit BH und Negligé schon das Höchste der Gefühle waren.

Den Vorteil hat John Hudson als Ehemann leider nicht. Hudson war ein genereller Kleinrollendarsteller, der meistens auf dem Pferderücken oder im Kriegseinsatz Support leistete und mehr im TV als im Kino leistete – ein subtiler Darsteller möglicher Psychopathen wurde aus ihm jedoch nicht mehr. Die Performance eintönig zu nennen, ist übrigens keine Beleidigung.

Da ist das befreundete Pärchen viel geschickter: Russ Conway ist eine solide Bank und dass sein Weib Tony Johnson ganze zwei Rollen in ihrem Leben spielte, ist auch nicht eben verständlich.
Regisseur Alex Nicol große darstellerische Fähigkeiten nachzuweisen fällt bei diesem Einsatz schwer, denn sein zungenschwerer, mäßig überzeugend durch die Rabatten taumelnder Gärtner Mickey, der beim Ehemann als verantwortlicher Vollidiot für alles abgestempelt ist, dient eher dazu, das Filmchen auf die nötige Länge zu bringen.

Dennoch ist der Film kein vollständiger Rohrkrepierer.
Die Locatiion ist gut ausgesucht, und Webbers einsame Gruselnächte mit verschwindenden und wieder auftauchenden Schädeln und Pfauen haben durchaus Atmosphäre. Gerade weil das Haus fast leer da steht, wirkt es dann doch bedrückend. Die Tricks schwanken zwischen nett und amateurhaft, wenn man nicht einen montierten Plastikschädel verwendet, behilft man sich halt mit billigen Überblendungstricks. Das gilt auch für die durch den Garten sprengenden Erscheinungen. Am Ende nähert sich dann eine Knochengestalt der finalen Konfrontation, die dann eher doch für eine Kinderparty taugt, aber mit dem Budget könnte man heute vermutlich nicht mal eintägig die Getränke bezahlen.
Die Kamera ist etwas statisch, der Schnitt qualitativ schwankend, die Regie zu brav, aber in einer guten Kopie bringt der Film seine eine Stunde mit nicht zu vielen Längen rum.
Wer aber nach 15 Minuten immer noch nicht den Braten riecht, dann muss sich dringend mal die Polypen rausnehmen lassen. (4/10)

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