Wenn das Leben dir Zitronen reicht, schau dir die Huppert an
Isabelle Huppert ist eine Frau von solcher Klasse, eine Schauspielerin von solcher Kraft und eine Persönlichkeit von solcher Faszination, dass sie ihn Zweifel als eine der grossen Damen des Weltkinos gelten muss. Nicht erst seit sagenhaften Performances wie neulich in "Elle" oder eben wie hier in "Alles was kommt", doch spätestens jetzt in ihrem dritten Frühling, setzt sie ein Ausrufezeichen hinter ihre spektakuläre Karriere. Eine Frau und Schauspielerin, von der ich nicht genug kriege. Sie trägt auch "L'Avenir" im Alleingang, in dem sie eine Philosophielehrerin spielt, für die das bisher lethargische Leben einige unschöne Schicksalsschläge übrig hat und die nun versucht, sich vielleicht nicht neu zu erfinden, aber zumindest mit der neugewonnenen Mixtur aus Freiheit und Schmerz klarzukommen.
Neben dem Highlight namens Frau Huppert, bietet das ruhige Drama nicht wirklich viele Schauwerte oder eindeutige Stärken. Doch sie alleine hebt ein gut geschriebenes, nett bebildertes Drama über eine starke Frau, auf ein empfehlenswertes Level. Die Bilder von Frankreichs Hinterland sind fein und die Nebendarsteller ebenfalls, im Endeffekt funktioniert und lebt "Things To Come" allerdings nur durch seine Leading Lady. Sie hievt die Vision der sensiblen Regisseurin Hansen-Love auf ein anderes Niveau. Kein Wunder, dass der Film extra für Isabelle Huppert geschrieben wurde. Man mag den Film, man schätzt seine bodenständige Art und seine positive Weise mit den Kurven des Lebens umzugehen, doch leider berührte mich die sehr normale und unspektakuläre Geschichte an sich nicht genug, um vollkommen zu Strahlen. Und wenn die Geschichte so dünn ist, hilft sogar ein grandioser Hauptcharakter nicht endlos. Das mich die philosophischen Exkurse kalt ließen, ist ein weiterer Punkt, der dem etwas verkopften Drama nicht zu Gute kommt.
Fazit: gemächlich und trotzdem kraftvoll - Isabelle Huppert ist einfach eine Powerfrau, die jede noch so alltägliche Geschichte veredelt. "Alles was kommt" ermutigt weiterzumachen, selbst oder gerade wenn im Leben nicht alles nach Plan läuft. Etwas ereignisarm und ohne geschichtliches, aussagetechnisches Zentrum, trotzdem ein gefühlvoller Einblick in ein Leben am Wendepunkt.