„Zeit der Wölfe“, „Das Tier“, „Wolfen“ und natürlich „American Werewolf“ stammen allesamt aus den 80ern und demonstrieren, wie Werwolfhorror mit Atmosphäre und soliden Effekten aussehen kann. Daran hätte sich Regisseur Daniel Robbins gut ein Beispiel nehmen können, dessen Lykanthropen leider erst zum Finale die Zähne fletschen.
Teenager Jack wird seit einiger Zeit von Alpträumen gejagt, zudem scheint er schlafzuwandeln. Als er mit seinen Kumpels Brandon und Turner ein Wochenende in der Hütte seines Onkels verbringt, erwacht er eines Morgens nackt im Freien. Kurz darauf wird von einem tödlichen Bärenangriff berichtet…
Robbins lässt sich viel Zeit mit der Exposition, die im Jahre 2003 einsetzt, als Jack als Kind im Zimmer nebenan mitbekommt, wie etwas Monströses im Haus wütet. Die Identität des Werwolfs steht von Vornherein fest und wenn über etwas arg konstruierte Weise ein schmieriger Gangster ins Spiel kommt, lässt sich ausmalen, was mit dem im Verlauf noch geschehen könnte. Bis dahin bilden Jacks Kumpels allerdings kein Potential für Unterhaltung, denn über einen unbeholfenen Nerd und einen Sexhungrigen kommen die oberflächlichen Figurenzeichnungen nicht hinaus.
Ganz nett sind ein paar Zeichnungen ausgefallen, welche einen Großteil der Hintergrundgeschichte bebildern und eine kleine Handvoll Aufheiterungen ist ebenfalls zu verzeichnen, wobei das nicht langt, dem Werk einen Comedy-Stempel aufzudrücken.
Bis es schließlich im letzten Drittel standesgemäß ein wenig blutiger und temporeicher zugeht, dümpelt das Geschehen uninspiriert vor sich hin und obgleich anbei eine Familientragödie involviert ist, bleiben Spannung und blutige Einlagen bis zum Showdown aus.
Viel mehr als Andeutungen von Gewalteinlagen sind überdies kaum auszumachen, mal sind einige tiefe Fleischwunden zu sehen und ein blutiges Bein kommt vor, doch direkte Angriffe sind kaum zu verzeichnen, was eine FSK16 absolut rechtfertigt. Die Maskerade des Ungetüms überzeugt ebenfalls nicht, denn das Make-up ist deutlich als solches zu erkennen, nur Teile der Verwandlung, insbesondere der Hände sehen einigermaßen überzeugend aus.
So wird um 18:22 Uhr ein Alarm für die Käfigzeit ausgelöst, eine Kopfkamera lässt ein wenig Found Footage einfließen, ein Antiquitätenhändler bringt eine leicht mystische Komponente ein und zweimal dient ein Müllsack als Notbehelf für fehlende Kleidung.
Ansatzweise kann geschmunzelt werden, nur selten kommt Spannung auf, überrascht wird man gar nicht und erst in den letzten Minuten ist ein wenig Action im Spiel.
Partiell unterhaltsam, doch unterm Strich liefert „Uncaged“ zu wenig von dem, was einen überzeugenden Werwolffilm ausmacht.
3,5 von 10