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Johnny Ortiz spielt den Mexikaner Nero, der in Kalifornien aufwuchs, aber nicht auf amerikanischem Boden geboren wurde. Daher wird er nach dem Tod des Vaters abgeschoben. Da Nero Heimat und Perspektive in Kalifornien und nicht in Mexiko sieht, versucht er von da an mehrfach, illegal in die USA zurückzugelangen und Soldat zu werden. So könnte er nach dem Dream Act im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleiben.

Auf den ersten Blick könnte es sich bei „Soy Nero“ um einen dieser typischen Berlinale-Filme handeln, einen dieser mehr schlecht als recht gemachten Filme, die gut gemeint sind, ihre Botschaften aber wahlweise zu plakativ vermitteln oder ihre Thesen bei schleppendem Tempo langwierig vortragen. Doch wenngleich die auch aus deutschen Filmfördermitteln finanzierte Produktion des britisch-iranischen Regisseurs Rafi Pitts zunächst sehr wortkarg und episodisch erzählt ist, erfüllt sie diese Klischees nicht und entfaltet, ganz im Gegenteil, in den besten Szenen eine starke narrative und auch visuelle Wucht.

„Soy Nero“ hat am Anfang zwar ein paar Längen, kommt dann aber schnell in Gang, wenn Nero auf seinen scheinbar wohlhabenden Bruder trifft und es kurz so aussieht, als könnte ihm der Militärdienst erspart bleiben. Pitts erzählt nüchtern und unaufgeregt, macht dabei in einigen prägnanten Szenen deutlich, wie respektlos und unmenschlich Amerika mit Immigranten aus Mexiko umgeht. Besonders ernüchternd ist dabei die abschließende Szene. Doch es sind nicht nur die im Film aufgegriffenen Gedanken über Grenzen und Immigration, die diesen sehenswert machen, es sind auch die überzeugenden Darsteller und die opulenten Bilder. Das gilt für die bildgewaltigen Landschaftsaufnahmen genauso wie für die sehr realistisch gefilmten Kriegs-Szenen am Ende.

Ein weiteres Plus des Films ist die stellenweise durchaus packende Geschichte von Nero, die trotz der distanzierten Erzählweise in den besseren Momenten mitzureißen vermag, was nicht zuletzt der sachlichen aber eindringlichen Darstellung von Johnny Ortiz geschuldet ist. Umso fraglicher ist es, warum sich Pitts bei den Szenen im Irak fast mehr auf die anderen US-Soldaten als auf Nero fokussiert, der meist stumm daneben sitzt, wenn sich die anderen über amerikanische Rapper unterhalten. Gerade in diesen Szenen verliert der Film leider sowohl an Fahrt, als auch an Kraft.

Fazit:
Trotz mancher Länge überzeugt „Soy Nero“ als Anklage gegen den respektlosen Umgang der USA mit ihren hispanischen Immigranten - und das nicht zuletzt auch darstellerisch und visuell.

71 %

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